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Einzigartiges BeteiligungsmodellLindlar und 29 Vereine unterzeichneten

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29 Vereine waren vertreten.

Lindlar und 29 Vereine aus dem Umfeld des Windparks Vogelberg haben ein bundesweit bislang einzigartiges Beteiligungsmodell unterzeichnet.

Mit ein paar Blättern Papier und genau 30 Unterschriften ist die Gemeinde Lindlar in dieser Woche endgültig zum Vorreiter in Sachen Bürgerbeteiligung an der Windkraft geworden. Am Mittwochabend unterzeichneten Bürgermeister Sven Engelmann und die Vorstände von insgesamt 29 Initiativen aus Fenke, Frielingsdorf, Scheel, Brochhagen, Hartegasse, Süng und Unterbüschem eine Vereinbarung, die den Vereinen den Löwenanteil an der Bürgerbeteiligung des im Bau befindlichen Windparks auf dem Vogelberg sichert.

Jährlich 65.000 Euro für Vereine und Einrichtungen

Genau genommen sind es 80 Prozent der Summe, die der Windkraftbetreiber an die Gemeinde überweisen muss, wenn sich die Rotoren demnächst drehen. Ab dann werden jährlich geschätzte 65.000 Euro pro Jahr den Frielingsdorfer Sport genauso unterstützen wie das Sünger Schützenwesen, den Treffpunkt Bücherwurm an der Jan-Wellem-Straße, den Zusammenhalt in Lichtinghagen und Büschem, die Musik, Kindergärten und Grundschulen in Kapellensüng und Frielingsdorf und so viel mehr.

Ein Fußballspiel, das die Ehrenamtler gewonnen haben

Dieter Orbach, der die Idee einer Beteiligungsvereinbarung mit den Vereinen im 2,5-Kilometer-Radius im März 2025 zum ersten Mal im Lindlarer Rathaus vorgestellt hatte, verglich die darauf folgende Entwicklung am Mittwoch mit einem Fußballspiel, in dem die Ehrenamtler letztlich ziemlich erfolgreich waren. Vor durchweg zufriedenen Gesichtern rechnete er zudem vor, dass jeder der 29 Vereine künftig mit etwa 2200 zusätzlichen Euro pro Jahr kalkulieren könne, und das bei 20 Jahren Laufzeit.

Bürgermeister lobt „einzigartige Versammlung“

Aber auch Bürgermeister Sven Engelmann hatte sichtlich Spaß an der Zusammenkunft im Gerätehaus der Feuerwehr an der Eibachstraße – eben, weil es eine solche Abmachung zwischen einer Kommune und ihren Vereinen bislang nirgends sonst gebe. Engelmann sprach von einer „einzigartigen Versammlung“, die auch den Rückenwind der Gemeinderatsfraktionen habe. Außerdem imponiere ihm die friedliche Art und Weise des Zustandekommens der Vereinbarung: „Das, was wir heute erreicht haben, ging ganz ohne große Proteste vonstatten. Das ist – auch in unserer Region – nicht überall der Fall.“

Kritik: Was ist mit Vereinen im ganzen Gemeindegebiet?

Ganz ohne Zwischentöne konnte der Deal zugunsten der Frielingsdorfer Vereine nicht eingefädelt werden, das räumte auch der Bürgermeister offen ein. Er erinnerte an kritische Stimmen, die hinterfragten, ob es denn gerecht sei, wenn Vereine, die sich im ganzen Gemeindegebiet engagieren, leer ausgehen, eben weil der Mittelpunkt ihrer Tätigkeit zum Beispiel im entfernteren Lindlar liegt. Aber für Projekte genau solcher Initiativen seien eben die verbleibenden 20 Prozent der Beteiligung gedacht, so Engelmann. Insgesamt sei das also eine runde Sache.

Landrat verweist auf Bergneustadt

Unter die Vereinsmenschen hatte sich auch Landrat Klaus Grootens gemischt, der verriet, dass ihn das Lindlarer Modell ehrlich beeindrucke. Grootens sprach in Frielingsdorf die Bergneustädter Bürgerbefragung zur Windkraft an, deren Ergebnis einige Stunden zuvor veröffentlicht worden war (eine knappe Mehrheit stimmte gegen Windräder auf dem Beulberg). In Lindlar sei die Stimmung offenbar eine andere – und Vereinbarungen wie zu unterzeichnete seien für die Akzeptanz der Windräder ein richtiges und wichtiges Werkzeug. (sfl)