Vor einem Jahr hat Oliver Kellershohn mit seinem Cousin Julian Hoffstadt die Geschäftsführung des Familienunternehmens übernommen.
UnternehmenBei der Spedition Kellershohn in Lindlar sitzt die fünfte Generation am Lenker

Das junge Führungsduo der Spedition Kellershohn. Geschäftsführer Oliver Kellershohn (r.) und sein Cousin Julian.
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Es sind schwierige Zeiten, besonders für die Speditionsbranche, das weiß Oliver Kellershohn aus der täglichen Arbeit und dem Austausch mit den Kollegen genau. Doch der 27-jährige Geschäftsführer der Spedition Kellershohn aus Lindlar ist positiv gestimmt.
Seit einem Jahr hat er mit seinem 25 Jahre alten Cousin Julian Hoffstadt das Heft des Handelns in der Firma allein in der Hand, auch wenn Vater Willi das ein oder andere Mal noch vorbeischaut und mit Rat immer zur Seite steht.
Die Übergabe erfolgte weitgehend geräuschlos
Die Übergabe des Familienunternehmens, das seit 1971 im alten Bahnhof in Lindlar ansässig ist, an die nächste Generation hat gut funktioniert und ist ziemlich geräuschlos vonstattengegangen. Das lag vor allem daran, dass der Wechsel gut vorbereitet war, so Oliver Kellershohn. Er sei von seinem Vater frühzeitig bei den Kunden als Nachfolger benannt worden und habe sich persönlich dort vorgestellt. Ganz wichtig sei auch, dass sein Cousin schon über langjährige Erfahrungen im Speditionswesen verfüge. Mit 16 Jahren begann Julian Hoffstadt eine Ausbildung zum Speditionskaufmann bei einer großen in Köln ansässigen Spedition, und er ist auch schon einige Jahre im Familienbetrieb aktiv.
Oliver Kellershohn hatte eigentlich nicht geplant, in die Fußstapfen seines Vaters Willi zu treten und das Familienunternehmen zu übernehmen. „Mein Vater hat da auch gar keinen Druck aufgebaut“, sagt der 27-Jährige. Er hatte sich nach dem Abitur für ein Sportstudium in Köln entschieden. Da er eine richtige Sportskanone sei und fast jede freie Minute im Lindlarer Freizeitpark verbracht habe, sei das völlig okay gewesen, sagte Vater Willi Kellershohn. Die Entscheidung seines Sohnes, zur Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Logistik zu wechseln, sei unvorhergesehen gekommen, habe ihn aber sehr gefreut, zumal er die Berufswahl nie beeinflusst habe.
Eigene Ideen einbringen und viel ausprobieren
Beim Sportstudium habe ihm der wirtschaftliche Aspekt gefehlt, und Corona habe sicher auch eine Rolle gespielt, sagt Oliver zu seinem Wechsel. Ein Praktikum beim Unternehmen Amazon habe ihm die Möglichkeiten und das Potenzial der Logistikbranche noch einmal sehr deutlich vor Augen geführt. Es folgte der Einstieg ins elterliche Unternehmen und der Bachelor-Abschluss. 2023 war dann klar, dass Oliver die Nachfolge als Geschäftsführer antreten werde, auch auf den Zeitpunkt einigte man sich. Mit der jüngeren Generation seien auch jungen Kunden und Bewerbung von jungen Menschen dazugekommen, so Vater Willi. Ihm war wichtig, dass sein Sohn von Anfang eigene Ideen einbringen und vieles ausprobieren konnte.
Die Einarbeitung sei Schritt für Schritt erfolgt und er habe nach kurzer Einarbeit auch Buchhaltung und Abrechnungen eigenständig übernommen. Sein Cousin übernahm das Paletten-Management. So seien sie in die Verantwortung quasi hineingewachsen. Das galt auch für die Digitalisierung, die Oliver Kellershohn im ersten Jahr als Geschäftsführer weiter vorangetrieben hat, die betrifft nicht nur das Tracking, sondern insbesondere Lagerung und Planung. Auf die Sicherheitstechnik legt er großen Wert, und auch das Wohl der Fahrer sei entscheidend, so gibt es unter anderem einen Gesundheitstag für Fahrer über 50, alle 14 Tage. Elf Fahrzeuge und 25 Mitarbeiter hat das Unternehmen aktuell, der Umsatz lag bei rund drei Millionen Euro.
Digitalisierung, Optimierung und persönliche Kommunikation
Bei aller Digitalisierung sei aber die Kommunikation mit den Kunden entscheidend, hier werde nicht rationalisiert. Die schnelle persönliche Erreichbarkeit ist wichtig, die Kunden wollten mit einem Menschen sprechen, nicht mit einer Maschine. „Wir haben einen guten Standort, ein tolles Team und gute Partner“, so die Bilanz von Oliver Kellershohn. Nach dem ersten Jahr in der Verantwortung sei der Respekt vor der Leistung seines Vaters noch gewachsen, der alle Bereiche allein geleitet habe, über ein großes Wissen verfüge und sich auch in rechtlichen und technischen Fragen hervorragend auskenne.
Geschichte
1894 wird das Unternehmen als Fuhrunternehmen mit Pferden erstmals erwähnt. Geschäftsführer war Wilhelm Kellershohn.
1932 übernimmt Sohn Wilhelm Kellershohn das Unternehmen und führt den Betrieb mit Lkw weiter.
1939 werden die Lkw eingezogen, bis 1945 ruht das Geschäft.
1945 folgt der Wiederbeginn,
1953 verfügt die Firma wieder über drei Lkw.
1962 übernimmt mit Egon Kellershohn die dritte Generation. Er erweitert die Firma um einen Mineralölhandel.
1971 folgt die Umsiedlung vom Ortskern zum Lindlarer Bahnhof. 1980 wird die Firma zur GmbH und Co. KG, alleiniger Geschäftsführer ist Egon Kellershohn, Sohn Willi tritt in die Firma ein.
1990 übernimmt Willi Kellershohn das Familienunternehmen. Das Logo wird geändert, die Wortmarke „Logistik für Mensch und Umwelt“ patentrechtlich geschützt, moderne Technik für Verwaltung und Fahrzeug folgen.
2025 geht die Geschäftsführung mit Oliver Kellershohn und Julian Hoffstadt an die fünfte Generation.

