Auch aus dem Bergischen Land kommen die jungen Menschen, deren Leben früh enden wird. Das Hospiz ist für seine Arbeit auf Spenden angewiesen.
Blick nach OlpeDas Kinder- und Jugendhospiz Balthasar – Ein Ort, der Familien stark macht

Klinikclown Michel (Michael Wibbelt) sucht im Olper Kinder- und Jugendhospiz Balthasar den Kontakt zu den Gästen. So heißen die Bewohnerinnen und Bewohner dieser besonderen Einrichtung.
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Im Gemeinschaftsraum geht’s hoch her. Die kunterbunten Clowns Lilly und Michel sind angekommen – und prompt treiben sie Schabernack. Lachen, Klatschen, alle sind in Bewegung. Leise ist es an diesem Morgen im Kinder- und Jugendhospiz Balthasar wirklich nicht. Einmal in der Woche – und das seit 22 Jahren schon – schauen der Siegener Michael Wibbelt und seine Clown-Kollegin Mieke Stoffelen aus Windeck in Olpe vorbei und stellen das Hospiz auf den Kopf.
„Einen lebendigeren Ort als diesen kann ich mir eigentlich nicht vorstellen“, verrät Wibbelt. „Jede Woche ist anders, jeder Tag neu, einen typischen Tag gibt es nicht.“ Wie groß ihr Publikum ist, das wissen Michel und Lilly vorher nie. „Wer kann, der kommt.“

In diesem Raum nehmen die Familien Abschied von den Kindern und Jugendlichen, die im Hospiz gegangen sind.
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Patientinnen gibt es in Olpe nicht. Und auch keine Patienten. „Wir haben Gäste“, sagt Hospiz-Sprecherin Martha Lehmann. Denn wer ins Kinder- und Jugendhospiz kommt, der soll Ruhe finden und Erholung, Abwechslung und Erfrischung für die Seele. Da sind die jungen Menschen, deren Erkrankung dem Leben ein frühes Ende setzen wird.
Da sind aber auch die Eltern und die Geschwister, die ebenfalls im Hospiz Räume beziehen, um Zeit an einem anderen Ort zu verbringen. Lehmann: „Wir haben insgesamt zwölf Plätze für erkrankte Gäste, acht im Kinder- und vier weitere im Jugendhospiz. Hinzukommen die Zimmer für die Eltern, die Großeltern, für andere Begleitpersonen und in den Schulferien die für die Geschwister.“
Allein in der Pflege kümmern sich 46 Fachkräfte um die Erkrankten, ein psycho-soziales Team betreut zudem die Familien, mehr als 70 Mitarbeitende hat das Hospiz insgesamt. Fast 20 ehrenamtlich Tätige helfen überdies, viele seit Jahren schon. Gegründet wurde das Kinderhospiz 1998, damit ist es bundesweit die älteste Einrichtung dieser Art. Und die lebt von Spenden – viel Geld kommt stets aus Oberberg. „Spenden machen die Hälfte unseres Etats aus“, unterstreicht die Sprecherin die Bedeutung dieser Unterstützung.
Die Gäste kommen auch aus dem Süden und dem Südwesten des Oberbergischen Kreises
Die Gäste, so ergänzt Lehmann, kommen aus einem Umkreis von 150 bis 200 Kilometern, dazu gehören der Süden und der Südwesten Oberbergs, „aber auch aus ganz Deutschland“. Das Kinderhospiz nimmt Erkrankte vom Baby bis zum 18 Jahre alten Teenager auf, Menschen bis 27 Jahre finden nebenan einen Platz im Jugendhospiz.
Die Diagnose Krebs ist dort eher selten, es sind Erkrankungen der Muskeln oder der Atemwege oder Beeinträchtigungen im Stoffwechsel, die kein hohes Lebensalter erlauben. Mancher Gast muss beatmet werden, andere sind auf eine dauerhafte Betreuung angewiesen.
„Wir sind also nicht die Begleiter in der letzten Lebensphase, sondern schon viel früher“, erklärt Martha Lehmann. „Wir organisieren Entlastungsaufenthalte für die gesamte Familie und machen sie stark für den Alltag – wer anreist, der bleibt eine Woche, zehn Tage oder einen ganzen Monat.“ Manche Familie besuche das Hospiz seit Jahren schon. An diesem Tag sind es sieben Familien und ein Jugendlicher, die zu Gast sind in den freundlichen, immer hellen Räumen an der Maria-Theresia-Straße mitten in Olpe.

Auch Platz für Fluchten in die Welt der Fantasie gibt im Kinder- und Jugendhospiz. Die Sprecherinnen Martha Lehmann (links) und Esther Mara Junker sitzen im urigen Bücherzimmer.
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Unter dem Dach finden sich eine Schmökerstube mit unzähligen Büchern, ein Musikzimmer mit Klangwiege und ein Zimmer, das voll ist mit flauschigen Kuscheltieren. Und im Raum gegenüber leuchten beruhigende Lichter, Musik erklingt und ein Wasserbett lädt zum Snoezelen, zum Entspannen, ein. Fotos an den Wänden der Flure, bunte Abdrücke von Händen und auch mal von Füßen erinnern überdies an die jungen Gäste – an die, die gekommen sind, ebenso wie an die, die dort für immer gegangen sind.
Am Ende eines Flures ist auch ein Raum mit zurückhaltend-christlichen Motiven, der dem letzten Abschied dient. „Hier werden die Toten aufgebahrt, damit die Familien noch einmal vereint sind in aller Stille“, schildert Martha Lehmann. „Manche Familie kehrt später noch einmal zurück, um sich zu erinnern.“ Ein großer Garten mit Strandkörben findet sich ebenso auf dem Gelände.
Zum Alltag gehören indes nicht nur die beiden Klinikclowns, sondern auch eine Schar kecker Alpakas vom Nachbargelände der Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe, Shetland-Ponys und natürlich Butch, der Elo – ein Therapiehund, der seit 2019 oft mit der Finnentroper Logopädin Bianca Hartelt das Hospiz besucht. „Allein die Mahlzeiten haben einen festen Termin“, sagt Martha Lehmann, ansonsten werde jeder Tag zumeist nach den Bedürfnissen des Gastes gestaltet, schöne Dinge sollen darin großen Platz finden. Zu Beginn einer Woche gebe es meist eine Elternrunde.
Immer aber gilt: Wem es zu laut oder zu hektisch ist, der darf sich zurückziehen. „Das macht es spannend für uns“, verrät Klinikclown Michel. „Wer kommt diesmal zu uns? Und wen dürfen wir nachher in seinem Zimmer besuchen?“
Tag der offenen Tür am Samstag, 6. Dezember 2025
Das Kinder- und Jugendhospiz möchte jungen Menschen die Angst vor dem Tod nehmen. So ist in Olpe die Idee entstanden, einen „Schreck-lass-nach“-Koffer zu packen, den Kindertagesstätten und Grundschulen ausleihen können. Eine Woche nach Bestellung des Koffers wird dieser – auf die Bedürfnisse der jeweiligen Einrichtung abgestimmt – gefüllt mit Bilderbüchern, Geschichten, Symbolen, Kopiervorlagen und Fachliteratur. Diese Dinge sollen Impulse für den Umgang mit den Themen Tod und Trauer geben – zur Vorbereitung oder auch in Zeiten des Abschiednehmens.

Das Kinder- und Jugendhospiz Balthasar steht mitten in der Stadt Olpe und dort an der Maria-Theresia-Straße 30a.
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Wer das Hospiz, Maria-Theresia-Straße 30a in Olpe, kennenlernen möchte, der hat am Samstag, 6. Dezember 2025, von 11 bis 17 Uhr die Gelegenheit dazu: Dann ist dort nämlich Tag der offenen Tür – Kontakt unter (02761) 92 65-40.

