Mal eben zum Impfen in die Apotheke? Das könnte noch dauern - Apotheker und Ärzte haben noch Klärungsbedarf.
ReformOberbergs Apotheker und Ärzte haben noch Fragen

Die Reform sieht vor, dass auch in Apotheken geimpft werden kann. Dazu sind umfangreiche Anforderungen zu erfüllen.
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Mal eben in die Apotheke zum Impfen? Das eigentlich verschreibungspflichtige Langzeitmedikament schnell vom Apotheker bekommen? Die neue Apothekenreform soll es möglich machen. Bundesrat und Bundestag haben den Weg dafür frei gemacht. Doch was sich auf den ersten Blick so einfach anhört, hat es auf den zweiten Blick in sich.
Die Reform gibt uns Apothekerinnen und Apothekern mehr Leistungsbereiche. Aber die Freude darüber ist bei allen zurückhaltend.
Das bestätigt Martina Dammüller, Inhaberin der Westapotheke in Wipperfürth und Sprecherin der oberbergischen Apotheken. Bei ihr standen bereits Kunden vor der Theke, die ihre Langzeitmedikamente haben wollten, berichtet sie. „Ich musste ihnen sagen: So schnell geht es jetzt doch nicht.“ Da bestehe noch Klärungsbedarf. In einem Rundschreiben des Apothekerverbandes heißt es zum Beispiel zum Punkt „Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente“: „Die neue Regelung (…) ist nicht unmittelbar umsetzbar. Die praktische Ausgestaltung erfolgt durch eine Rechtsverordnung (...). Eine konkrete Frist für den Erlass der Verordnung ist nicht vorgesehen.“ Und ohne die Regelung gibt es kein Medikament.
Mehr als nur ein Piks in den Arm
Auch das Impfen wird nicht von heute auf morgen in der örtlichen Apotheke möglich sein. „Schutzimpfungen setzen unter anderem eine ärztliche Schulung mit einem Abschluss voraus“, sagt Dammüller. Für die Schulung muss aber erst noch ein Mustercurriculum entwickelt werden. Ganz wichtig: In Apotheken darf nur ein Totimpfstoff verimpft werden, wie bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis.
Zur Reform sagt Martina Dammüller: „Sie gibt uns Apothekerinnen und Apothekern mehr Leistungsbereiche. Aber die Freude darüber ist bei allen zurückhaltend.“ Jeder werde schauen und abwägen müssen, was am Ende vor Ort überhaupt möglich sei. Dammüller selbst hat gerade erst eine Schulung absolviert, um künftig die Grippeimpfung anbieten zu können. Sie weiß: Ein solches Angebot ist nicht nur ein kleiner Piks in den Arm: „Da gehören neben der richtigen Impftechnik auch Organisation, Bürokratie und Dokumentationspflichten dazu.“
Unumstritten ist die Apothekenreform von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken nicht. Bundesärztekammer und Kassenärztliche Vereinigung üben massive Kritik. Ralph Krolewski, Vorsitzender der Kreisstelle Oberberg im Hausärzteverband NRW, stellt auf Anfrage klar: Es werde mit der Apothekenreform der Eindruck einer ergänzenden Versorgungsstruktur erweckt. Doch: „Für den Oberbergischen Hausärztinnen- und Hausärzteverband sehen wir darin keine Erleichterung.“
Krolewski, der in Gummersbach seine Praxis hat, weist auf die Pressemitteilung des hausärztlichen Landesverbandes hin. „Was Bundesgesundheitsministerin Warken als Stärkung der Apothekenlandschaft bezeichnet, ist ein Angriff auf den ärztlichen Beruf“, kritisiert darin die Verbandsvorsitzende Elke Cremer. Krolewski greift das Stichwort „Impfen“ auf: „Bei Impfindikationen müssen viele Faktoren geprüft werden und sie bedürfen ärztlicher Aufsicht und Abwägung sowie die Kenntnis zu Kontraindikationen und Risiken.“
Wir arbeiten mit den Apotheken vor Ort bislang gut zusammen und hoffen, dass das nicht durch Geschäftsinteressen unterlaufen wird.
Das sei auch eine Frage der Haftung. Die Ärzte hätten gegen die Pandemie angeimpft und die Versorgung unter Infektionsgefahr gestemmt. „Und wir tragen die Hauptlast aller Verordnungen zu etwa 70 Prozent. Jetzt soll der Apothekerverband Teilhabe am dynamischen Gesundheitsmarkt bekommen? Darüber sind viele Hausärzte zu Recht erbost.“
Auch das GKV-Spargesetz steht dabei nach wie vor im Fokus: Bei der hausärztlichen Versorgung soll bekanntlich gespart werden. Das alles beeinträchtige auch die dringend benötigte Nachwuchsgewinnung in den Praxen, erklärt Krolewski. Er betont allerdings: „Wir arbeiten mit den Apotheken vor Ort bislang gut zusammen und hoffen, dass das nicht durch Geschäftsinteressen unterlaufen wird.“ Mal eben sich eine Impfdosis um die Ecke in der Apotheke abholen? So einfach ist es eben nicht . . .
