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JubiläumVor 100 Jahren wurde in Morsbach-Holpe der Grundstein fürs Gesellenhaus gelegt

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Das Gesellenhaus in der Morsbacher Ortschaft Holpe ist auch heute noch Mittelpunkt des kulturellen und geselligen Lebens dort. Vor bald 100 Jahren wurde der Grundstein für den Bau gelegt.

Das Gesellenhaus in der Morsbacher Ortschaft Holpe ist auch heute noch Mittelpunkt des kulturellen und geselligen Lebens dort. Vor bald 100 Jahren wurde der Grundstein für den Bau gelegt.

Mit einem Gottesdienst und einer Prozession wird dieses historische Ereignis gefeiert. Zum Richtfest gab es einst 50 Liter Bier und 50 Zigarren.

In Holpe, heute ein Ort in der Gemeinde Morsbach, gibt es bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen regen Gesellenverein, der sich später Kolpingsfamilie benennt. Zusammenschlüsse dieser Art haben damals eine große soziale Bedeutung, sie sollen jungen Menschen Halt geben und dienen neben der beruflichen Bildung auch der religiös-sittlichen Betreuung selbstständiger Handwerksgesellen.

Im April 1925 regt Paul Stentenbach aus Herbertshagen daher im Holper Gesellenverein den Bau eines Gesellenhauses an, um eine Versammlungsstätte zu gründen. Die Idee greift Präses und Pfarrer Wilhelm Stephan Pflugfelder rasch auf. Und er schlägt vor, „das Grundstück am Marienbrunnen“ zu nutzen. Prompt beauftragt er auch einen Architekten, einen Entwurf für einen Saal, zwei Wohnungen und einen Treppenturm zu erstellen und der Gemeindeverwaltung mit dem Ehrenbürgermeister Karl Friedrich Baron von Schorlemer an der Spitze zur Genehmigung vorzulegen.

Im Laufe des Sommers 1925 werden dann die ersten Bruchsteine nach Holpe gekarrt

Zeitgleich sollen Zuschüsse und Darlehen beim Kreis, bei der Bezirksregierung, der Caritas, dem Erzbischöflichen Generalvikariat in Köln und bei Landtagsabgeordneten beantragt werden. Im Laufe des Sommers 1925 werden dann in einem Steinbruch bei Erblingen Bruchsteine für den Keller und den markanten Turm des Hauses gebrochen und mit Kuh- und Pferdefuhrwerken des Barons von Schorlemer in die Ortschaft transportiert.

Das Holz für den Fachwerkaufbau des Saales erhält Holpe von der Fürstlichen Verwaltung in Schönstein. Der Splitt kommt von der Grube Georg und Sonne. Vom Bahnhof Volperhausen werden zudem 340 Zentner Kalk nach Holpe gebracht.

Dieses historische Foto aus Morsbach zeigt das Gesellenhaus in Holpe (links) in den 1930er Jahren. Vor 100 Jahren wurde der Grundstein gelegt, was am 28. Juni 2026 in der Kirche St. Mariä Heimsuchung (rechts) mit einem Gottesdienst gefeiert wird.

Dieses historische Foto aus Morsbach zeigt das Gesellenhaus in Holpe (links) in den 1930er Jahren. Vor 100 Jahren wurde der Grundstein gelegt, was am 28. Juni 2026 in der Kirche St. Mariä Heimsuchung (rechts) mit einem Gottesdienst gefeiert wird.

Vor 100 Jahren, am 6. Januar 1926, kann dann der Bauplatz eingesegnet werden, und am 4. Juli 1926 findet die feierliche Grundsteinlegung durch Dechant Menghius aus Dattenfeld statt. In der Pfarrchronik heißt es dazu: „Nach der sakramentalen Andacht um 5 Uhr nachmittags bewegt sich eine stattliche Prozession zum Bauplatz. Vier Vorstandsmitglieder des Gesellenvereins trugen auf einer Bahre den Grundstein, der von Wilhelm Busch gestiftet worden war“.

Eine Urkunde, unterzeichnet von Bürgermeister von Schorlemer, dem Kirchenvorstand und dem Vorstand des Gesellenvereins, wird dort von Maurern, in einer Büchse gesichert, eingefügt. Die Urkunde schließt mit den Worten: „Ich will, also kann ich!“, was vielleicht so viel wie Mut für bürgerschaftliche Initiativen bedeuten soll. Dechant Menghius weist derweil mit Freude darauf hin, „dass nun Holpe das erste Jugendheim im Dekanat besitzt“.

Inzwischen hat der Generalpräses des Gesellenvereins aus Köln zwar 5000 Mark für den Bau zur Verfügung gestellt, dennoch steht das Vorhaben finanziell auf wackeligen Beinen. In der Chronik heißt es: „1926 wurde die grundbuchamtliche Eintragung einer Hauszinshypothek von 12.000 Mark vorgenommen“.

Auch eine Kegelbahn findet sich unter dem Dach des neuen Gesellenhauses

Die Bauarbeiten können in der zweiten Jahreshälfte weitergehen. Die Zimmerarbeiten, Schreinerarbeiten für den Fußboden sowie Fenster- und Türarbeiten schreiten zügig voran, sodass im September und Oktober der Aufschlag erfolgen kann. Für das Richtfest am 13. Oktober 1926 stiften die Alexanderwerke 50 Liter Bier und Heinrich Klüser aus Holpe 50 Zigarren.

Die Rohbauarbeiten haben, so die Chronik, „30.000 Mark gekostet, wovon 10.000 Mark an freiwilliger Arbeit erbracht worden waren“. Und es wird fleißig weitergebaut. Am 1. Mai 1927 kommt es zur Eröffnung einer einfachen Kegelbahn, wobei die Kegel von dem Schreiner Willi Steiger aus Erblingen gedrechselt worden sind. Am Sonntag, 3. Juli 1927, wird das Gesellenhaus feierlich eingeweiht. Vollständig beendet wird der Bau aber erst 1929.

Wie der Chronik zu entnehmen ist, stellt in den 1930er Jahren die Ortsgruppe Holpe der NSDAP unter Bürgermeister Heinrich Katzenbach zunächst einen Benutzungsplan für das Haus auf, demnach wird es allen Vereinen und der Jugend beider Konfessionen zur Benutzung zur Verfügung gestellt. Am 28. September 1939 erfolgt jedoch die „polizeiliche Beschlagnahmung“ des Gesellenhauses durch Katzenbach. 1943 wird es vorübergehend Lager für italienische Kriegsgefangene.

Nach Kriegsende kehrt das Gesellenhaus zurück in den Besitz der Kirchengemeinde. Bis heute ist das Gebäude ein Treffpunkt für Jung und Alt und der Mittelpunkt des geselligen und kulturellen Lebens im Raum Holpe. Im Ort erinnert im Übrigen ein Straßenschild an den Erbauer: „Pfarrer-Pflugfelder-Weg – 1920 – 1927 Pfarrer in Holpe. Erbauer des Gesellenhauses“.


Festlicher Gottesdienst und ein gemütliches Beisammensein in Morsbach-Holpe

Anlässlich der Grundsteinlegung für das Gesellenhaus vor 100 Jahren findet am Sonntag, 28. Juni 2026, ein festlicher Gottesdienst in der Holper Kirche St. Mariä Heimsuchung statt. Er beginnt um 9.15 Uhr mit den Laudes, um 9.30 Uhr folgt die Heilige Messe. Beides gestaltet der Kirchenchor „Cäcilia“ Holpe unter der Leitung von Dirk van Betteray musikalisch.

Danach zieht eine kleine Prozession zum benachbarten Gesellenhaus, in dem es dann nach einer Segnung des Hauses ein gemütliches Beisammensein mit Getränken und Snacks gibt. Zudem verabschiedet sich van Betteray mit dieser Messe aus seinem hauptamtlichen kirchenmusikalischen Dienst in Oberberg-Süd, bevor er am 1. Juli 2026 in Vollzeit seine neue Stelle als Servatiuskantor und Seelsorgebereichsmusiker in Siegburg antritt.

Er wird aber weiterhin den Holper Kirchenchor und die Morsbacher Musikschule leiten, die „Kirche der Künste“ in Holpe betreuen und für Konzerte und Gottesdienste im Süden Oberbergs verantwortlich sein.