Oberberg –
Was rennt da über die Wiesen, was blüht hier am Wegesrand, was schwirrt dort über den See? Wir stellen in einer Serie Arten und Phänomene vor, die uns in Oberberg aufgefallen sind.
Der Bärlauch ist das bekannteste wilde Heilkraut in unseren heimischen Wäldern. Jeder hat ihn wohl schon mal gesehen, gerochen oder gar geschmeckt. Als ein naher Verwandter von Zwiebel, Schnittlauch und Knoblauch riecht und schmeckt er auch ähnlich aromatisch.
Wer im Frühling durch einen Wald mit Bärlauch wandert, der riecht den knoblauchartigen Duft schon aus einiger Entfernung. Jetzt im Frühling sprießt er aus dem Boden und Ende April bis Mai folgt dann die Blüte, die dazu beiträgt, den Waldboden in weißer Pracht erstrahlen zu lassen. Bärlauch ist in vielen Teilen Europas weit verbreitet, in den oberbergischen Wäldern aber nur selten wild zu finden. Er wächst an schattigen Plätzen in Auwäldern, das heißt, er bevorzugt feuchte, kalkhaltige und nährstoffreiche Böden. An den Stellen, an denen er sich wohlfühlt, breitet er sich langsam in ganzen Feldern aus.
Der Name „Bärlauch“ hat tatsächlich etwas mit Bären zu tun: Er kommt daher, dass man Bären dabei beobachtet hat, wie sie dieses Lauchgewächs als erste Nahrung nach ihrem langen Winterschlaf zu sich zu nehmen. Der Bärlauch gehört zu den ersten Kräutern im Jahr, verleiht den Bären ihre ersten Bärenkräfte im Frühling und regt gleichzeitig ihren Verdauungstrakt an. Als Heilkraut sagt man ihm nämlich nach, dass er – ähnlich wie Knoblauch – eine reinigende Wirkung hat. Er soll deshalb nicht nur gut für den Magen-Darm-Trakt sein sondern, auch gegen Bluthochdruck helfen. Viele Menschen kultivieren den Bärlauch im heimischen Garten, um ihn Mitte März und Anfang Mai zu ernten. Er gehört zu den Frühblühern wie das Schneeglöckchen, die nur im Frühjahr wachsen. Sobald sich im Sommer die Laubwälder verdunkeln, haben die Bärlauchblätter nämlich nicht mehr genügend Licht zur Verfügung, um als Pflanze zu überleben.
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Während die Blätter absterben, bleibt die Zwiebel zur Überwinterung im Boden zurück. Im kommenden Frühling wachsen aus der Zwiebel erneut die schmackhaften Bärlauchblätter. Mittlerweile ist Bärlauch von vielen Speisekarten nicht mehr wegzudenken. Der Sammler sollte aber Rücksicht nehmen und vor allem die wilden Bärlauchbestände nur in Maßen abernten und nicht erschöpfen.
Zum Verzehr sollte man nur die jungen Blätter nehmen und nie alle Blätter einer Pflanze entfernen, damit der Bärlauch noch genügend Energie hat, um im nächsten Jahr wieder zu wachsen. Man kann Bärlauch frisch zu Pesto, Salat oder Bärlauchbutter verarbeiten. Im getrockneten Zustand ist das Kraut leider nicht mehr schmackhaft.
Entgegen mancher Gerüchte sind übrigens alle Teile des Bärlauchs von der Zwiebel bis zur Blüte essbar. Beim Sammeln besteht aber eine gewisse Verwechslungsgefahr: Man sollte darauf achten, keine giftigen Arten zu sammeln, die dem Bärlauch ähneln oder in seiner Nähe wachsen.
Dazu zählen zum Beispiel die Maiglöckchenblätter. Diese sehen denen des Bärlauchs sehr ähnlich, riechen beim Reiben jedoch nicht nach Knoblauch. (r)
