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Nümbrechter AussichtsturmEin 34 Meter hoher Problemfall

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Nümbrecht – Am liebsten würde Monika Schaffner eine Taste drücken und ein Tonband abspielen. Denn wieder und wieder muss die Miteigentümerin der Ausflugsgaststätte „Turmstübchen“ auf dem Nümbrechter Lindchen erklären, warum der benachbarte Aussichtsturm geschlossen ist, warum niemand in die Höhe klettern darf. Und dass sie nicht weiß, wann der hölzerne Turm mit seinen 154 Stufen und garantiertem Panorama-Weitblick endlich wieder offen ist.

„Scheint die Sonne, müssen wir solche Fragen unzählige Male am Tag beantworten, weil so viele Ausflügler kommen“, sagt die 63-Jährige und seufzt. Vor allem Gäste mit langer Anreise seien dann oft verärgert. „Was ist ein Turmstübchen nur ohne Turm?“ 2008 hatten Monika und Herbert Schaffner (68) die Gaststätte übernommen und vor dem Abriss bewahrt.

Bürgermeister Hilko Redenius kennt die Sorgen der Gastwirte. „Aber wir hatten keine Wahl, wir mussten den Turm schließen“, betont Redenius. Im Sommer 2013 hatte ein Statiker das 1974 zur Landesgartenschau errichtete Bauwerk Balken für Balken und Zentimeter für Zentimeter abgeklopft – Ergebnis: Viel Holz ist morsch, der 34 Meter hohe Turm nicht mehr sicher.

„Seither arbeiten wir an einer Lösung, damit er endlich saniert werden kann.“ Zuletzt versuchte die Gemeindeverwaltung, den Turm ins Integrierte Handlungskonzept einzubauen und für seine Instandsetzung Fördermittel zu kassieren. „Hat nicht geklappt“, sagt Redenius knapp. „Dieses Vorhaben wurde von der Bezirksregierung Köln als nicht förderfähig abgelehnt.“ Einen Grund für Resignation gebe es trotzdem nicht. „Wir haben es im vergangenen Jahr doch auch geschafft, für 30 000 Euro den Kurpark auf Vordermann zu bringen“, blickt der Rathauschef zurück und erinnert sich an die große Spendenfreude der Nümbrechter und das große Engagement des Heimatvereins. Und er hofft, dass sich für den Turm ebenfalls Geldgeber finden. Eine gewisse Summe, aus Stiftungskapital, sei bereits vorhanden.

Besitzer des Turms ist die Bau- und Entwicklungsgesellschaft Nümbrecht. Die Kosten für die Sanierung beziffert Geschäftsführer Manfred Schneider auf 300 000 bis 750 000 Euro, je nach Aufwand. „Das Fichtenholz müsste aber immer komplett ausgewechselt werden.“ Ein Abriss und ein Neubau kommen übrigens nicht in Frage: Vier große Mobilfunkanbieter haben ihre Antennen aufs Dach des Turms gepflanzt, der Digitalfunk der Polizei und der Rettungsdienste sowie die LTE-Versorgung laufen zudem über diesen Knoten. Will sagen: Die Antennen müssen immer bleiben, damit die drahtlosen Verbindungen nicht ausfallen.

„Davon wären dann tausende von Mobilfunkkunden betroffen“, betont Hilko Redenius. „Denn von dort wird nicht nur die Gemeinde Nümbrecht versorgt, auch Teile von Wiehl hängen daran.“ Die Mieteinnahmen, so Redenius, reichten gerade mal aus, um die Unterhaltskosten des Turms zu decken. „Diese liegen zwischen 5000 und 10 000 Euro pro Jahr.“ Hinzu käme, dass die beteiligten Telekommunikationsunternehmen ihre Kapazitäten ausbauen wollen und auch für die Zukunft einen sicheren Standort haben wollen.

„Dafür müsste der Turm um zehn Meter in die Höhe wachsen“, schildert der Bürgermeister mit Blick auf neue Vorschriften: „Die sehen vor, dass zwischen den Antennenmasten und den Köpfen der Leute nicht nur ein Abstand von zehn Metern besteht, sondern auch ein Schutzschirm eingezogen wird.“ Aber wächst der Turm oben, hält unten das Fundament nicht mehr – das wäre dann die große, die 750 000 Euro teure Lösung.

Unterdessen schlägt Monika Schaffner vor, Patenschaften für den Turm anzubieten oder die Mobilfunkfirmen zu bitten, die Miete schon Jahre im voraus zu zahlen, damit Geld zur Verfügung steht. „Denn hier fehlt etwas.“