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Die Schlüssel erobertZahlreiche jecke Wiever stürmen die oberbergischen Rathäuser

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Auf zwei Seiten stehen sich als Höhlenmenschen und als Möhnen verkleidete Frauen gegenüber. Zwischen den Gruppen ist ein rot-weiß gestreiftes Flatterband gespannt.

Auch Höhlenmenschen sind infektionsanfällig, deshalb wurde der Engelskirchener Rathaussturm nach draußen verlagert. Dort mussten sich Bürgermeister Dr. Gero Karthaus und Team gegen die Möhnen behaupten. Und die übernahmen natürlich das Zepter.

An ihrem Weiberfastnachtstag stürmen verkleidete und jecke Damen die Rathäuser im Oberbergischen Kreis. Wir geben einen Überblick.

Obwohl die Chefs in den Rathäusern mit dieser Revolution rechneten, kann sich niemand an der Macht halten. Zu stark, zu bunt, zu jeck gehen die Frauen am Donnerstag in Engelskirchen, Denklingen, Waldbröl, Bergneustadt und Wiehl zu Werke. Die Entmachteten kapitulieren und reihen sich zum Schunkeln ein.

Engelskirchen: Höhlenmenschen stehen den Möhnen gegenüber

Nach dem Countdown durch Sitzungspräsident Reinhold Müller der KG Närrische Oberberger gibt es für die Möhnen mit Spitzenrock und roten Samthandschuhen kein Halten mehr. Mit Inbrunst zerreißen die jecken Wiever das Sperrband, hinter dem sich die Höhlenmenschen um Bürgermeister Dr. Gero Karthaus versammelt haben, um den Platz hinter dem Rathaus zu verteidigen.

„Eigentlich dachten wir ja, wir hätten dieses Jahr gute Chancen, denn draußen ist es nass und kalt und die Möhnen haben doch alle Rheuma. Die hatten sich aber alle schon vorher in Kampfstimmung getrunken“, kommentiert der Bürgermeister und übergibt „Obermöhnin“ Elisabeth Crombach den Schlüssel zum Rathaus. Auch Senatspräsident Reinhold Müller nimmt den goldenen Schlüssel unter die Lupe: „Der hat ja eine Registrierungsnummer. Ein sehr ordentlicher Laden.“ (bs)

Waldbröl: Rathauskräfte verschanzen sich hinter Zäunen

Mit einem Friedensgespräch und einer fairen Verhandlung hat Waldbröls Bürgermeisterin Larissa Weber den Rathausstürmern sozusagen den Wind aus den Segeln genommen. Als Burgfräulein gewandet, von vier kräftigen Clowns beschützt und wohlfeil reimend übergibt sie der Waldbröler KG und den Karnevalsfreunden aus Schönenbach schließlich den Schlüssel für das Bürgerdorf, „aber nur für die tollen Tage!“

Rathaussturm Waldbröl

Als Burgfräulein gewandet tritt Waldbröls Bürgermeisterin Larissa Weber in Verhandlungen mit den Rathaus-Erstürmern.

Verschanzt haben sich die Rathauskräfte hinter rot-weißen Bauzäunen, die einem Ansturm ohnehin nicht standgehalten hätten, zu groß sind Frau- und Mannschaft beider Stürmergruppen. Mit dreifachem „Waldbröl, pass op!“ und „Schürmich ruck-zuck!“ geht’s endlich hinein in die gute Stube der Marktstadt: Fräulein Webers Angebot wird prompt akzeptiert. (höh)

Bergneustadt: Weiber durchqueren bei einer Rätsel-Rallye die Innenstadt

Eine originelle Schnitzeljagd quer durch die Innenstadt müssen die Bergneustädter Weiber auf ihrer Suche nach dem Rathausschlüssel bewältigen. Allzu leicht will es Bürgermeister und Schlossherr Matthias Thul den Frauen nämlich nicht machen, schon gar nicht bei seinem ersten Rathaussturm im Amt. Gegen ihn formiert sich allerdings ein unschlagbares Trüppchen aus den Rathausmädels um Heike Schulz, den Sparkassen-Frauen im Emoji-Kostüm und den Streifenhörnchen des Kindergartens Marie Schlei.

Eine verkleidete Frau steht auf langen Stelzen und überragt weitere verkleidete Menschen. Ein Mann mit Zylinder hält sie an der Hand.

Langbeinige Schützenhilfe leistete Stelzenläuferin Maria Claudia Heidemann den Frauen am Bergneustädter Rathaus.

Nach Thuls amüsanter Büttenrede hält Schulz den Schlüssel zur Machtzentrale plötzlich fest in den Händen – und dem Bürgermeister bleibt nichts anderes übrig, als den Flachmann für einen großen Schluck aus dem Zylinder zu zaubern und sich bei den Feiernden unterzuhaken. (sfl)

Denklingen: Jecke Weiber schießen mit Styroporbällchen und Konfetti

Nur kurz kann Reichshofs Bürgermeister Rüdiger Gennies, umringt von bunt kostümierten Mitarbeitern des Ordnungsamts und Bauhofs, der geballten Wucht der Wiever von der KG Tolle Elf Wildberg widerstehen, die pünktlich um 11.11 Uhr aus dem Untergeschoss des Rathauses in Denklingen nach oben stürmen. Unter einem Hagel von buntem Konfetti und Styroporbällchen haben sie dem Rathauschef bereits nach wenigen Sekunden den Schlüssel aus der Hand gewunden.

Der Wiehler Rathauschef Rüdiger Gennies ist umzingelt von verkleideten Frauen.

Von wegen Eiszeit: Auch ohne Öl und Gas heizen die jecken Frauen im Denklinger Rathaus Bürgermeister Rüdiger Gennies ein.

Nach der Machtübernahme durch die wilden Frauen präsentieren sich die Tollitäten und Tanzgarden der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Denklingen, der KG Tolle Elf Wildberg und der Karnevals-Party-Gesellschaft (KPG) Eckenhagen im Rathausfoyer mit ihren Sessionsliedern. Der entmachtete Gennies freut sich trotzdem: „Die Eiszeit ist endlich vorbei.“ (kup)

Wiehl: Am Rathaus wird an Karneval nur in der Menge gebaggert

Die Baustelle drumherum sorgt dafür, dass vor dem Rathaus ein Gedränge herrscht wie auf dem Alter Markt. Auf der Bühne scherzt Bürgermeister Ulrich Stücker: „Die Baumaschinen haben jetzt Pause, gebaggert wird nur noch in der Menge.“ Die Rathausmannschaft hat sich als Clowns kostümiert (eine Hommage an den scheidenden Kollegen und karnevalistischen Aktivposten Ernst-Jürgen „Ernsti“ Lang) und ist schon in bester Stimmung, als die Bielsteiner Karnevalisten zu Kasalla-Musik einmarschieren.

Ein als bunter Clown verkleideter Bürgermeister sitzt inmitten Feiernder und ebenfalls verkleideter Frauen.

Etwas geknickt ist nur die Blume auf dem Hut des Wiehler Bürgermeisters. Die Schlüsselübergabe erfolgt in bester Stimmung.

„Stadt met K“? Nee, aus dem Dorf mit B ist der Damenelferrat, der dem Bürgermeister den Schlüssel entreißt. Jungfrau Hermine hat weibliche Unterstützung: Die Marienhagener Kita-Prinzessin Nina lässt hoffen, dass der Wiehler Karneval eine jecke Zukunft hat. (tie)