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InterviewChristoph Schmidt-Krayer leitete über 30 Jahre Schmidt + Clemens in Lindlar

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Das Foto zeigt Christoph Schmidt-Krayer im Firmenarchiv.

 Christoph Schmidt-Krayer im Firmenarchiv.

Über 30 Jahre stand Christoph Schmidt-Krayer an der Spitze des Lindlarer Edelstahlspezialisten Schmidt + Clemens. Anlässlich seines 90. Geburtstags blickt er zurück.

Der Name Christoph Schmidt-Krayer ist untrennbar mit der oberbergischen Industriegeschichte des 20. Jahrhunderts verbunden. 1969 übernahm er in Lindlar-Kaiserau die Leitung des Edelstahlwerkes Schmidt + Clemens und formte es zum Weltmarktführer für den Bau von Spezialrohren für die petrochemische Industrie – diesen Titel behauptet S + C bis heute. 1998 zog es „CSK“ und seine Frau Gisela nach Berlin. Seit einem guten Jahr sind beide wieder Oberberger. Heute feiert Schmidt-Krayer seinen 90. Geburtstag. 

Herr Schmidt-Krayer, wenn Sie morgens zur Zeitung greifen, welchen Teil sehen Sie sich zuerst an?

Schmidt-Krayer: Ganz klar den Lokalteil.

Ich hätte jetzt eher auf die Wirtschaft getippt.

Natürlich verfolge ich die Nachrichten aus der Industrie nach wie vor, aus der Stahlindustrie im Besonderen. Inzwischen interessiert mich aber vor allem, was in meiner Umgebung los ist, was es in Oberberg Neues gibt.

1998 sind Sie nach Berlin gezogen – an der dortigen TU haben Sie Anfang der Sechzigerjahre das Studium der Metallkunde abgeschlossen und Ihre Frau das der Architektur. Verbindet diese Stadt Sie beide auf ganz besondere Weise?

Berlin bedeutet für uns kulturelle Heimat. Wir haben in den Jahrzehnten, in denen wir im Beruf waren, immer wieder davon gesprochen, im Ruhestand nach Berlin zu ziehen. Und wir haben uns sehr gefreut, als es dann soweit war. Meine Frau hat schon ab 1996 ein altes Gebäude komplett umgebaut, mit neuem Dach und allem drumherum. Zwei Jahre später war alles fertig und wir sind umgezogen.

Anfang 2025 sind Sie dann nach Oberberg zurückgekehrt.

Hülsenbusch ist schon lange der Hauptsitz unserer Familie, im Oberbergischen ist unser Zuhause. Seit unserer Rückkehr ist es uns auch gut geglückt, alte Kontakte und Bekanntschaften wieder zu beleben.

Stichwort Kontaktpflege: Fahren Sie eigentlich noch selbst Auto?

Aber natürlich, ich bin mit meinem Smart sogar recht häufig in Oberberg unterwegs. Den Führerschein konnte ich damals übrigens schon 1953, also mit 17 Jahren, machen. Wir erhielten eine Ausnahmegenehmigung, damit ich meinen Vater chauffieren durfte.

Ab und zu sieht man Sie ja auch in der Gummersbacher Innenstadt. Wie sieht so ein typischer Ruhestandstag von Christoph Schmidt-Krayer inzwischen aus? Gibt es eine feste Routine?

Das Café Hecker besuche ich wirklich gerne, der Kuchen dort ist unschlagbar (lacht). Dazu eine Tasse Kaffee, das ist wunderbar, ich fühle mich dort wohl. Und wo ich schon da bin, erledige ich auch gleich Besorgungen in der Nähe, in der Apotheke und was man so braucht.

Regelmäßiger Stammgast sind Sie bis heute auch im Werk in Kaiserau, vor allem im Archiv, das Sie 1982 als eigene Gesellschaft gegründet haben. Einen prominenten Platz hat dort das Manager Magazin aus dem Oktober 1978, mit Ihnen auf der Titelseite.

Dazu gibt es ja einen Hintergrund. Das Magazin hat damals einen großen Artikel über mich verfasst, vor allem über die Art, wie ich das Unternehmen leite. Zu den Zeiten meines Vaters wurde die Firma patriarchalisch und mit strengen Hierarchien geführt. Das wollte ich anders machen. Ich war überzeugt, dass die Motivation in der Belegschaft wächst, wenn sie sich mitgenommen fühlt. Mehr Gruppenarbeit, mehr Miteinander, das habe ich umgesetzt. Und sogar spezielle Schulungen dazu besucht, wie zum Beispiel die Gruppe am besten mit jemandem umgeht, der sich partout querstellt. Mein Führungsstil war damals ziemlich exotisch. Und das hat das Magazin auf mich aufmerksam gemacht.

Einen eigenen Weg sind Sie ja auch bei der Fertigung gegangen, indem Sie den Schleuderguss ausgebaut haben. Wussten Sie damals, dass es der Welterfolg werden würde, der es bis heute ist, oder hätte das auch schiefgehen können?

Ich bin ja sehr viel gereist, mir war wichtig, dass ich die Pläne und Anlagen vor Ort sehe. Dadurch wusste ich, was wirklich gebraucht wird. Und ich wusste um die höhere Festigkeit gegenüber gewalzten Rohren. Wir arbeiteten damals ja schon mit dem Schleuderguss. So haben wir dann damit begonnen, passgenau für die Industrie zu produzieren – mal längere Rohre, mal kleinere oder größere Durchmesser, je nachdem, was konkret gefragt war. Der Bedarf war da, da war ich mir sicher.

1974 haben Sie ein Werk in Spanien gegründet, später dann auch in Tschechien. Es heißt, dafür hätten Sie Spanisch und auch Tschechisch gelernt, um direkt mit den Menschen vor Ort sprechen zu können.

Tatsächlich ist mir das Lernen von Sprachen immer leicht gefallen. Und das Spanische hat mir später in Südamerika manche Tür geöffnet.

Letzte Frage: Sie besitzen ein Smartphone, schreiben E-Mails und haben noch vor einigen Jahren für Ihr Ferienhaus eine Windradanlage gebastelt. Die Faszination für Technik scheint Ihnen auch im Alter nicht abhandengekommen zu sein.

Das Haus steht auf einer sehr kleinen Insel vor Sizilien, dort muss man die Stromversorgung einfach selbst in die Hand nehmen, öffentliche Leitungen lagen dort lange nicht. Das mit dem Windrad hat etwas gedauert, dann aber prima geklappt. Mit Sonne und Wind haben wir Motoren betrieben und Akkus gefüllt, so konnten wir das Radio einschalten und auch mal das Licht anknipsen. Wir sind oft auf dieser Insel gewesen, meistens vor der großen Hitze des Hochsommers. Ein herrliches Fleckchen Erde. Ich muss allerdings auch sagen: Zuletzt war ich vor drei Jahren dort. Es sind immerhin 200 Steinstufen bis hinunter zum Meer. Das strengt mich mittlerweile doch sehr an.