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Kölner Verein HeliosDas grüne Paradies

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Mitten in der Natur liegt das Areal der Helios-Familiensportgemeinschaft, für das Foto legten die Bewohner ihre Kleidung an, sonst ist der Platz textilfrei.  

Hohkeppel – Das Tor zur Nacktheit liegt unscheinbar inmitten uralter Linden am Ufer der Lennefe. Nur der stolze Fahnenmast weist den Weg zur „Helios Familiensportgemeinschaft Köln e. V.“, das größte Naturisten-Gelände im Bergischen. Gleich hinter der Eingangspforte winkt Gisela Beyersdorf. Überraschenderweise ist die Dame komplett bekleidet. „Ich mache hier ja kein FKK, sondern den Platzwart“, lacht die gebürtige Kölnerin, die auch gleich erklärt, dass man sich an diesem Ort ausnahmslos duzt.

Über eine Stellenanzeige mit der Überschrift „Platzwart im Bergischen“ kam sie einst zu den Freunden der Freikörperkultur. Bis heute kümmert sie sich um das acht Fußballfelder große Vereinsareal, das genau 102 Mitgliedseinheiten umfasst, die terrassenförmig am Hang angelegt sind.

Die einzelnen Abschnitte haben die Vereinsmitglieder mit charakteristischen Bezeichnungen versehen. Gleich hinter der „Tannenzone“ ragt das Dach des kleinen Vereinsheims, dem geselligen Zentrum der Textilfreien, aus dem Grün. Fotos an den Wänden bezeugen das fröhliche Miteinander vom Osterfrühstück über die Kanu-Tour bis zum Herbstfest. Einige Meter weiter wird eifrig am neuen Spielplatz gebaut. Spätestens beim Hinweisschild „Nur für uns Pänz“ bemerkt man die kölsche Dominanz auf der Anlage, obwohl mittlerweile auch FKKler aus dem Ruhrgebiet und dem Bergischen für ein gemischtes Publikum sorgen.

Areal so groß wie acht Fußballfelder

Bunt gewürfelt ist auch das Alter der Helios-Mitglieder. Gerade erst haben sich einige junge Familien angemeldet. „Wir freuen uns sehr über Nachwuchs. FKK ist ja heute an vielen Orten möglich, da müssen wir was tun“, erklärt die Platzwartin, während sie die Wassertemperatur im geräumigen vereinseigenen Schwimmbecken prüft.

Erhöhte Temperatur herrscht derweil auf den Sportanlagen, die eindrucksvoll beweisen, dass die Familiensportgemeinschaft ihren Namen zu Recht trägt. Vom Bogenschießen, über Badminton, Tischtennis und Freiluftschach bis zum eigenen Fitnessstudio bieten sich alle Möglichkeiten der Bewegung. Auf dem Tennisplatz kämpfen gerade Martina und Peter um Satz und Sieg, allerdings in Sportkleidung.

„Durch die Schlagbewegungen eignet sich Tennis nicht, um es nackt zu spielen“, schmunzelt Peter. Als Martina das Gelände zum ersten Mal betrat, konnte sie gerade laufen. Seitdem sind 43 Jahre vergangen, hier hat sie die Ferien ihrer Kindheit verbracht und später ihre große Liebe kennengelernt. „Für uns Stadtkinder war das natürlich unheimlich spannend“, blickt die heutige Schriftführerin der Helios gerne zurück. Als vor Jahrzehnten fließendes Wasser noch Mangelware war, setzten die Kölner ihren Nachwuchs, schwarz vom Spielen im Wald, in Plastiksäcke eingewickelt ins Auto. Duschen musste man zu Hause.

Auch Hubertine und Paul erinnern sich an schwierige Anfangsjahre, während sie heute den traumhaften Blick über das weite Tal bis nach Rhein-Berg genießen. Seit über drei Jahrzehnten gibt es für das Paar mit dem schicken Haus auf Rädern nur ein wahres Sommerquartier. Sie gehören zu den Urgesteinen des Platzes, die sich in den 1970er Jahren um die Infrastruktur sorgten, damit aus dem nackten Berg schließlich der Berg der Nackten wurde.

Mühsam mussten Wege befestigt, die Wasserversorgung, Stellplätze und Sauna eingerichtet und natürlich Bäume als Sichtschutz gepflanzt werden. Auch aktuell verpflichtet sich jedes Mitglied zu zehn Stunden Areal-Pflege pro Jahr. „Anfangs standen junge Männer mit Ferngläsern unten auf der Straße“, erinnern sich beide amüsiert. Heute wie damals schätzt das Paar den Einklang mit der Natur in Nähe zur Domstadt und natürlich die nahtlose Bräune.

Auf dem Gipfel hat sich Ingo gemütlich eingerichtet. Unterhalb der Regenbogen-Fahne im „Amselweg“ zimmert er aus dem heimischen Bettgestell das Gerüst für sein neues Vorzelt. „Im Sommer bin ich immer hier und schlafe sowieso nicht zu Hause“, erklärt der Rheinländer, der das Helios-Konzept vor zwei Jahren auf der Essener Reise- und Campingmesse entdeckt hat, einleuchtend. An die Herbsttage, an denen die Naturisten das Areal verlassen, mag er noch gar nicht denken. „Spätestens zur Weihnachtsfeier sind alle wieder hier“, schmunzelt Gisela Beyersdorf. Dann starten die Vorbereitungen zur 45. Saison der Nackten in der „Tannenzone“.