Start in die SaisonDer Bergische Fahrradbus ist an Wochenenden wieder unterwegs

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Eine Frau sitzt am Steuer eines Busses der Ovag und lacht aus dem geöffneten Fahrerfenster.

Am Steuer des Busses sitzt an diesem Tag Anke Vetter: Die Marienheiderin gibt ihren Fahrgästen auch gerne Ausflugstipps.

Das touristische Angebot der Ovag bringt Zweiradfahrer im Bergischen ganz bequem zum gewünschten Startpunkt ihres Auflugs.

Die Saison hat begonnen: Jetzt sammeln die Bergischen Fahrradbusse an den Wochenenden und an Feiertagen, bis in den Oktober, wieder Radfahrer entlang der Bahntrasse zwischen Marienheide und Leverkusen ein. An einem der ersten Fahrtage der Saison steuerte Anke Vetter (54) einen der beiden Busse, mit dem Fahrradanhänger ist das Gefährt stolze 18 Meter lang.

Sonntag früh um 8.15 Uhr hat die 54-jährige Marienheiderin Dienstbeginn, um den Bus vor der ersten Fahrt am Betriebshof in Wipperfürth Hämmern abzuholen. „Der Anhänger war Gott sei Dank schon dran“, sagt sie lachend, schließlich war er auch am Vortag im Einsatz. Anderthalb Fahrten stehen ihr heute bevor, von Marienheide 53 Kilometer bis Leverkusen-Opladen, wieder zurück und dann bis zur Übergabe nach Hämmern.

An der Haltestelle in Marienheide wartet um 9 Uhr nur ein Radfahrer

An der ersten Haltestelle wartet um 9 Uhr nur ein Radfahrer, Werner Rosenthal. Er will von Marienheide mit nach Hückeswagen fahren und von dort seine Radtour zu starten. „Ich freue mich über das Angebot mit dem Bus, auch wenn ich ihn bisher noch nicht genutzt habe“, sagt er. Schließlich kann man so, besonders bei schlechtem Wetter entlang der Trasse, getrost in einem Café warten, bis der Bus kommt.

Die Fahrradbusse verkehren wie reguläre Linienbusse entlang der Bahntrasse – eine Besonderheit ist allerdings der sechs Meter lange Anhänger. 16 Fahrräder oder E-Bikes passen auf die Schienenvorrichtungen, Kinderräder je nach Rahmenhöhe, diese können aber sonst auch in den Bus mitgenommen werden. „Fürs Beladen sind die Gäste selbst zuständig, ich helfe aber mal mit“, sagt Vetter. Sie ist für die Ladungssicherheit zuständig, wobei der Hänger aufgrund des Fahrverhaltens von vorne nach hinten beladen wird.

Ein Mann lädt sein Fahrrad auf den Anhänger eines Fahrradbusses.

Für das Verladen der Fahrräder auf den Hänger sind die Fahrgäste selbst verantwortlich. Doch Vetter hilft bei Bedarf.

Besonders bei gutem Wetter sei viel los und so mancher Radfahrer sei dankbar, nicht die komplette Strecke radeln zu müssen, sagt Vetter. Vom älteren Ehepaar mit E-Bikes, über Gruppen bis zur Familie mit kleinen Kindern, die dann nur wenige Stationen mitfahren, die Gäste kommen aus jeder Altersklasse. Mit dem Deutschlandticket sei die Fahrt auch preismäßig interessant, da statt dem regulären Ticketpreis, der für die gesamte Strecke von Leverkusen bis Marienheide 13,67 Euro beträgt, nur der Fahrradaufschlag von 3,50 Euro gezahlt werden muss.

Anke Vetter hat in ihrem Berufsleben schon viele Dinge gemacht. „Vor vier Jahren stellte sich mir dann wieder die Frage, was ich beruflich machen möchte“, sagt sie. Fündig wurde die Marienheiderin bei der Ovag, hat den Busführerschein und direkt den Anhängerführerschein dazu gemacht, um auch die Fahrradbusse steuern zu dürfen.

Anhänger am Bus: Haltestellen müssen länger sein

Mittlerweile ist sie als Personaldisponentin tätig, sitzt viel im Büro, teilt die Fahrer auf den Linien ein, springt ein, wenn Busfahrer ausfallen und fährt nur noch gelegentlich im Linienverkehr. „Busfahren verlernt man nicht, aber die Routine hilft, um so auch neue Busfahrer auf die Strecken einweisen zu können“, sagt sie.

Für die Fahrt heute hat sie sich zur Sicherheit vorher die Strecke und Baustellen, die es zu umfahren gilt, angeschaut. Das Fahren mit dem Hänger empfindet Vetter nicht als deutlich schwieriger: „Der Hänger folgt mir, nur die Haltestellen müssen länger sein“. Ein Problem ist eher die Streckenführung – schließlich verläuft diese ab kurz vor Wermelskirchen anders als die der regulären Buslinie 336, da kann man schnell auch schon mal falsch abbiegen.

Ob es für sie einen Unterschied zwischen den Fahrten mit dem Fahrradbus und dem regulären Linienverkehr gibt? „Am Wochenende sind die Leute gelassener. Die Entspannung überträgt sich auch auf uns, es fühlt sich häufig nicht wie Arbeit an“, sagt Vetter. Zudem sei auch der Fahrplan des Fahrradbusses mit großzügig kalkulierten Haltezeiten nicht so hektisch, sodass der Bus auch mal einige Minuten an den Haltestellen warten muss.

Dann hat Anke Vetter auch Zeit, den Menschen Tipps für Ausflüge entlang der Strecke zu geben. Sie erinnert sich noch gut an ein Ehepaar, denen sie viele Tipps für Marienheide gegeben hat. „Das ist auch meine Intention, dass man den Leuten erzählt, was alles so an der Strecke möglich ist“, sagt Vetter.

Von einer leckeren Eisdiele in Hückeswagen bis zu den vielen Talsperren, die Rast- und Ausflugsmöglichkeiten sind vielseitig. Sie selbst hat den Bus als Passagier noch nicht genutzt, das sei aber geplant, sagt Vetter. Bis dahin steuert sie, zumindest an drei bis vier Tagen in der Saison noch einmal den Bus.

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