Mit Unterstützung der Biologischen Station stellen wir Arten vor, die uns in Oberberg aufgefallen sind.
Lebendiges OberbergDas Wald-Veilchen sorgt für violette Tupfer am Waldboden

Das Wald-Veilchen gedeiht vor allem in mäßig lichten Wäldern auf nährstoffreichen Lehmböden und ist in Rotbuchenwäldern vergesellschaftet.
Copyright: Biologische Station Oberberg (BSO)
Ein Veilchen zu haben ist nicht schön, zumindest wenn es um die umgangssprachliche Bezeichnung für ein Hämatom um das Auge geht, oft in Folge einer Schlägerei. Der Name rührt bekanntlich von der Farbe her, welche das blaue Auge mit der Blume der Pflanzengattung Viola aus der Familie der Veilchengewächse (Violaceae) teilt. Bekannt ist die Pflanzengruppe mit dem schönen weiblichen Namen, der auch ein Musikinstrument bezeichnet, aufgrund ihrer lieblichen Sinneseindrücke, die die Pflanzen über den Geruch, das Aussehen und sogar den Geschmack vermitteln.
Vor allem das Duft-Veilchen (Viola odorata), auch März-Veilchen oder Wohlriechendes Veilchen genannt, ragt hierzulande innerhalb der weltweit über 500 bekannten Arten hervor. War diese Art ursprünglich nur im Mittelmeerraum und der Kaukasusregion verbreitet, finden wir das Duftveilchen mittlerweile in ganz Mitteleuropa. Durch das Kultivieren in Gärten konnte es sich in Siedlungsnähe ausbreiten und verwilderte auch im Bergischen Land, wo wir es verstreut in Gebüschen und an Waldrändern entdecken können.
Beliebter Duft
Aus den violetten Blüten wurden über Jahrhunderte kosmetische Präparate hergestellt. Heute wird das Extrakt (Absolue) der Veilchenblüten praktisch nicht mehr verwendet. In der Kosmetikindustrie wurde es im letzten Jahrhundert durch die synthetischen Veilchenduftstoffe (Jonone) ersetzt. Das „Absolue“ aus den Blättern der Duft-Veilchen wird hingegen nach wie vor bei der Produktion von Parfüms eingesetzt.
Darüber hinaus wird sogenanntes „natürliches Veilchenparfüm“ aus den getrockneten unterirdischen Sprossteilen (Rhizomen) verschiedener Schwertlilien-Arten hergestellt. Die sogenannten „Veilchenwurzeln“ sieht man manchmal um den Hals oder im Mund von zahnenden Babys, denen sie zur Linderung verabreicht werden.
In Oberberg zu Hause
Die Blüten verschiedener Veilchenarten wie Stiefmütterchen, Horn-Veilchen und so weiter lassen sich tatsächlich auch in der Küche verwenden und gehören unter anderem in ein echtes Birne-Helene-Gericht. Des Weiteren ist da noch die Crème de Violette, ein Likör, der schon seit dem frühen 19. Jahrhundert hergestellt wird. Veilchenpastillen, die es in jeder gut sortierten Apotheke gibt, werden wiederum meistens mit künstlichen Jononen aromatisiert.
Eine bodenständige Veilchen-Art unserer Heimat ist das Wald-Veilchen (Viola reichenbachiana). 1857 erfolgte die offizielle Erstbeschreibung dieser Spezies durch den französischen Botaniker Claude Thomas Alexis Jordan. Er widmete die Art dem deutschen Botaniker Heinrich Gottlieb Ludwig Reichenbach, ein frühes Zeichen deutsch-französischer Freundschaft.
Das Wald-Veilchen gedeiht vor allem in mäßig lichten Wäldern auf nährstoffreichen Lehmböden und ist in Rotbuchenwäldern vergesellschaftet. Ein Unterscheidungsmerkmal zum ähnlichen, ebenfalls strickt heimischen und etwas häufigeren Hain-Veilchen (Viola riviniana) ist das nur einen Millimeter kurze Kelchanhängsel.
Die Blütezeit des Wald-Veilchens beginnt im März, sobald der Frühling einsetzt. Und darüber freuen sich die Tiere mindestens ebenso sehr wie der Mensch. In unserer Reihe „Lebendiges Oberberg“ ist bereits die Schmetterlingsart Kaisermantel porträtiert worden. Und dieser ansehnliche Tagfalter legt seine Eier vorzugsweise in der Nähe der Wald- und Hain-Veilchen ab, da diese die Leibspeise seiner Raupen sind.
Frühlingsgedicht
Der Winter ist auch in unserer komfortablen Gegenwart eine harte Jahreszeit geblieben. Wenn der Körper von Kälte und grippalen Infekten gebeutelt und das Gemüt von der Dunkelheit zermürbt wurde, sollte man versuchen, sich an den einfachen Dingen des Lebens aufbauen. So jedenfalls machte es die Urgroßmutter des Autors, die österreichische Lyrikerin Resi Schölnhammer, die vor gut 100 Jahren dichtete:
„In dieser Welt, so winterhart,/ War mir mein Herz gar oft erstarrt,/ Gleich einer Eisesscholle,/ Da pocht ein artig Veilchen an/ Und fragt, ob es nicht dienen kann/ Und was der Mensch denn wolle?/ Die Sonne meint's so gut mit dir, –/ Was sinnst du denn so trübe hier?
Da lenzt es auch in meinem Sinn./ Es schmilzt das Eis im Herzen drin/ Ob dieser holden Frage./ Und gläubig weitet sich die Brust/ Und grüßt voll neuer Lebenslust/ Die ersten Wonnetage./ Geschwunden ist, was schal und krank, –/ Du liebes Veilchen, habe Dank!“

