Härten abfedernEin eigener Bustarif für Oberberg?

Die Tarifstruktur für Busfahrten ändert sich im Sommer, womöglich wird es dann einen eigenen Oberberg-Tarif geben.
Copyright: Michael Lenzen (Archivfoto)
Bus- und Bahnkunden müssen sich in Teilen von NRW – auch im Oberbergischen – ab 1. Juni auf eine neue – deutlich vereinfachte – Tarifstruktur einstellen. Für viele Oberbergerinnen und Oberberger würden Fahrten im neuen Rheinlandtarif allerdings deutlich teurer. Um das zu verhindern, arbeiten Ovag, VRS und die oberbergische Politik an einem Oberberg-Tarif. Die Idee hinter der Reform: Die komplizierte Tarifstruktur soll übersichtlicher werden. „Nach der Reform wird das Tarif-Abitur der Vergangenheit angehören“, sagte VRS-Geschäftsführer Michael Vogel in der jüngsten Sitzung des Kreisentwicklungsausschusses in Gummersbach.
Die Kunden der Ovag würden damit in Relation am stärksten von Preishärten der Reform getroffen.
Die Gremien des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS) und des Aachener Verkehrsverbundes (AVV) haben sich auf eine Vereinfachung der Preisstufen verständigt. Konkretes Beispiel: Die jetzigen VRS-Preisstufen 2a, 2b und 3 werden zur neuen Stufe 2 zusammengefasst. Die entsprechenden Fahrscheine (Einzelfahrt Erwachsene), die heute zwischen 3,90 Euro und 7,40 Euro kosten, gibt es künftig zum einheitlichen Preis von 5,50 Euro; es gibt also Gewinner und Verlierer. Nur: Besonders viele Verlierer wird es in Oberberg geben, denn hier löst jeder dritte Ovag-Kunde den günstigen Tarif 2a. Bedeutet: Diese Gruppe müsste künftig statt 3,90 Euro pro Fahrt 5,50 Euro bezahlen. „Dieser Anteil ist deutlich höher als bei anderen Verkehrsunternehmen“, heißt es in der Sitzungsvorlage zum Kreisentwicklungsausschuss, „die Kunden der Ovag würden damit in Relation am stärksten von Preishärten der Reform getroffen“.
Werbung für eine App
Um das abzufedern, wird in Abstimmung mit dem VRS für diese Kundengruppe an einer rein oberbergischen Binnenlösung gearbeitet: Für Fahrten zwischen zwei oberbergischen Kommunen mit der Ovag (bisher Tarifstufe 2a) soll ein Sondertarif gelten und künftig vier Euro statt 3,90 Euro kosten.
Gleichzeitig wollen alle Beteiligten die Nutzung der App eezy.nrw (siehe Kasten) bewerben, denn deren Nutzung berge ebenfalls Sparpotenzial. Dafür sprachen sich in der Sitzung sowohl Ovag-Geschäftsführerin Corinna Güllner, und Michael Vogel als auch Vertreter verschiedener Parteien aus.
Die Ovag plant einen ganzen Strauß an Werbemaßnahmen, wie Corinna Güllner auf Anfrage berichtet – an Haltestellen, in Bussen, auf digitalen Kanälen und auf Festen. Denn ausgerechnet im Oberbergischen ist diese App deutlich weniger verbreitet als andernorts. Das wird etwa darauf zurückgeführt, dass der Altersschnitt der Kundinnen und Kunden in Oberberg höher ist als in Metropolen wir Köln und somit der Umgang mit Smartphones weniger selbstverständlich. Zudem gebe es viele Ovag-Kunden mit einer Sprachbarriere.
Der Oberberg-Tarif soll durch Mehreinnahmen, die durch die Tarifreform erwartet werden, finanziert werden. Die Ovag würde dann auf Mehreinnahmen verzichten. Bevor der Kreistag grünes Licht für den „Oberberg-Tarif“ geben könnte, befasst sich nächste Woche noch der Kreisausschuss mit dem Thema und mit dem finanziellen Aspekt, also mit zu erwartenden Mindererlösen und Mehreinnahmen. Auf die Regionalbahn 25 wäre der Sondertarif nicht anwendbar.
Die eezy.app
Innerhalb von NRW kann man jede Fahrt mit Bus und Bahn mit der App eezy.nrw bezahlen. Diese soll im Laufe des April auch in die Ovag-App integriert werden, sagt Corinna Güllner auf Nachfrage. Ein Knopfdruck beim Einsteigen auf dem Smartphone, ein weiterer beim Aussteigen – abgerechnet wird die Fahrt nach Luftlinie, erfasst per GPS. Verschiedene Zonen, Tarifgebiete, Preisstufen spielen keine Rolle mehr. Der Preis berechnet sich aus einem fixen Grundpreis und den Luftlinienkilometern zwischen Start und Ziel.
Der Endpreis wird dann abgebucht, per Kreditkarte, Lastschrift oder PayPal, je nachdem, welches Buchungsverfahren man bei der Registrierung gewählt hat. Ein Preisrechner kann auch schon vor Fahrtantritt anzeigen, wie teuer die Fahrt voraussichtlich wird. Monatlich bezahlt jeder Kunde höchstens 63 Euro mit eezy.nrw. Ist dieser Betrag erreicht (er entspricht den Kosten des Deutschlandtickets), fährt man bis Monatsende kostenlos – aber eben nur innerhalb von NRW, nicht deutschlandweit.

