Oberberg – Es ist eine Binsenweisheit im politischen Raum: Umfrageergebnisse sind keine Wahlergebnisse. Dennoch war es schon erstaunlich, wie zurückhaltend nicht nur die Verlierer, sondern auch die Gewinner der Europawahl 2019 mit den erdrutschartigen Umwälzungen umgingen, die sich da im Oberbergischen andeuteten.
Vor allem die Grünen wussten nicht wirklich, was sie mit ihrer neuen Popularität in der Region anfangen sollten. Das änderte sich auch in den Monaten danach nicht – trotz Fridays-for-Future-Demos auf den Straßen in Waldbröl und Gummersbach. Am Ende fanden die in den Umfragen so erstarkten Grünen in keiner einzigen oberbergischen Kommune und auch im Kreis keine einzige Kandidatin und keinen einzigen Kandidaten aus den eigenen Reihen für ein Spitzenamt.Ein Jahr und eine mehrmonatige Corona-Krise später wissen wir jetzt: Auf Umfragen kann man sich nur bedingt verlassen. Der grüne Erdrutsch-Sieg ist ausgeblieben. Auch die Spitzenposten in den Kommunen und im Kreis haben sie nicht gestürmt: Keiner der von ihnen unterstützten Kandidaten hat es letztlich in ein Bürgermeister- oder ins Landratsamt geschafft. Egal in welcher Konstellation: Selbst der schwarz-grüne Kandidat in Waldbröl verlor sein Rennen.Dennoch stimmt die Tendenz, nur dass es der Partei nicht so viel nutzte wie erwartet. Ja, die Grünen haben deutlich zugelegt – und das obwohl in der Corona-Krise anderes in den Vordergrund gerückt ist als in der Fridays-for-Future-Phase. Vor allem aber bleibt das Klimathema, weil die anderen Parteien mehr Grünes als je zuvor für sich entdeckt haben – auch Amtsinhaber wie Jochen Hagt und Frank Helmenstein. Wenn schwarz noch grüner wird, dann könnte daraus doch noch ein grüner Erdrutsch werden.
