Wipperfürth – Gearbeitet wird auch noch während der Einweihung am neuen Alten- und Pflegeheim Inovana an der Lüdenscheider Straße. Als Pfarrer Sebastian Bremer aus dem Neuen Testament vorliest, ist Lärm auf dem Flur zu hören. Handwerker bringen letzte Handläufe an und montieren Heizungskörper.
Künftig werden in diesem Haus 80 alte Menschen, mit oder ohne Demenz, betreut, in 74 Einzel- sowie in drei Doppelzimmern. In wenigen Tagen erfolgt der Umzug der Bewohner vom Silberberg an die Lüdenscheider Straße.
Ein Jahr und elf Tage seit Grundsteinlegung
Stefanie und Daoud Mhaibesh sind an diesem Tag etwas erleichtert. „Genau ein Jahr und elf Tage“ hat es gedauert seit der Grundsteinlegung, rechnet Geschäftsführer Daoud Mhaibesh vor. „Das Haus beginnt zu leben.“ Er freue sich „auf tolle 50 Jahre hier“, sagt er und lächelt.
Beim Personal werden noch Kräfte dazukommen: Vier examinierte Pflegekräfte werden derzeit gesucht. Aufgestockt wurde das Personal für die soziale Betreuung und die Küche. Rund 100 Menschen sollen künftig hier arbeiten.
Nach anfänglichen Problemen mit dem weichen Untergrund kam der Bau dann aber zügig voran. 6000 Quadratmeter Wohnfläche bietet er jetzt, betont Oberbergs Landtagsabgeordneter Peter Biesenbach (CDU), der weitere Zahlen nachlegte: 22 Kilometer Kabel wurden verlegt, dazu 16 Kilometer Datenkabel. Insgesamt 20.000 Kubikmeter umbauten Raum hat das Gebäude. Ein Blockheizkraftwerk im Keller und Photovoltaik auf dem Dach sorgen zudem für umweltfreundlich erzeugte Energie.
Hell und freundlich ist es im ganzen Haus. „Der Mensch steht hier im Mittelpunkt“, lobt Biesenbach. So ist die Beleuchtung überall derart, dass keine Schatten geworfen werden, davor könnten sich Demente erschrecken. Insgesamt gebe es in den Zimmern aber viel Helligkeit und Wärme, die Fenster sind bodentief.
Und das gesamte Gebäude ist als Begegnungszentrum konzipiert. Ob Frühstück, Mittagessen oder Kaffeetrinken – alle Wipperfürther sind hier willkommen. Erste Unternehmen haben sich angemeldet, ihre Beschäftigten werden künftig hier Mittagessen können.
Noch eines ist wichtig: Das Haus ist nicht nur barrierefrei, es wird auch stets offen sein. Und zwar von innen nach außen. Was geschieht aber mit dementen Bewohnern? In manch anderen Häusern sind Stationen nachts geschlossen. Dies wird hier nicht der Fall sein. Bewohner werden mit Sendern ausgerüstet, die den Nachtdienst alarmieren, falls sich eine demente Person dem Ausgang nähert.
Wie hier besonders an die Menschen gedacht werde, zeigt noch eine Idee, die Biesenbach heraushebt. Neben der großen Küche gibt es eine mobile Küche. Künftig sollen auf den Stationen etwa Spiegeleier gebraten, Waffeln gebacken oder Popcorn hergestellt werden. All dies ließe sich natürlich in der großen Küchen auch – und zudem einfacher – bewerkstelligen. Doch die Idee dahinter ist: So wird der Geruch nach frischen Essen durch die Gänge ziehen, die Sinne der Bewohner werden so angesprochen.
Lob für den mutigen Schritt des Neubaus gab es auch von Wipperfürths Bürgermeister Michael von Rekowski, bei dem sich Daoud Mhaibesh für die Unterstützung des Projektes durch die Stadt bedankte. Das Haus sei auch eine Chance für Wipperfürth, betonte der Bürgermeister.