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ScionsTexaner aus Engelskirchen

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Loope – Poster aus der jüngeren Bandgeschichte zieren die Wände des kleinen Probenkellers in Engelskirchen-Loope, in den die fünf Bandmitglieder so gerade mit ihren Instrumenten hineinpassen. Die älteren Plakate befinden sich unter den Eierkartons, die zum Schallschutz an den Wänden angebracht sind, verrät Hugo Stiefelhagen (65): „Die hatten wir an die Wand geklebt, und jetzt sind sie leider hinter den Kartons verschwunden.“

Geschichtsträchtig ist der Probenraum im Keller von Stiefelhagen allemal. Denn immerhin benutzt die 1964 gegründete Band den kleinen Raum für ihre Bandproben schon genau so lange, wie die Scions Musik machen, also seit 50 Jahren. „Hier ist unsere Heimat“, so Sänger Winfried „Jimmy“ Miebach (67).

Die Hobbymusiker wählten damals einen bescheidenen Namen, um sich von großspurigen Bandnamen wie Lords oder Kings abzusetzen. Scions heißt „Sprösslinge“. Damals war im Proberaum noch mehr Platz, weil deutlich weniger Technik vorhanden war.

Ulrich Schmidt (65) erinnert sich, wie er mit Stiefelhagen vor dem Radio saß und die neuesten Hits auf Kassette aufnahm. „Die haben wir dann 50 Mal hin und her gespult und langsam angefangen das nachzuspielen.“ Auch das Nachsingen gestaltete sich schwierig, denn keiner der Bandmitglieder konnte Englisch. Miebach schrieb sich die Texte daher in Lautschrift auf. „Dadurch habe ich natürlich auch die Akzente kopiert. Nach unseren Auftritten wurde ich deshalb gefragt, ob ich aus Texas oder Australien wäre“, erzählt Miebach heute lachend.

Das war zur Hochzeit der Band zwischen 1974 und 1978, als die Scions vor mehr als 1600 Leuten auftraten. Die „Whisky-Bill“-Ära nennen die Engelskirchner Musiker diese Zeit. „Da haben wir schon fast professionell Musik gemacht“, versichert Schmidt. Viermal die Woche im wöchentlichen Wechsel mit anderen Bands rockten die Scions die Bühne in der legendären Disco „Whisky Bill“ in Rösrath-Forsbach. Damals trat die Bands neben Musikern wie Klaus „Major“ Heuser oder Peter Maffay auf. „Das Publikum kam aus ganz Nordrhein-Westfalen“, erinnert sich Gitarrist Robert Longerich (60). Und auch Miebach fände noch einmal einen Auftritt vor so viel Publikum gar nicht schlecht.

Ähnlich in Erinnerung geblieben sind der Band auch die Beatabende im Saal Reckenstein in Engelskirchen. Bis zu 500 Besucher füllten den Saal bis auf den letzten Platz bei Veranstaltungen wie „Beatabend am 2. Weihnachtstag mit den Scions“. An diese Auftritte erinnern sich auch die Fans der Band noch, wie Schlagzeuger Christoph Mönninghoff weiß: „Heute kommen noch die Leute zu unseren Auftritten die uns damals am Reckenstein gehört haben.“ Mönninghoff (55) stieß zwar erst im vergangenen Jahr zu den Scions, hat der Band aber auch vor 40 Jahren schon mal ausgeholfen.

Bis heute ist die Band ihrer musikalischen Ausrichtung übrigens treugeblieben. Sie spielen Rockmusik der 60er und 70er zum Beispiel von den Beatles, den Stones und den Dire Straits. Die „Sprösslinge“ sind ein standfester Baum geworden.

„Nikolaus-Rock“ ist das Motto des Scions-Konzerts am Samstag, 6. Dezember, ab 20 Uhr im Hotel Restaurant Rödder in Loope, Kölner Straße 24. Der Eintritt kostet fünf Euro.