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MilchbäuerinLieber im Kuhstall als auf dem Rasen

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Zupacken kann Manuela Goller nicht nur als Torhüterin, sondern auch auf ihrem Bauernhof. (Foto: Strombach)

Egen – Manuela Gollers Lieblingskuh trägt die Nummer 412. „Die ist wie ein Hund. Geht mir hinterher, guckt sich die Baustelle der neuen Milchstelle an, stoppt auch gern mal den Schlepper“, erzählt die Bäuerin. Das Tier ist gemütlich, anhänglich und selbst mit einer Handvoll Kraftfutter nicht von dem Ruheplatz zu locken. Auch nicht für ein Foto. Da kann Ex-Fußballnationaltorhüterin Manuela Goller noch so viele Koseworte in den Stall rufen.

Austragungsort der aktuellen „Freundschaftsspiele“ ist Lesenbüchen in Egen. Gollers „Verein“ ist längst der eigene Molkereibetrieb, den sie von ihrem Vater gepachtet hat. Einen zweiten Betrieb gibt es auf Kreuzberg, da hilft der Onkel bei der Betreuung der Jungtiere mit. Auf dem Hof selbst hat die staatlich geprüfte Landwirtin statt elf gleich 95 kompetente Mitspieler – ihre Milchkühe plus der Nachzucht.

Die ehemalige Spielerin der Vereine SSG 09 Bergisch Gladbach und Grün-Weiß Brauweiler hat sich aufs Land zurückgezogen, als sie mit ihren Mannschaften alle Wettbewerbe mitgemacht und viel erreicht hatte. Auch, wie sie sagt, ein entsprechendes Alter. Ihr letztes Spiel ist nun 15 Jahre her. „Ich habe den Abschied vom aktiven Fußball nie bereut. Man kann es komplett ablegen, wenn man eine andere Beschäftigung hat. Ich liebe den Umgang mit den Tieren mehr als den mit dem Ball. Abgesehen von dem schönen Wetter im Sommer und der Tatsache, dass sich ja alles draußen abspielt.“

Die mit Titeln gekrönte Karriere begann, als sie sechs war: „Früher gehörte der Fußball ja noch aufs Dorf. Was sollte man auch, außer Messdiener, anderes machen? Meine Schwester Birgit und ich waren die ersten Mädchen, die in der Jungenmannschaft gespielt haben. Das war Pionierarbeit, so was hatte es vor uns noch nicht oft gegeben. Der SSG O9 war einer der ersten Vereine, der den Frauenfußball praktiziert und publiziert hat. Leider hat sich die Abteilung 2008 aufgelöst.“

Ins Tor kam sie als Kind, als der eigentliche Torwart krank war. „Da kam ich dann nicht mehr raus. Meine Leistungen fielen auf, und ich wurde in der 1. Liga eingesetzt.“ Torwart zu sein betrachtet sie als ungeheuer praktisch. „Der braucht nicht so viel laufen.“ Und auch keine Schuldgefühle zu haben, wenn er die Weltmeisterschaft verhaut. Das sei immer eine Sache, die die ganze Mannschaft betrifft. „Man kann, beim Elfmeterschießen zum Beispiel, nur als Held rausgehen. Entweder man hält und alle jubeln – oder man hält nicht und dann ist das eben so.“

Bleibt noch die so oft unverstandene Frage nach dem Abseits. Manuela Goller schmunzelt: „Wenn man sich für Fußball interessiert, ist die Frage sehr leicht zu beantworten. Wenn nicht, dann ist sie zu vergleichen mit der Frage eines Mannes, wie viel Salz er in die Suppe geben soll.“

Dem Laien vermag es wie ein großer Sprung in eine andere Welt vorkommen: Von Pokalen und Publicity, Eckbällen und Fouls immer wieder und von morgens bis abends im Kuhstall? Sie lacht, und steckt ihre Hände in die Hosentaschen: „Nein, eintönig ist es hier nie, eher wie im Kindergarten. Jeden Tag ist hier etwas anderes los. Heute bekommt eine Kuh ein Kalb, morgen ist eine krank, übermorgen vielleicht sind sie alle schlecht gelaunt.“ Das reiche für einen Tagesablauf von halb sechs am Morgen, gute zwölf Stunden täglich. Es sei denn, es ist Urlaub. Da dürfen die vier in unmittelbarer Nähe wohnenden Schwestern, der Mitarbeiter und der Azubi gern die Vertretung übernehmen. Während sich Manuela Goller und ihre Freundin, für zwei Wochen im Sonnenurlaub an Strand und Meer entspannen.

Stolz auf die Leistung des Damenfußballs

Es war einmal, könnte die Geschichte um die 42-jährige Torhüterin lauten. Aber einmal Fußball, immer Fußball. So signalisiert es jedenfalls der Jubelzwerg in der Wohnzimmerecke. Er gehört zu den Dingen, die man braucht, wenn man Fan des 1.FC Köln geworden ist. Das riesige Poster mit der Hohenzollernbrücke und der Dom aus Pappmaché in der Flurecke dokumentieren Heimatgefühl. Die Verbundenheit zu Köln sei im Brauweiler Verein entstanden. Herrenbundesliga im Stadion ansehen, eine Viertelstunde vor Anpfiff euphorisch singen, das unschlagbare Fangefühl der Großstadt erleben, das mag Goller.

Für den FC Köln ist sie guter Dinge. Er muss nur da weitermachen, wo er gerade steht. Es sei ja eigentlich ganz einfach: Am besten mögen sich die Herren Fußballer einmal ansehen, was die deutschen Frauen geschafft haben: Fünf Mal hintereinander Europameister. Da ist Manuela Goller richtig stolz drauf. „Plötzlich Europameister zu sein, das ist ein wahnsinnig tolles Gefühl, das begreift man irgendwie erst gar nicht. Ich wünsche dem 1. FC Köln diesen Wahnsinn von Herzen.“