Das vierte Festival unter dem Titel „Love Music! Hate Fascism!“ lockte am Samstag in den Stadtgarten. Menschen jeden Alters wollten mitfeiern.
Für die VielfaltEin krachendes Festival mitten in Gummersbach am 40. Hochzeitstag

Zum Line-Up des Gummersbacher Festivals „Love Music! Hate Fascism!“ am heißen Samstagnachmittag im Stadtgarten auf dem Steinmüllergelände gehörte auch die Musikerin Rebecca.
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Sie wollen Menschen kennenlernen, die auf einer Wellenlänge liegen, sie wollen Perspektiven austauschen, Ideen abschöpfen und ein deutliches Zeichen setzen gegen den Rechtsruck. Und ihren 40. Hochzeitstag feiern Regina und Christian Lunkewitz im Gummersbacher Stadtgarten auch noch: Und da gibt es gerade kräftig auf die Ohren. Auf dem Gummersbacher Steinmüllergelände tobt am heißen Samstagnachmittag das vierte Festival „Love Music! Hate Fascism!“, auf der Bühne rockt das Quartett Big Stroke aus Hückeswagen und die beiden Lindlarer sind mitten drin.
Ihnen gefällt, was sie da hören – und was sie da sehen: „Wir sind es gewohnt, in Freiheit zu leben – und für diese Freiheit müssen wir genau jetzt etwas tun“, sagt Regina Lunkewitz (62), Ehemann Christian (66) ergänzt: „Wir müssen den rechten Gruppen entgegentreten.“
Aus den Jugendzentren in der Region ging's raus und mitten aufs Steinmüllergelände
Damit ist das Jubelpaar nicht allein: Stände und Buden von Gewerkschaften und demokratischen Parteien säumen die Festivalwiese ebenso wie die von Studierendenvertretungen und anderen Organisationen: „Kein Bock auf Nazis!“ ist der Ausruf, der sie alle eint. Ausrichter ist der Verein „Kultur Konter“, der sich im Jahr 2024 gegründet hat, mit dem Ziel, in der ländlichen Region die Vielfalt zu feiern und diese Feier stets mit Kultur, Kunst und Musik zu verbinden, dabei Netzwerke zu schaffen.
Und das nun zum ersten Mal mitten in der Kreisstadt mit dem Verein als alleinigem Gastgeber: „Die ersten Festivals seit 2017 haben sich als Protest gegen die AfD verstanden, meistens waren wir in Jugendzentren“, erinnert sich die Mitorganisatorin Kathrin Rzany. „Aber wir wollen laut sein, wir wollen gehört werden.“ Umso mehr habe es den jungen Verein gefreut, dass die Hüter der Halle 32 den Stadtgarten fürs Festival freigegeben haben.
Auch Jacques Tillys „Demokratie-Fisch“ ist am Samstag nach Gummersbach „geschwommen“
Dort spielen sechs Bands, Musikerinnen und Musiker bis in den späten Abend, das Duo Blumengarten aus Velbert setzt den Schlussakkord. Zwischen den Kurzkonzerten gibt es Wortbeiträge. Und der Düsseldorfer Künstler und Kult-Wagenbauer Jacques Tilly hat seinen „Demokratie-Fisch“ vorbeigeschickt. Stets 300 bis 400 Menschen, so schätzt Rzany, darunter zeitweise auch viele Fans des Handball-Bundesligisten VfL Gummersbach, tummeln sich tagsüber rund um die Bühne, die Mischung ist immer bunt – von der Oma bis zum Punk, vom Kleinkind bis zum Opa mit den Enkeln.
Vor der Bühne trägt Stefan Christl, ebenfalls aus Lindlar, sein schwarzes „Arsch huh“-T-Shirt mit Stolz. „1992 war ich in Köln dabei, damals war die Zeit bereits echt hart“, sagt der 55-Jährige. „Der Widerstand aus dieser Zeit muss heute mit dem Wiedererstarken des Rechtspopulismus wieder brandaktuell werden“, fordert er.
Dass die Feier der Vielfalt schon im Kindesalter beginnen kann, das wollen die beiden Pädagoginnen Nicole Pantosky und Samira Luka zeigen, indem sie so viele Nationen wie möglich an die Maltische unterm Zeltdach holen: „Die Kinder sind kreativ – und erleben ein bisschen Politik nebenbei.“
Derweil steht Daniel Zielke als Sänger von Big Stroke auf dem Podium, die Band besingt laut, aber höchst melodisch die „Gute, alte Zeit“, die sich aber ausgerechnet heute, nämlich im Hier und Jetzt, abspielt. Wenn Anfragen für solche Auftritte kämen, zögere die Band nicht, schildert der 42-Jährige, der mit der Perserin Mehrnaz verheiratet ist: „In unserer Gesellschaft wird viel zu viel stigmatisiert und kategorisiert: Wir sollten wieder miteinander statt über einander reden.“ Und für Intoleranz und Hass dürfe es keinen Raum mehr geben.
