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Interview mit den AlthoffsMit viel Harmonie und ein bisschen Krach

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GummersbachIhre Familie ist durchweg musikalisch. Jetzt treten Ihre Töchter Alexandra und Laura erfolgreich in ihre Fußstapfen. Wie viel Musik machen Sie zu Hause als Familie?

Unmittelbar vor einem Konzert üben wir gemeinsam. Meistens beschäftigen wir uns den ganzen Nachmittag damit. Wir üben also projektbezogen.

Und die klassische Hausmusik?

Die machen wir eigentlich nicht. Jeder für sich hat genug zu tun. Wenn wir allerdings alle frei haben, dann überlegen wir, was wir in Zukunft spielen könnten. Wir schauen uns auf YouTube verschiedene Sachen an. Wenn uns etwas gefällt, besorgen wir uns die Noten und überlegen, ob man daraus zum Beispiel eine Cello-Stimme machen könnte.

Gibt es auch andere Leidenschaften, die Sie teilen?

Ja, den Urlaub mit dem Wohnmobil. Beruflich müssen wir oft in Hotels übernachten und den ganzen Tag gestylt sein. Da genießen wir es umso mehr, in der Natur zu sein. Das ist die pure Entspannung. Am liebsten fahren wir nach Kroatien.

Sind Ihre Töchter aus eigenem Antrieb zur Musik gekommen?

Laura hat immer gerne gesungen, schon als sie zwei war. Was sie hörte, konnte sie auch singen. Sie hatte von Anfang an das Talent. Und sie mag es aufzutreten.

Und wie kam Alexandra ausgerechnet zum Cello?

Über Umwege. Zuerst habe ich ihr das Klavierspielen beigebracht. Irgendwann wollte sie ein anderes Instrument ausprobieren und hatte ein Cello gesehen. Sie hat Unterricht bekommen und schon nach kurzer Zeit den Bundespreis bei „Jugend musiziert“ gewonnen. Sie hat auch immer gerne und gut gesungen. Damit pausiert sie gerade. Auch Mädchen haben eine Art Stimmbruch.

Solch musikalische Höchstleistungen erfordern sicher viel Fleiß und Disziplin. Wie diszipliniert sind Ihre Töchter, wenn es ums Üben geht?

Sehr diszipliniert. Sonst würde das auch nicht funktionieren. Alexandra übt 90 Minuten am Tag. Und Laura auch viel.

Und der innere Schweinehund?

Wenn sie lange Unterricht haben und viel für die Schule tun müssen, dann meckern sie schon mal. Aber im Grunde wissen beide, dass sie üben müssen und machen das auch. Wenn wir immer mit der Pferdepeitsche hinter ihnen stehen müssten, wäre das ja auch schrecklich.

Unterrichten Sie die Kinder selbst?

Nein, wir lassen sie unterrichten. Wir geben gerne Hilfestellung, aber der Unterricht liegt in anderen Händen. Und das ist auch gut so.

Sie sind selbst Schülerin gewesen, damals noch in Gummersbach. Wie haben Ihre Eltern Sie unterstützt?

Meine Eltern haben mich immer machen lassen. Mir ist das Klavierspielen leicht gefallen. Ich konnte fast alle Stücke sofort vom Blatt spielen und musste nicht lange üben. Schon als Siebenjährige. Es gab dann eine Phase in der Pubertät, als ich sogar aufhören wollte. Ich war faul, richtig faul.

Was haben Ihre Eltern unternommen?

Meine Eltern haben sich natürlich Sorgen gemacht. Meine Lehrerin an der Musikschule in Gummersbach ist aber ganz entspannt geblieben. Nach einem Jahr hat sich bei mir der Schalter umgelegt, und ich habe jeden Tag vier Stunden geübt. Ich wechselte vom Grotenbach- auf das Wüllenweber-Gymnasium in Bergneustadt. Die hatten einen Musik-Leistungskurs, und da ich Musik studieren wollte, passte das.

Sie und Ihr Mann sind Berufsmusiker. Das ist sicher ein Berufsleben mit Höhen und Tiefen, auch in finanzieller Hinsicht. Ist das denn für die eigenen Kinder überhaupt wünschenswert?

Das ist eine gute Frage, die wir uns alle paar Tage auch stellen.

Wir sind da zwiegespalten. Auf der einen Seite lieben wir unseren Beruf. Wir können unsere Zeit selbst gestalten. Wir machen unser eigenes musikalisches Programm und führen auch die Verhandlungen selbst. Auf der anderen Seite steht die fehlende Sicherheit.

Und wenn jemand krank wird?

Das ist schon sehr schwierig. Deshalb haben wir Laura empfohlen, eine Ausbildung zur Grundschullehrerin zu machen. Dann hätte sie bereits eine musikalische Grundausbildung und könnte danach Musik studieren. Mit dieser Sicherheit im Rücken ist das ein gutes Modell.

Hören Ihre Töchter denn auch moderne Musik? Sido, Lady Gaga und Co.?

Auf jeden Fall. Die kennen alles. Mein Mann und ich nicht so sehr, aber unsere Töchter zeigen uns manchmal etwas.

Gibt es Streit über Musik?

Wir sind da ganz tolerant. Natürlich gibt es bei uns auch die klassische Situation: Laute Musik dröhnt durchs Haus. Und irgendeiner brüllt: „Könnt ihr bitte den Krach ausmachen!“

Am 18. Oktober treten Sie als Familie in der Neuen Orangerie auf Schloss Homburg auf. Was erwartet die Zuschauer?

Das Programm ist bunt gemischt. Wir bringen Oper, Operette, Popsongs, Musicaltitel und bekannte Instrumentalstücke. Jeder zeigt sich als Solist, aber wir kombinieren auch untereinander als Duo, Trio oder Quartett. Zum Beispiel präsentieren wir „Barcelona“ von Freddie Mercury und der Opernsängerin Montserrat Caballé sowie „Der Schwan“ aus Camille Saint-Saëns’ „Karneval der Tiere“. Und zum Schluss spielen wir bestimmt unseren Klassiker: „Hallelujah“ von Leonard Cohen.

Freuen Sie sich auf Oberberg?

Ja, sehr. Das ist meine musikalische Wiege. Es ist immer sehr schön hierher zurückzukommen. Im Rittersaal von Schloss Homburg habe ich schon als Schülerin gespielt.