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Am Montag geht es losSo sieht der Zeitplan für den Bau des Lindlarer Windparks aus

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Ein Flügel eines Windrads ist auf einem sogenannten Selbstfahrer montiert und wird durch den Ort Prinzbach transportiert.

Mithilfe von speziellen Tiefladern gelangen die gigantischen Rotorblätter inzwischen in fast jede Ecke des Landes, wie diese Aufnahme von November 2023 aus dem Schwarzwald beweist. Allerdings ist das Exemplar im Bild etwa 20 Meter kürzer als diejenigen, die in Lindlar montiert werden.

Von den Fundamenten über den Transport der Bauteile bis zum Anschluss: Wir beantworten die Fragen zum Projekt auf dem Lindlarer Vogelberg. 

Ende Januar 2025 hat das Wiesbadener Unternehmen Abo Energy vom Oberbergischen Kreis die Genehmigung zur Errichtung von drei Windrädern auf dem Lindlarer Vogelberg bekommen. Fast ein ganzes Jahr lang wurde seither noch geplant – für kommenden Montag, 12. Januar, hat die Führung von Abo Energy nun den Beginn der Bauarbeiten angesetzt. Hier gibt es Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Projekt.

Was genau ist auf dem Vogelberg geplant?

Abo Energy wird dort drei baugleiche Windräder aufstellen: Jedes hat einen Rotordurchmesser von 175 und eine Gesamthöhe von 249 Metern. Es handelt sich dabei um die gleiche Dimension, die demnächst auch an anderen Stellen im Oberbergischen Energie erzeugen soll – etwa nahe dem Metabolon-Gelände, an der Bruchertalsperre, am Engelskirchener Heckberg, in Nümbrecht und am Biebersteiner Stausee zwischen Wiehl und Reichshof.

Diese Anlagen sind zum Teil bereits genehmigt, andere stecken noch in der Planung. Mit den Rädern in Lindlar wird nun der erste Windpark in der Region Realität. Laut Abo Energy werden die drei Windräder genug Strom produzieren, um damit 14.000 Haushalte pro Jahr zu versorgen.

Rodung durch Engelskirchener Forstbetrieb

Was passiert ab kommenden Montag?

Als Erstes steht die Rodung auf dem Vogelberg an – die Fundamente der Windräder brauchen Platz, außerdem muss ebenes Gelände geschaffen werden, um Krane aufbauen zu können. Abo Energy beziffert diesen Raumbedarf pro Anlage auf etwa 8000 Quadratmeter und auf weitere 4000 Quadratmeter für die Zuwegung. Die Rodungsarbeiten wird der Engelskirchener Forstunternehmer Ralf Abraham übernehmen und – so der Zeitplan – bis Ende Februar beenden.

Abo Energy betont, dass sich die nötigen Forstarbeiten einigermaßen in Grenzen halten würden. Denn bei den betroffenen Parzellen handele es sich um einst vom Borkenkäfer zerstörten Wald, der in jüngerer Vergangenheit schon abgeholzt wurde. Das Holz wird Abraham auf jeden Fall nach Osten abtransportieren, an die Landesstraße 302, etwa in Höhe des Sägewerkes in Oberhabbach.

Umladeplatz wird in Gummersbach-Nochen errichtet

Wie kommen die Baumaschinen auf den Vogelberg?

Genau dieser Waldweg von Oberhabbach bergauf wird die Hauptzufahrt werden, über die zuerst Bagger und Betonmischer und später die Windrad-Komponenten rollen. Dazu rücken dort ab Anfang März Planierraupen an, um den Weg zu verbreitern. Für den Tiefbau, inklusive der Herrichtung der Fundamente, plane man „mehrere Monate“ ein, berichtet eine Sprecherin von Abo Energy dieser Zeitung.

Wird auch woanders noch gebaggert?

Ja, auch in Gummersbach-Nochen wird der Lindlarer Windpark für eine größere Baustelle sorgen. Dort haben die Planer eine Wiese an der Gelpestraße ausgemacht, die – sobald es die Witterung zulässt – planiert und befestigt werden soll. Dort richtet das Unternehmen einen Umladeplatz für die Bauteile der Windräder ein.

Die wiederum kommen mit Schwertransporten über die Autobahn und die Anschlussstelle Engelskirchen. Der Generator ist mit 130 Tonnen das schwerste Anlagenteil. Mit der Anlieferung der Anlagenkomponenten rechnet Abo Energy Anfang 2027.

Ab März soll der Tiefbau beginnen und die Wege ausgebaut sowie die Fundamente errichtet werden, was mehrere Monate in Anspruch nehmen wird.
Sprecherin der Abo Energy zum Zeitplan auf dem Lindlarer Vogelberg

Und wie kommen die Teile von Nochen auf den Vogelberg?

Die Mastbestandteile und vor allem die insgesamt neun Rotorblätter müssen den Transport von Nochen durch das Gelpetal bis Neuremscheid, dann durch das Felsenthal, Kaiserau und Frielingsdorf unbeschadet überstehen. Jedes Blatt ist 86 Meter lang und wiegt 27 Tonnen. Wie die Sprecherin mitteilt, werde man dazu auf jeden Fall sogenannte Selbstfahrer einsetzen. Das sind gigantische Tieflader mit bis zu 20 Achsen und acht Reifen pro Achse, die allerdings nicht von einer Zugmaschine bewegt werden, sondern der Wendigkeit wegen einen eigenen Antrieb besitzen und per Fernsteuerung im Schneckentempo gelenkt werden.

Das Besondere: Jede Achse kann separat angesteuert werden, die Räder sind um 180 Grad schwenkbar, damit kann sich der Selbstfahrer auch seitwärts bewegen. Und: Jedes Fahrwerk ist in der Höhe verstellbar, um das Gefälle der Straße auszugleichen. Wichtigstes Utensil für den Transportführer ist neben der Fernbedienung deshalb die Wasserwaage.

Ideen für den Kreisverkehr in Frielingsdorf werden diskutiert

Müssen die Rotorblätter wirklich mitten durch Frielingsdorf?

Sie müssen. Und gerade der Kreisverkehr auf der Montanusstraße bedeutet die kniffeligste Aufgabe auf der Transportroute. Das ist aber Zukunftsmusik, die Planer von Abo Energy feilen noch an Ideen.

Und wo speisen die Windräder später ihren Strom ins Netz?

Laut Abo Energy hat „der zuständige Netzbetreiber einen Anschluss des Windparks zugesagt“. Das ist die Rheinnetz, die wiederum berichtet, dass der Windpark mit dem Umspannwerk in Gummersbach-Berghausen verkabelt und dort an die Mittelspannungsleitung angeschlossen wird.

Es wird mit einer Kabellänge von fünf bis sieben Kilometern kalkuliert, die genaue Verlegung steht noch nicht fest. Bis die erste Kilowattstunde vom Vogelberg eingespeist wird, dürfte der Kalender aber das dritte Quartal 2027 erreicht haben.


Mehr zum Windpark: Ausführliche Informationen zum Windpark Vogelberg, unter anderem zu Bedenken gegen die Windräder genauso wie zu finanziellen Beteiligungsmöglichkeiten der Anwohner, stellt der künftige Betreiber auf seinen Internetseiten bereit. Dort gibt es auch Fotomontagen, wie die fertigen Windräder einmal in der Landschaft aussehen werden – zum Beispiel aus Blickrichtung Breun, Brochhagen, Frielingsdorf und Klause. www.aboenergy.com