Oberberg – So schnell das Unwetter wieder abgezogen war, so sehr wird es die Oberberger noch eine ganze Zeit beschäftigen. Dramatische Szenen spielten sich am Donnerstagnachmittag an mehreren Orten in der Kreismitte ab: Straßen verwandelten sich in reißende Bäche, Gullys in Geysire und Keller in Wasserbassins (wir berichteten). Vielen Betroffenen blieb nur, die über sie hereingebrochene Naturgewalt ungläubig mit der Handykamera festzuhalten. Zu verhindern war nichts mehr.
100 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Bauhof gemeinsam mit vielen Ortsbewohnern räumten auf
Einsatzschwerpunkte für die Feuerwehren waren Marienheide-Gogarten – da stand die Straße wadentief unter Wasser stand – und die Gummersbacher Ortschaft Frömmersbach. Dort, am Fuße des in vielen Bereichen kahlgeschlagenen Unnenbergs, ergoss sich kurz nach 16 Uhr ein brauner Fluss mit Matsch und Geröll über die Langenbergstraße bergab. Gummersbachs Stadtbrandmeister Frank Raupach erklärt, dass oberhalb des Ortes drei Siefen zusammenlaufen und durch einen Kanal unter dem Dorf hindurchgeführt werden. Doch mitgerissenes Laub, Holz und Geröll verstopften den Einlass, sodass sich das Wasser seinen Weg durch den Ort suchte. Allein in Frömmersbach mussten knapp 100 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Bauhof – gemeinsam mit vielen Ortsbewohnern – sechs Stunden lang aufräumen. Auch am Freitagmorgen waren Bauhofmitarbeiter und Kehrmaschine noch mehrere Stunden lang dort im Einsatz.
Kreisbrandmeister Wilfried Fischer bezeichnet das Unwetter als außergewöhnlich stark: „Bemerkenswert ist, dass es nur so punktuell zugeschlagen hat, wie eben in Frömmersbach.“Die rund 150 Notrufe, die binnen kurzer Zeit in der Rettungsleitstelle eingingen, zeigen, wo das meiste Wasser runterkam. Neben Gummersbach und Marienheide waren Lindlar und Wipperfürth am ärgsten betroffen. Die vier Feuerwehren besetzten ihre für solch unübersichtliche Lagen konzipierten Meldeköpfe, um die vielen Notrufe eigenständig koordinieren und abarbeiten zu können. 250 Feuerwehrleute wurden losgeschickt.
Vielerorts seien verstopfte Gullys das Problem gewesen, weiß Fischer: „Die Sinkkästen, die den Schmutz auffangen sollen, setzten sich zu, sodass das Wasser nicht mehr einlaufen konnte.“ Angeschwemmter Unrat war auch das Problem an einem Teich in Wipperfürth, der in sich der Folge bis zu einem Dammbruch aufstaute.
„Knapp unter den Werten für ein hundertjähriges Regenereignis“
Die vom Aggerverband gemessenen 50 Millimeter Niederschlag entsprechen einer Regenmenge von 50 Litern pro Quadratmeter – „knapp unter den Werten für ein hundertjähriges Regenereignis“, sagt Verbandsvorstand Professor Dr. Lothar Scheuer. Für solche Mengen seien die Kanäle nicht ausgelegt. Sie durch größere zu ersetzen, ist unrealistisch, inzwischen aber arbeiten Kreis und Kommunen an Starkregenrisikomanagementplänen, um zu ermitteln, wo sich das meiste Wasser sammelt. Fließweganalysen sollen zeigen, wie das Wasser über die Straßen ins nächste Gewässer geführt werden kann.
Experten warnen, dass derart massive Regenfälle keine Einzelereignisse bleiben. Klimawandel und abgeholzte Wälder würden Überflutungen begünstigen. Und Hausbesitzer sollten sich wappnen. Aggerverbandschef Scheuer rät dazu, sich Haus und Grundstück daraufhin anzuschauen: Wo sind Tiefstellen, von wo kann das Wasser kommen, wie kann es abfließen, ohne Schaden anzurichten?
