Der Oberbergische Kreis bringt mit dem Netzwerk „Defence Oberberg“ Unternehmen an einen Tisch.
Neues NetzwerkIn Oberberg geht's hinter den Kulissen um Verteidigung

Brehmer liefert unter anderem Infrarotscheinwerfer (l.) und Infrarotschlussleuchten (r.u.) für das Rheinmetall-Fahrzeug „Caracal“.
Copyright: Brehmer
Unter Ausschluss der Öffentlichkeit trifft sich im Oberbergischen Kreis bereits seit geraumer Zeit ein Netzwerk von hiesigen Unternehmern, die im Verteidigungssektor tätig sind oder dort tätig werden wollen. Die „Defence Oberberg“ – auf Deutsch „Verteidigung Oberberg“ – wurde von der Kreisverwaltung in Gummersbach gegründet. Erst jetzt, auf Nachfrage unserer Zeitung, hat der Oberbergische Kreis zu der Initiative erstmals Stellung genommen.
Welchem Konzept folgt „Defence Oberberg“?
Das Netzwerk Defence Oberberg arbeitet analog zu der bereits seit 2009 bestehenden Kunststoffinitiative Oberberg, kurz „KIO“. Diese wurde von der Wirtschaftsinitiative des Oberbergischen Kreises in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen aus der Region entwickelt, um die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der oberbergischen Kunststoffunternehmen nachhaltig zu stärken. Kio diente als Blaupause für die neue, noch sehr lose Interessengemeinschaft im Verteidigungssektor: Zu „Defence Oberberg“ zählen Firmen, die Zulieferer für Verteidigungs- oder Rüstungstechnik sind oder werden könnten.
Wie kam es zu dem Zusammenschluss?
Angestoßen hatte das erste Treffen Oberberg ehemaliger Landrat Jochen Hagt. Einer der Impulsgeber war der Nümbrechter Unternehmer Thomas Brehmer (s. Kasten), der unter anderem Zulieferer des Rüstungsunternehmens Rheinmetall ist. „Ich habe Jochen Hagt bei einem Besuch unserer Firma gesagt, dass er für die Verteidigungstechnik eine Initiative wie Kio anstoßen möge“, erinnert sich Brehmer.
Welche Firmen gehören „Defence Oberberg“ an?
Vertreter welcher Unternehmen neben Brehmer an den beiden bereits stattgefundenen Treffen teilgenommen haben, darüber hüllt sich der Oberbergische Kreis bis dato in Schweigen. Verraten wurde nur, dass es jeweils 25 Unternehmensvertreter gewesen sein sollen. Auf Nachfrage wurde dieser Zeitung mitgeteilt, dass es „in diesen Fall der besondere Wunsch der Unternehmen“ gewesen sei, „sich zunächst einmal im geschlossenen Rahmen überhaupt mit dem Thema beschäftigen zu können“, wie Sprecherin Iris Trespe aus dem Kreishaus schriftlich mitteilt.
Was ist die Idee des Netzwerks?
Und was war Hagts Idee, als er Defence Oberberg ins Leben rief? Der Kreis erklärt: „Die starken Branchen im Oberbergischen Kreis sind Kunststoffverarbeitung, Metallbearbeitung und Metallverarbeitung, Elektrotechnik, Maschinenbau und Automotive.“ Die Expertise der Unternehmen werde auch in der Sicherheitstechnik benötigt. „Einige Unternehmen bieten auch schon länger sogenannte ,Dual-Use’-Produkte an. Daher war es naheliegend, die Unternehmen miteinander zu vernetzen. Nicht zuletzt auf Wunsch einiger Unternehmen.“
Was produzieren die beteiligten Firmen?
Die Unternehmen stellen überwiegend keine kompletten Endprodukte her, sondern seien als Teil der Wertschöpfungskette (wie im Automotivebereich) „Zulieferer der Zulieferer“, sagt der Kreis: „Überwiegend handelt es sich um (Vor-)Produkte, welche sowohl für zivile Zwecke als auch für Sicherheitstechnik genutzt werden können.“
Welche Rolle spielt die Kreisverwaltung?
Zur Rolle der Kreisverwaltung im neuen Netzwerk heißt es: „Der Kreis übernimmt mit der Wirtschaftsförderung eine koordinierende Aufgabe bei den Veranstaltungen. Die Unternehmensvernetzung ist eine grundlegende und von den regionalen Unternehmen gerne genutzte Dienstleistung der Wirtschaftsförderung des Oberbergischen Kreises.“ Als Experten gesprochen haben bislang Vertreter der Firma Wimcom GmbH sowie des Bundeswehr-Landeskommandos NRW. Wimcom ist laut Internetauftritt „die größte deutsche Unternehmensberatung, die ausschließlich im Military Business berät und unterstützt“, berichtet die Kreisverwaltung. Themen, über die bei den Treffen gesprochen wurden, waren Fragen wie „Kann die Sicherheitstechnik ein Geschäftsfeld für mein Unternehmen sein?“, „Wie kann ein Zugang zu dem neuen Geschäftsfeld eröffnet werden?“ und „Welche Aspekte sind dabei zu beachten?“
Die Brehmer-Gruppe
Spätestens seit dem Drohnenvorfall am Flughafen in Leipzig sei es an der Zeit, dass das Thema Wehrtechnik in das Bewusstsein der Bevölkerung komme, sagt Firmenchef Thomas Bremer. Der Absolvent der Gummersbacher Fachhochschule und ehemalige technische Leiter des Gummersbacher Merit-Werkes gründete mit seiner Frau im Jahr 2003 in Wiehl die Firma „brehmermechatronics“. Heute hat Brehmer 126 Kollegen.
Was die Brehmer-Gruppe leistet, soll am 17. September am Firmensitz in Nümbrecht-Elsenroth gezeigt werden. Dieses Jahr steht die Veranstaltung unter dem Motto „Sicherheit für uns alle“. Ihr Kommen zugesagt haben auch einige Offizieren der Bundeswehr. Es wird auch Militärfahrzeuge zu sehen geben. Zu den Produkten, die von Brehmer stammen, gehört ein Batteriemanagementsystem, dass die Oberberger an Rheinmetall liefern. Dieses Gerät schaltet einen Lastwagen automatisch aus, sobald dieser seine maximale Neigung überschreitet. Gedacht ist die Veranstaltung für geladenes Fachpublikum, für Mitarbeiter gibt es eine weitere Veranstaltung. „Für uns alle ist die ,Zeitenwende’ eine große Herausforderung“, sagt Brehmer.