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Aus dem Ballettsaal ins WohnzimmerOberbergerin hofft auf Rückkehr für Tanzkurse

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Oberberg – Wenn Bücherregale, Fensterbänke und Stuhllehnen zu Ballettstangen werden, Haustiere gern gesehene Statisten sind und Pirouetten durch Schrankwände ein jähes Ende finden, dann ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass Ballettunterricht in Gruppen noch immer verboten ist.

Seit 2009 leitet Hannah Ludemann-Kruse die Gummersbacher Ballettschule In-E-Motion. Üblicherweise gehen hier rund 240 kleine und große Tänzerinnen und Tänzer ein und aus. Seit Beginn der Pandemie ist alles anders. „Zum Glück hatten wir einige Wochen vor dem Lockdown noch unsere Peter-Pan-Aufführung in der Halle 32. Vier ausverkaufte Vorstellungen. Aus heutiger Sicht kaum noch vorstellbar. Danach kam der krasse Bruch“, blickt Ludemann-Kruse zurück.

Tanzen im Wohnzimmer

Große Wandbilder von diesem Tanztheater erinnern sie jedes Mal daran, wenn sie allein in ihrer Ballettschule ist, um ihre Schüler von dort aus online zu unterrichten. Seit Februar tanzen diese nämlich zu Hause in Wohnzimmern, Kellerbars und Arbeitszimmern.

„Dabei hatten wir nach den Sommerferien ein wirklich gutes Hygienekonzept entwickelt. Haben die Gruppen aufgeteilt, immer eine Pause eingebaut, in der wir Stangen, Bänke und Türklinken desinfiziert haben. Sogar spezielle Lüftungsgeräte habe ich angeschafft. Eine Einbahnstraße durch die Ballettschule erschaffen, damit sich niemand begegnet.“ Doch wurde auch dieses Konzept in der Pandemie zur Sackgasse. Seit November ist die Ballettschule geschlossen.

Keine neuen Anmeldungen

Einige kündigen ihre Mitgliedschaft, aber das viel größere Problem: Niemand meldet sich neu an. „Wir haben uns wirklich viele Gedanken gemacht, wie wir den Unterricht adäquat anbieten können. Das fordert heraus und man findet auch Wege. Und tatsächlich funktioniert der Unterricht über Zoom besser als gedacht.“ Die zweifache Mutter vermutet, dass alle einfach froh sind, überhaupt irgendwas machen zu können. „Das ist eben ein festes Treffen unter fachkundiger Anleitung.“

Einen komplett neuen Trainingsplan musste sie mit ihren drei Kolleginnen für das Tanztraining entwickeln. „Zuhause ist es eher schwierig über eine große Diagonale durchs Wohnzimmer zu tanzen. Außerdem sind die Bodenbeschaffenheiten völlig unterschiedlich. Manche Böden sind sehr glatt und damit gefährlich. Auf anderen kann man sich gar nicht erst drehen. Wir mussten andere Schwerpunkte setzen. Mehr Dehnungen und Kraftübungen für das Spitzentraining. Das sind sonst Dinge, die eher untergehen.“ Aus dem Ballettsaal leitet die 39-Jährige die Übungen an.

Übungen vor dem Computer

Hier stehen eine Weitwinkelkamera, ein großer Bildschirm, auf dem sie alle Teilnehmer gut beobachten kann und ein Notebook. Bewaffnet mit einem Headset erklärt sie die Übungen und tanzt vor. „Das mit der richtigen Richtung ist dabei gar nicht so einfach und auch wirklich eine große Herausforderung. Außerdem ist es natürlich schwierig beim Vordermann abzugucken.“

Im Internet gibt es mittlerweile verschiedene Fortbildungen für den Online-Ballettunterricht, außerdem tauscht sich Ludemann-Kruse regelmäßig mit anderen Tanzpädagogen aus. „Was natürlich völlig wegfällt, ist das Korrigieren durch Berührungen. Dabei ist gerade das so wichtig, weil der Lerneffekt dadurch deutlich verstärkt wird.“ Noch sind alle mit Freude dabei, aber Ludemann-Kruse befürchtet, dass dieser Enthusiasmus nachlässt.

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„Man wird einfach müde, was die Online-Angebote anbetrifft. Es wird Zeit, dass wir wieder im Ballettsaal tanzen können, ohne jemanden in Gefahr zu bringen. Bewegung ist einfach so wichtig für Geist und Seele. Besonders Kindern fehlt sonst ein wichtiger Ausgleich“, weiß die Trainerin. Bei den im Moment stetig sinkenden Inzidenzen, denkt Hannah Ludemann-Kruse, dass vielleicht schon bald ein Hybridunterricht in der Ballettschule möglich ist. Dabei wäre ein Teil ihrer Schüler im Ballettsaal, die anderen wären von zu Hause zugeschaltet. Was wann möglich sein kann, dafür studiert sie täglich die Verordnungen des Landes.

Bei aller Hoffnung auf ein bisschen normalen Ballettunterricht, ob im nächsten Jahr wieder eine Aufführung stattfinden kann, die für jede Tänzerin und jeden Tänzer das Highlight schlechthin ist, steht jedoch noch in den Sternen.