Wir haben vier Gastgeberinnen und Gastgeber aus dem Oberbergischen getroffen, die Touristen bei uns in der Region beherbergen.
UrlaubsregionAuf einer Rundtour stellen wir vier Orte in Oberberg vor, an denen man entspannen kann

Familie Geuken hat eines der Schlaf-Fässerauf dem Campingplatz Oberbüschem gemietet.
Copyright: Ralf Joost
Die Sommerferien nutzen viele Familien, um in den Urlaub zu fahren. Doch warum weit reisen, wenn es auch vor der Haustür schön ist? Wir haben eine Rundtour durch das Oberbergische gemacht und geschaut, wo man hier Urlaub machen kann und was unsere Region zu bieten hat. Dazu haben wir vier Gastgeberinnen und Gastgeber getroffen.
1. Stopp: Ferienwohnung bei Elfi in Reichshof-Heidberg
Jupp der Wanderer begrüßt die Gäste am mehr als 120 Jahre alten Fachwerkhaus von Elfriede Nennstiel. Es steht in der Reichshofer Ortschaft Heidberg umgeben von Grün, und Jupp – bestehend aus der Wurzel einer ehemaligen Zierkirsche und einem Strohhut – hat seinen festen Platz auf der Terrasse vor der Ferienwohnung. Vor zwei Tagen sind Gäste aus Neumünster abgereist, für das Wochenende haben sich ein Vater und sein Sohn aus Wuppertal angekündigt, die in Heidberg die „Sommerfrische“ des Bergischen genießen wollen, wie die Gastgeberin es selbst gerne sagt.
Auch Gäste aus Österreich und sogar ein Bischof aus Indien waren schon hier. „Wir sind ein guter Ausgangspunkt für viele Unternehmungen. In Reichshof selbst gibt es zahlreiche Ausflugsziele, dazu kommen die vielen Wanderwege, und auch größere Städte sind schnell erreichbar. Das schätzen viele Gäste. Außerdem ist es im Bergischen touristisch nicht überlaufen“, sagt Elfriede Nennstiel.

Mit ihren Töchtern Leony und Laura freut sich Elfriede Nennstiel über Gäste in ihrer Ferienwohnung.
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Seit Ostern 2023 gibt es ihre Ferienwohnung. Dort, wo ein gemütliches Wohn- und Esszimmer mit voll ausgestatteter Küchenzeile sowie ein separates Schlafzimmer und ein kleines Badezimmer sind, befand sich einst die geräumige Küche der Familie. Diese wurde für die Ferienwohnung zurückgebaut. „Ich hatte schon länger den Wunsch, Gastgeberin zu sein. Vor drei Jahren habe ich dann gesagt: Ich mach’s“, erzählt Nennstiel, die durch ihre Arbeit in der Pharmaindustrie selbst viel verreiste. Die Wohnung in Heidberg ist mit vier Sternen nach den Vorgaben des Deutschen Tourismusverbands klassifiziert und entspricht somit einem gehobenen Komfort. Gäste müssen mindestens zwei Nächte bleiben, damit sich Vorbereitung und Reinigung lohnen.
Wenn man den Berg hier weiter rauf geht, dann kommt ein Maisfeld und ein Plateau. Von dort hat man einen tollen Blick auf die Region.
Unterstützt wird Nennstiel von ihren Töchtern Leona (14) und Laura (16), die es spannend finden, immer wieder neue Menschen kennenzulernen. Viele von ihnen haben liebe Worte in einem Gästebuch hinterlassen. Auch, wenn Elfriede Nennstiel mit ihrer Wohnung auf vielen Buchungsportalen zu finden ist und unter anderem von der Kur- und Touristinfo Reichshof empfohlen wird, buchen die Gäste immer bei ihr selbst.
Zwar habe sie auch schon negative Erfahrungen mit Gästen gemacht, die ihre Wohnung chaotisch zurückließen, dies halte sich glücklicherweise aber im Rahmen. „Jeder Gast wird hier herzlich empfangen“, betont Nennstiel, die mit Leidenschaft Gastgeberin ist. Selbst Urlaub mache sie kaum, „weil es zu Hause einfach schön ist.“ Ihr eigener Lieblingsplatz im Bergischen ist somit auch nur wenige Gehminuten von ihrem Haus entfernt. Nennstiel verrät: „Wenn man den Berg hier weiter rauf geht, dann kommt ein Maisfeld und ein Plateau. Von dort hat man einen tollen Blick auf die Region.“
45 Euro pro Nacht kostet die Ferienwohnung bei Elfi, Im Eueler Garten 1, in Reichshof-Heidberg für bis zu zwei Personen. Dazu kommen 60 Euro für die Endreinigung. Jede weitere Person zahlt 15 Euro. Außerdem wird eine Kaution in Höhe von 150 Euro erhoben.
2. Stopp: Mühlencafé in Reichshof-Nespen
Von Heidberg aus geht es nur wenige Kilometer weiter in die nächste Reichshofer Ortschaft nach Nespen. Luxuriös nächtigen können dort seit einigen Wochen Wanderer, die auf einer der vielen Routen am Mühlencafé vorbeikommen. Unter anderem verläuft dort der Bergische Panoramasteig. Auf der Wiese neben dem Café haben Birgit Jäger und ihr Mann ein großes Zelt aufgebaut, das zum „Glamping“ – also „Glamour Camping“ – einlädt. In dem geräumigen Zelt befinden sich zwei Feldbetten, die mit einer zusätzlichen weichen Auflage ausgestattet sind. Im vorderen Zeltbereich stehen ein kleiner Tisch und zwei Sesselchen. Wer eine Übernachtung bucht, dem stehen die Toiletten am Café zur Verfügung.

Mühlencafé-Inhaberin Birgit Jäger bietet Picknickkörbe an.
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Bei Mühlencafé-Inhaberin Birgit Jäger kann man neuerdings im Glampingzelt schlafen.
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Auf dem Tisch im Zelt hat Birgit Jäger erfrischende Getränke und einen liebevoll befüllten Picknickkorb vorbereitet. Auch dieses Angebot ist ganz neu. Gebucht werden kann ein herzhafter Vesperkorb fürs Abendessen, ein Frühstückskorb sowie weitere Picknickkörbe, die auf Wanderungen mitgenommen werden können. Sie müssen vorher reserviert werden. Je nach Art der Körbe finden sich darin Brezeln, Pfefferbeißer, Gemüse, Obst und Getränke. Auf Wunsch holt Jäger für Übernachtungsgäste morgens frische Brötchen, es gibt frischen Kaffee und ein Ei in gewünschter Variante. Besonders gut kommen die Körbe speziell für Männer und Frauen an. In der „Männerrunde“ befindet sich neben salzigen Snacks kühles Bier. Im „Plauderstündchen“ Piccolo, Orangensaft und Kuchen.
Gastgeberin zu sein, ist für Birgit Jäger eine Herzensangelegenheit. Sie sagt: „Der Umgang mit Menschen ist dabei sehr wichtig und, dass man ortskundig ist, wenn Fragen zur Gegend gestellt werden.“ Gerne empfiehlt sie den Gästen auch eine ihrer eigenen Lieblingsrouten im Oberbergischen. „Auf dem Waldsofa-Wanderweg rund um Wildbergerhütte ist die Wiese an einer Stelle abgesenkt und es bietet sich dort ein wunderschöner Blick ins Tal. Ich habe immer davon geträumt, dort mal ein Haus zu bauen“, verrät Jäger.
Das Mühlencafé, Im Ufer 2, in Reichshof-Nespen hat während der Sommerferien täglich von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Picknickkörbe kosten 12 Euro pro Person. Vorbestellung unter (0 22 97) 13 32 oder per Mail an info@muehlenfreunde-nespen.de. Eine Übernachtung im Glampingzelt kostet 45 pro Person, inklusive Vesper- oder Frühstückskorb.
3. Stopp: Parkhotel in Nümbrecht
Von Nespen aus ist in etwa einer halben Stunde Autofahrt die Gemeinde Nümbrecht erreichbar und somit ein weiterer Kurort im Oberbergischen. Mittelpunkt für viele Gäste ist dort das Parkhotel, das mit vier Sternen einen komfortablen Aufenthalt verspricht. 90 Zimmer und 165 Betten stehen hier zur Verfügung, dazu ein eigenes Schwimmbad, ein großer Fitnessbereich und eine Sauna. Die eigene Gastronomie und die idyllische Außenterrasse sorgen dafür, dass Gäste alles gleich an einem Ort gebündelt vorfinden.
Hoteldirektor Ralf Schurz und Geschäftsführer Manfred Bestgen zeigen sich aktuell zufrieden mit der Belegung. „Die Ferien sind nicht unsere Hauptsaison. Dieses Mal ist die Nachfrage aber höher. Wegen den hohen Spritpreisen wollen viele eher in der Nähe ein paar Tage Urlaub machen“, vermutet Schurz. So erblickt man auf dem großen und kostenfreien Parkplatz vor dem Hotel vor allem Kennzeichen aus der näheren Umgebung. Außerdem sagt Schurz: „Viele buchen mit Blick auf das Wetter heute eher kurzfristig.“

Hoteldirektor Ralf Schurz und Geschäftsführer Manfred Bestgen stehen vor dem Parkhotel in Nümbrecht.
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Den Großteil der Gäste machen Teilnehmer von Tagungen aus, berichten die beiden. Sowohl Schurz als auch Bestgen, der in Nümbrecht aufgewachsen ist, schätzen Nümbrecht sehr. Der grüne Kurpark, ein schön gestalteter Ortskern, Schloss Homburg, die vielen Wanderwege und gute Gastronomie, zählen sie als Vorzüge auf. Das wichtigste für sie selbst im Parkhotel sei „Verlässlichkeit anbieten und die Erwartungen der Gäste erfüllen“, sagt Schurz.
Aktuell wird die Nümbrechter Stube umgebaut. Hier soll ein weiteres gastronomisches Angebot entstehen – in Zusammenarbeit mit regionalen Partnern. Wenn sie selbst längere Zeit in Urlaub fahren, zieht es Schurz und Bestgen übrigens eher selten in Hotels und weg vom Massentourismus, verraten sie.
Das Parkhotel befindet sich in der Weiherstraße 3 in Nümbrecht. Regelmäßig finden dort auch Oldtimertreffen statt. Alle, die bis zum 31. August im Parkhotel zu Gast sind, können die nahe gelegene Minigolfanlage kostenlos nutzen.
4. Stopp: Campingplatz in Lindlar-Oberbüschem
Von Nümbrecht aus geht es weiter nach Lindlar-Oberbüschem. Dass in Oberberg nicht nur Biere oder Brause etwas mit Fässern zu tun haben, sondern diese auch zum Übernachtungsplatz werden können, zeigt sich auf dem Campingplatz von Petra und Frank Baldsiefen. Dieser besteht seit 1968, liegt auf einem Höhenzug mit einmaligem Weitblick auf Wald und Wiesen und bekam zuletzt 2011 eine Neuausrichtung. Die Gäste kommen meist aus den größeren Städten in NRW oder den Niederlanden. Sie schätzen die Naturnähe und Ruhe in Oberbüschem sowie die vielen Wandermöglichkeiten.
Besucher, die weder Zelt noch Wohnmobil besitzen, können ein Tiny-Haus, einen Bauwagen oder besagtes Schlaf-Fass buchen. Drei dieser Fässer wurden vor zehn Jahren angeschafft und bieten komfortable Schlafplätze für bis zu vier Personen. Sie sind mit Heizung und Stromanschluss ausgestattet. Ein Brötchenservice zur Frühstückszeit kann noch dazu gebucht werden. Ein Fass hat sich Familie Geukes aus Borken mit ihren zwei Kindern für zwei Tage gesichert. Sie waren über Instagram auf die außergewöhnliche Location gestoßen und finden diese Art des Wohnens toll.

Familie Geuken hat eines der Schlaf-Fässerauf dem Campingplatz Oberbüschem gemietet.
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Campingplatzmanagerin Hanna Bosbach ist zufrieden mit der Auslastung. Der Platz in Oberbüschem bietet 250 Dauer- und 85 Touristenplätze. Im Tiny-Haus und Bauwagen habe man die komfortabelste Form des Übernachtens. Wer mag, kann sich sogar einen eigenen Bereich mit Badewanne im Sanitärgebäude dazubuchen, erklärt Bosbach. Zum Angebot des Platzes gehören außerdem ein Restaurant und ein Shop im neugestalteten Empfangsbereich.
Der Campingpark im Bergischen Land, Oberbüschem 45, in Lindlar-Oberbüschem bietet zahlreiche verschiedene Services und Übernachtungsmöglichkeiten. Eine Übernachtung in einem der Schlaf-Fässer kostet beispielsweise ab 50 Euro pro Nacht für zwei Personen.
Tourismus in der Region
Allein in Reichshof gibt es 33 Ferienwohnungen, berichtet Laura Pfeifer von der dortigen Kur- und Touristinfo. Das ist zumindest die Anzahl der Ferienwohnungen, die bei der Touristinfo gelistet sind, denn das ist kein Muss, so Pfeifer. Gastgeber können auch komplett privat vermieten. Die Unterkünfte für Gäste in der Gemeinde Reichshof seien – wegen der Kurklinik – im gesamten Jahr gut gefragt. „Begleitpersonen von Rehapatienten suchen im Zeitpunkt des Kuraufenthalts eine Bleibe in der Nähe“, sagt Pfeifer. Im Sommer locken Wanderungen, im Winter mit Hahn und dem Blockhaus zwei Wintersportgebiete ins Oberbergische. „Man merkt seit der Corona-Zeit außerdem eine gestiegene Nachfrage beim Camping“, berichtet Laura Pfeifer weiter.
Dass viele Familien, die in Reichshof und der Umgebung Urlaub machen, aus der Nähe kommen, liege auch an den in allen Bereichen gestiegenen Kosten. Laura Pfeifer weiß: „Für viele Familien mit Kindern ist es heute nicht so leicht, günstig Urlaub zu machen. Viele suchen deshalb gezielt nach kostenfreien Angeboten. Und davon gibt es bei uns einige.“ So locken neben den Wanderungen, Geocaching und Schwimmen an den Talsperren etwa kostenlose Kurkonzerte im Eckenhagener Kurpark im Sommer.