Sperrung der B256Tabuzone seit zehn Jahren
Waldbröl – Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Gab es vom 1. Januar 2000 bis April 2005 noch 16 Unfälle mit zwei Toten, acht Schwer- und sechs Leichtverletzten, so reißt die Serie anschließend ab. „Nur in den Jahren 2008 und 2009 kam es zu weiteren Unfällen“, sagt Polizei-Sprecher Jürgen Dzuballe mit Blick auf die Statistik. Auch jene Unfälle forderten Verletzte. „Aber seitdem die Bundesstraße 256 an Feiertagen und Wochenenden für Motorradfahrer gesperrt ist, sinkt die Zahl der Unfälle auf null.“
Diese Sperrung zwischen den Waldbröler Orten Spurkenbach und Schönenbach besteht am 13. April seit zehn Jahren. Seither müssen Biker die B 256, den sogenannten Schladernring, auf einer Strecke von etwa zwei Kilometern umkurven. Damit erklärte die Verwaltung des Oberbergischen Kreises ein als Pilotprojekt befristetes Fahrverbot von August 2003 zu einem endgültigen. Zählungen hatten ergeben, dass pro Wochenende mehr als 1400 Krafträder dort über den Asphalt sausten. „Damals waren das wirklich dramatische Zustände“, blickt zudem einer zurück, der zu jener Zeit Sprecher der Interessengemeinschaft 256 gewesen ist.
Landesbetrieb Straßen kassierte Warnschilder
Der ehemalige Fahrlehrer Reinhard Grüber (75) und etliche Anwohner dieser gefährlichen Straße – „darunter vor allem Luba Maus, Christel Röhl, Astrid Boddenberg und Jürgen Seinsche“ – haben unermüdlich dafür gekämpft, dass jene Sperrung nicht nur eingerichtet wurde, sondern auch bis heute besteht. Dzuballe ist ebenfalls beteiligt: Der Polizist erlebt die Unfälle als Leiter der Dienststelle Waldbröl.
Zuvor, im August 1999, hatte der Waldbröler Verkehrs- und Verschönerungsverein, deren Vorsitzender Grüber früher war, Schilder aufgestellt, die schnelle Biker vor den spitzen Kurven warnen sollten. „Angeblich waren diese Schilder aber wirkungslos“, erinnert sich Reinhard Grüber an eine Aussage des Landesbetriebs Straßen NRW, der jene Hinweise im Februar 2001 kassierte.
„Doch wurden dort richtige Rennen und Verfolgungsjagden gefahren“, erinnert sich Grüber. „Freunde der Motorradfahrer saßen sogar in den Büschen und Sträuchern, um die rasanten Touren ihrer Kollegen zu fotografieren und zu filmen.“ Ebenso in Erinnerung geblieben ist ihm allerdings auch der schwer verletzte Biker, der eines Morgens im Garten von Anliegerin Luba Maus landete. „Ein schlimmer Anblick“, sagt Grüber. Zu allem Unglück warben damals Magazine und Zeitschriften für die malerische Strecke im Oberbergischen. „Als die Sperrung endgültig wurde, bekamen wir von der Interessengemeinschaft viele böse, ja beleidigende Anrufe von Motorradfahrern aus dem Ruhrgebiet und Städten wie Köln und Bonn.“
Jetzt hofft Reinhard Grüber, dass die zeitweise Sperrung nach der großen Sanierung des Schladernrings weiterhin Bestand hat. „Ansonsten geht es auf dem frischen Asphalt noch schlimmer zu als früher.“ Hartmut Schröder, zuständig für den Straßenbau im Fachbereich Bauen der Stadt Waldbröl, glaubt nicht, dass es dazu kommt: „Die Sperrung hat sich eindeutig bewährt.“ (höh)
