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Paradiesvogel aus OberbergVor 50 Jahren starb die Tänzerin Mathilde de Buhr

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Gummersbach – Es war ein trauriger Sommertag vor 50 Jahren für die große Zahl von Gummersbachern, die der weltbekannten und berühmten Tänzerin Mathilde de Buhr das letzte Geleit gaben. Unter großer Anteilnahme wurde sie 1967 auf dem alten Gummersbacher Friedhof zu den Klängen der Matthäus-Passion, wie in der Zeitung berichtet wurde, beigesetzt. Pastor Schultz bestätigte ihr in seiner Rede eine große Liebe zu ihrer Heimatstadt – die Kosmopolitin de Buhr hatte nach weltweitem Ruhm letztlich wieder nach Oberberg zurückgefunden.

Geboren wurde sie 1888. Wie die Autorin Monica Weispfennig in ihrem Essay in dem Buch „Gummersbacher in ihrer Zeit“ berichtet, war sie die jüngste Tochter des Katasterdirektors Johann Christoph Heinrich Buhr und seiner Frau Doris. Im Erdgeschoss des Elternhauses war das Katasteramt, im ersten Stock wohnte die Familie mit den vier Kindern Willi, Karl, Therese und Mathilde.

Mathilde geht bis 1900 zur Volksschule, dann ab 1905 in ein Mädchenpensionat in Düsseldorf zu einer Frau Neuhaus, die die Schauspielerin und Theaterleiterin Louise Dumont bewundert und Mathilde zu deren Aufführungen mitnimmt. 1906 kehrt die Gummersbacherin nach Oberberg zurück und wird Mimin in einer Laienschauspielgruppe, erhält Gesangsunterricht und darf turnen – nach „Bitten und Betteln“, wie Monica Weispfennig berichtet.

1910 ist Mathilde 22 Jahre alt, als sie in Norwegen bei Bess Mensendieck Unterricht in Atem- und Leibpädagogik nimmt. Kaiser Wilhelm II. lädt die Lehrerin und Schülerin zur Besichtigung seiner Yacht ein und fragt Mathilde nach ihrer Heimatstadt. Auf die Antwort „Gummersbach“ soll der Kaiser entgegnet haben, dass ja von dort die Steinmüller-Kessel herkämen.

Zu Besuch auf der Yacht des Kaisers

Ein Jahr später macht die junge Frau ihr Tanzexamen und führt in Oberberg einen indischen Gebetstanz anlässlich der „Ausstellung für Kunstgewerbe“ auf. 1912 stirbt der Vater, die Familie zieht nach Köln, wo Mathilde zum Studium an die Schauspielbühne geht. Sie nimmt Ballettunterricht in Paris, lernt weiter in der Schweiz und in Berlin, um letztlich als Ausdruckstänzerin aufzutreten. Als Mathilde mit Bruder Karl Wien besucht, bleibt dort und taucht in die Kulturszene ein. Ihr edles Benehmen und beseeltes Tanzen bekommt viel Lob. Ab 1916 hat sie bejubelte Auftritte in Berlin, Frankfurt und Köln.

Zwei Jahre später findet sie in Joachim von Seewitz, aus Hückeswagen stammend, ihren Tanzpartner. Sie gastieren in Budapest, Frankreich, Belgien, Holland und der Schweiz. 1918 entsteht auch das Porträt „Dame mit Katz“ von Carlo Mense, das heute im Museum Schloss Homburg zu sehen ist. 1933 tanzt Mathilde auf der Chicagoer Weltausstellung ihren „Javanischen Schlangentanz“ und tourt anschließend durch die USA.

Ende Mai 1942 wird das Haus der Familie in Köln zerbombt, Mathilde zieht nach Gummersbach zurück und gründet im Haus eine Tanzschule. Von 1949 bis 1962 gehören Auftritte ihrer Schülerinnen zum Programm der Gummersbacher Schützenfeste. Von 1949 an bis ein Jahr vor ihrem Tod schreibt die Künstlerin für die örtlichen Zeitungen und erinnert sich in ihren Texten auch an die Vergangenheit.

„Viele hielten sie für einen Paradiesvogel“, schreibt Monica Weispfennig und ergänzt: „Ohne Zweifel war sie jedoch eine herausragende Persönlichkeit, die auf künstlerischer Ebene weit über Deutschland hinaus Anerkennung gefunden hat.“