Abo

Exklusiv

Donnerwetter!
Das Christkind ist kein Garant für den Hitze-Sommer – Neues vom Wettermann aus Lindlar

2 min
Oliver Baldsiefen.

Unser Wetterfrosch Oliver Baldsiefen.

Das Wetterphänomen El Niño wird sich in unseren Breitengraden wohl erst nächstes Jahr niederschlagen.

Liebe Wettergemeinde! Der Mai-Sommer ist nun endlich angekommen und ein kräftiges Hoch über Mitteleuropa beschert uns ein sonniges und sommerliches Pfingstfest. Aber es wäre durchaus auch möglich, dass die Hitze so schnell wieder verschwindet, wie sie gekommen ist.

Geht man nach den Prognosen einiger Wettermodelle, ist ab der kommenden Wochenmitte schon wieder Schluss mit Sonne und Hitze, denn hinter einer durchziehenden Kaltfront fließt erneut polare Kaltluft ein und das Temperatur-Niveau geht merklich zurück. Die Schafskälte ist ja auch noch nicht durch. Es bleibt spannend.

Es kommt ja nun wieder die Zeit, in der die ganzen Experten und Nicht-Experten den Hitzesommer herbei schreien. Man liest schon vom sogenannten „Super-El Niño“ und das dieser uns einen extrem trockenen und heißen Sommer bringen wird. Aber was ist denn eigentlich ein „El Niño“?

El Niño heißt übersetzt „der Junge“ oder „das Christkind“ und hat seinen Namen von peruanischen Fischern, die um die Weihnachtszeit beobachteten, dass es Veränderungen bei der Meeresströmung gab. Die Meeresströmung beeinflusst unser Klima und auch unser Wetter. Normalerweise treiben die Passatwinde warmes Oberflächenwasser vom östlichen Pazifik (vor Südamerika) nach Westen in Richtung Australien und Indonesien. Gleichzeitig steigt vor der Küste Südamerikas kaltes Tiefenwasser auf. Bei einem El Niño schwächen sich die Passatwinde ab oder drehen sich, so dass das warme Wasser nicht mehr nach Westen strömt.

Warum ist das wichtig? Ganz einfach: Da, wo warmes Wasser ist, steigt die Luft auf (in den Fall über dem Westpazifik) und wo kaltes Wasser ist, fällt sie wieder ab (normalerweise über dem Ostpazifik). Hochdruckgebiete entstehen. Wenn dies nicht mehr gewährleistet ist, beeinflusst das weltweit das Klima und letztendlich auch das Wetter. Da, wo vielleicht oft Trockenheit herrscht, gibt’s nun Überschwemmungen (beispielsweise an der trockenen Westküste Südamerikas) und wo es normalerweise nass ist, gibt es Dürre.

Letztendlich beeinflusst eine gestörte Meereszirkulation auch – früher oder später – auch unser Wetter in Europa. Hochs sind dann meist stationärer und Tiefs machen aufgrund eines meist nördlicher liegenden Jetstreams einen Bogen um uns. Aber: In der Vergangenheit trat dieses Phänomen (also ein Hitzesommer) meist erst ein Jahr später bei uns auf.

Merke: Ein El Niño ist nicht automatisch ein Garant für einen Hitzesommer, kann diesen aber begünstigen. Wahrscheinlich dürfte sich dieser erst nächstes Jahr bei uns auswirken, aber sicher ist das nicht. Wir reden hier immer von Möglichkeiten und Berechnungen. Das Wetter lässt sich ja glücklicherweise nichts vorschreiben.