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Geschichten aus der Geschichte
Morsbach und die große Trockenheit von 1911

3 min
Eine Familie aus Böcklingen, heute eine Ortschaft in der Gemeinde Morsbach, um das Jahr 1930 mit ihren Ziegen bei der Heuernte: In Dürrezeiten fiel die Heuernte sehr karg aus.

Eine Familie aus Böcklingen, heute eine Ortschaft in der Gemeinde Morsbach, um das Jahr 1930 mit ihren Ziegen bei der Heuernte: In Dürrezeiten fiel die Heuernte sehr karg aus. 

Von Juli bis September fiel in jenem Jahr kein Regen: Schulchroniken überliefern ein extremes Wetterereignis. Auch harte Hitzetage gab es.

Schulchroniken sind wahre Fundgruben, die über Generationen in fast jeder Zwergschule geführt wurden. Wichtiges und Nebensächliches haben die Lehrer niedergeschrieben. Vielfach wurden lokale Begebenheiten und Anlässe festgehalten, aber auch überregionale Ereignisse fanden in den kleinen Dörfern ihren Niederschlag. Eintragungen in Morsbacher Schulchroniken zeigen, dass Trockenheit und Hitzetage den Oberbergerinnen und Oberbergern bereits vor 115 Jahren arg zu schaffen machten.

Im Jahr 1911 berichten die Chroniken der Volksschulen in Holpe, Wallerhausen, Oberellingen und Alzen übereinstimmend von einer extremen Hitzeperiode. Es hatte damals vom 3. Juli bis Mitte September nicht mehr geregnet. Wörtlich heißt es in einer Chronik: „Die Folge der Trockenheit war eine mangelhafte Gemüse- und Grumeternte. Wegen zu großer Hitze wurde die Schule auf Anordnung des Herrn Landrats zum 11. bis 20. August geschlossen.“

Eine Frau schöpft in den 1930er Jahren in Morsbach mit einer Schwengelpumpe Wasser aus einem Brunnen in zwei Zinkeimer.

Eine Frau schöpft in den 1930er Jahren in Morsbach mit einer Schwengelpumpe Wasser aus einem Brunnen in zwei Zinkeimer.

Weiter schreibt der Lehrer vor 115 Jahren: „Die ältesten Leute haben eine solche Trockenheit nicht erlebt. Die Leute in unserer Gegend betrieben hauptsächlich Viehzucht. Die Weidenbesitzer verkauften ihr Vieh mit Schaden. Die Heuernte war gering. Die Frucht, besonders der Hafer, wurde notreif und die Kartoffeln blieben sehr klein. Die Vieh- und Fleischpreise blieben auf der Höhe und die Ochsen wurden schon mit 700 Mark bezahlt. Obst gab es sehr wenig.“

Lehrer Franz Thomas von der Volksschule Alzen schrieb im August 1911 in die Schulchronik: „Die andauernde Dürre macht ihren Einfluss auch auf die Wasserversorgung geltend. Im hiesigen Ort sind die Wasserverhältnisse sehr schlecht. Viele Leute haben einen Brunnen im oder dicht am Hause. Nur wenige Bewohner sind aber mit Wasser versehen. Gerade jetzt bei der Trockenheit empfindet man das Bedürfnis einer Wasserleitung.“

Morsbachs Kinder leiden unter Brechdurchfall und Magendarmkatarrh

Lehrer Thomas schildert in der Schulchronik die Hitzeperiode weiter: „Aus allen Gegenden Deutschlands laufen Nachrichten ein, dass Menschen vom Hitzeschlag getroffen sind. Brechdurchfall und Magendarmkatarrh treten unter den Kindern epidemisch auf. Unsere Nebenflüsse führen fast gar kein Wasser mehr. Es ist ein großes Fischsterben zu beobachten. Am 9. August 1911 zeigte das Thermometer für Alzen 33 Grad. Am 2. September fand eine Versammlung zwecks Gründung einer Wasserleitung statt, zu der auch Herr Bürgermeister Franz Voß aus Morsbach nach Alzen gekommen war.“

Aber auch das Gegenteil, Starkregen- und Unwetterereignisse, machten den Morsbacherinnen und Morsbachern in der Vergangenheit zu schaffen. Die Chronik der katholischen Volksschule Holpe überliefert aus dem Jahr 1961, dass am 5. Juni, am gleichen Tag, an dem bereits 60 Jahre zuvor ein schweres Unwetter über Holpe niedergegangen war, Petrus wieder seine Schleusen öffnete.

Dabei erlitt eine Familie, die im Hause der früheren Bäckerei Müller wohnte, großen Schaden. „Das Wasser kam mit Gewalt vom Berg durch das Schlafzimmerfenster und floss durch die Haustür wieder hinaus“, heißt es in der Chronik. Zurückblieben damals Berge von Schlamm.