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Landarzt schließt Praxis2500 Bergneustädter müssen sich einen neuen Hausarzt suchen

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Bergneustadt – Stefanus Paas macht ernst: Der Bergneustädter Allgemeinmediziner wird seine Praxis spätestens Mitte Mai schließen. In einem Patientenbrief, den er seit gestern in seiner Praxis verteilt, informiert Paas über seinen Schritt. Er will zunächst an einem Krankenhaus arbeiten und sich zum Facharzt für Geriatrie ausbilden lassen, ehe die ganze Familie dann vermutlich 2017 Deutschland den Rücken kehrt. Schweden könnte ein Ziel sein. „Vier Stunden nach dem ersten E-Mail-Kontakt gab es bereits von dort eine positive Rückmeldung“, berichtet Paas.

Im Oktober hatte der 47-Jährige als Bedingung für ein Weitermachen gefordert: Rückhalt bei Patienten und Kollegen sowie die begründete Aussicht, „dass sich in diesem kranken System doch noch etwas zum Besseren verändern lässt“. Anlass für die Zuspitzung der Situation waren Regressforderungen der Krankenkassen wegen zu viel verschriebener Medikamente in Höhe von mehren zehntausend Euro. Die Rückforderungen wurden zwar im Laufe des Verfahrens deutlich reduziert, aber Paas geht es ums Prinzip: Er will seinen Patienten verschreiben können, was er für richtig hält.

Auf Verständnis stieß er vor allem bei seinen Patienten. 200 begleiteten ihn und seinen Lindlarer Kollegen Dr. Jörg Blettenberg im Dezember zu einer Demonstration vor das Haus der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein nach Düsseldorf. Die Regressforderungen gegen Blettenberg belaufen sich auf eine sechsstellige Summe. Unterstützung bekommen beide bis heute vom Hausärztenetzwerk Oberberg.

Aber trotz vieler Gespräche mit Politikern auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene „ist für mich nicht erkennbar, dass sich durch die neue Gesetzgebung etwas zum Positiven verändert“, schreibt Paas.

„Von den Hausärzten in Bergneustadt bin ich menschlich zutiefst enttäuscht“, sagt Paas: Bis auf Claus Bockhacker seien alle anderen abgetaucht. Rückendeckung habe es auch von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Oberberg nicht gegeben. Deren Vorsitzender Prof. Dr. August-Wilhelm Bödecker habe Anfang Dezember schon eine Faxumfrage gestartet, welche Hausarztpraxen denn Paas-Patienten aufnehmen könnten – laut Paasens Anwalt ein klarer Fall von Geschäftsschädigung.

Bis Mitte Mai will Paas sich weiterhin um einen Nachfolger für seine Praxis bemühen. Er stellt aber auch klar: Falls er früher eine gute Stelle bekommt, ist früher Schluss.

Dann wird die Lage vor allem für seine Patienten schwer. Schon jetzt hätten ihm chronisch Kranke berichtet, sie seien auf der Suche nach einem neuen Hausarzt in allen anderen Praxen in der Stadt abgewiesen worden.

Ohne Paas bleiben im Stadtgebiet noch acht Hausarztpraxen. Auf die müssten sich dann die rund 2500 Patienten seiner Praxis verteilen, sagt der Arzt.

KV-Vorsitzender Bödecker bestätigt die Fax-Umfrage bei den Ärzten in der Umgebung. Man wolle auf Patientenanfragen vorbereitet sein, falls Paas tatsächlich zumache. Und man habe in Bergneustadt, Gummersbach, Wiehl, Reichshof und Marienheide Praxen gefunden, die noch Patienten aufnehmen, „da erwarte ich keine großen Probleme“.

Schwierigkeiten werde es wegen der großen Entfernungen aber wohl bei den Hausbesuchen geben.

Bödecker geht davon aus, dass sich „wieder mehr Praxistüren öffnen“, wenn Mitte des Jahres die Abstaffelung entfalle und die Ärzte dann für jeden Patienten das volle Budget hätten. Derzeit gebe es ab einer bestimmten Zahl behandelter Patienten Honorarabschläge.

Bödecker bedauert den Ausstieg von Paas: „Das ist ein erheblicher Verlust. Herr Paas leistet eine hervorragende medizinische Arbeit, eine sehr den Menschen zugewandte Medizin.“ Aber das täten andere Kollegen auch, ohne dabei mit den Budgetvorgaben zu kollidieren. „Dass die Regressverfahren sinnvoll sind, kann man bezweifeln, der Aufwand dafür ist höher als der Ertrag.“ Das Regressszenario zu reduzieren, sei sicher richtig, aber „es gibt Regeln, die einzuhalten sind“.

Sang- und klanglos will Paas sich nicht verabschieden. Für Ende Januar plant er im Krawinkelsaal eine Bürgerversammlung.