75 Jahre nach Verkündigung der Menschenrechte wurdenam Wochenende in Gummersbach alle 30 Artikel öffentlich verlesen
LesungBreiter Konsens für die UN-Menschenrechtserklärung in Gummersbach

Gerhard Jenders (vorn) moderierte die Lesung der 30 Artikel aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in Gummersbach.
Copyright: Siegbert Dierke
Vor 75 Jahren, am 10. Dezember 1948, wurde in Paris die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von der Vollversammlung der Vereinten Nationen verkündet. An diese Resolution erinnerte am Samstagmittag 30 Oberbergerinnen und Oberberger und weitere Mitstreiter, die auf dem Lindenplatz alle 30 Artikel verlasen.
Organisiert hatte die Veranstaltung der Verein „Unser Oberberg ist bunt, nicht braun“. Dessen Vorsitzender Gerhard Jenders hatte ein breites Spektrum von Vertretern verschiedener gesellschaftlicher, politischer und kirchlicher Institutionen eingeladen.
Die, die jetzt hier in der Stadt sind, haben gemerkt, dass es viele gibt, die sich für Menschenrechte einsetzen.
Und so begrüßte er Teilnehmerinnen und Teilnehmer von FDP, SPD und Grünen (Jenders: „Bei uns funktioniert die Ampel!“), Vertreter von Gewerkschaften, und von katholischer, evangelischer, evangelisch-freikirchlicher und anglikanischer Kirche.
Mit Ina Albowitz (FDP) war eine ehemalige Bundestagsabgeordnete mit von der Partie, mit Marc Zimmermann (Grüne) ein aktueller Landtagsabgeordneter. Vor dem Verlesen der 30 Artikel erinnerte Jenders an die Zeit vor 75 Jahren, in der die rechtlich nicht bindende Erklärung entstand, unmittelbar nach Weltkrieg und Shoah.
75 Jahre später herrsche immer noch Krieg und Terror, würden in sozialen Netzwerken und auf den Straßen, aber auch in politischen Parlamenten extrem rechte, menschenverachtende Parolen verbreitet. Umso wichtiger sei es auch heute, für die Menschenrechte und die Demokratie einzutreten und Menschenrechtsverletzungen nicht hinzunehmen. „Darin dürfen wir nicht nachlassen.“
Froh über den breiten Zusammenschluss
Der Lindenplatz in der Gummersbacher Innenstadt war als Veranstaltungsort eine bessere Wahl als eine interne Veranstaltung mit geschlossener Gesellschaft, ist sich Jenders sicher: „Es reicht nicht, in einem Saal vornehme Reden zu halten. Einfach die Leute ansprechen. Die, die jetzt hier in der Stadt sind, haben gemerkt, dass es viele gibt, die sich für Menschenrechte einsetzen. Es ist wichtig, dass das noch mal ins Bewusstsein kommt.“
Gerhard Jenders freute sich über den breiten oberbergischen Zusammenschluss, der sich im Namen der Menschenrechte auf dem Platz formiert hatte: „Klarzumachen, dass wir das gemeinsam machen, egal, was wir sonst für Differenzen haben: Darauf kam es heute an.“
Die Würde ist jedem Menschen von Gott gegeben und kann deswegen auch keinem Menschen genommen werden.
Pfarrer Markus Aust von der evangelischen Kirchengemeinde in Gummersbach erklärte auf Anfrage, warum Kirche für die Menschenrechte eintritt: Das sei selbstredend, so der Pfarrer, „das Doppelgebot der Liebe, das Jesus uns als höchstes Gebot gegeben hat, ist die geistige und geistliche Grundlage für mich. Und die Menschenrechte sind sozusagen die Konkretisierung dieses Doppelgebotes. Die Würde ist jedem Menschen von Gott gegeben und kann deswegen auch keinem Menschen genommen werden." Die Bergpredigt Jesu sei, neben anderen wichtigen Quellen, ein geistiger Traditionsstrom der Menschenrechte, so Aust.


