Stolpersteine in NümbrechtGegen das Vergessen

Leo Baer (4.v.l.) im Kreise seiner Lieben mit Marion Reinecke vom Freundeskreis Mateh Yehuda (2.v.l.) und Nümbrechts Bürgermeister Hilko Redenius (3.v.l.).
Copyright: Oehl Lizenz
Nümbrecht – Leo Baer ist unverwüstlich. Weder seine bemerkenswerten 96 Lebensjahre noch die 6000 Kilometer, die zwischen seinem jetzigen Wohnort New York und Nümbrecht, seiner einstigen Heimat, liegen, konnten ihn davon abhalten, noch einmal die Reise ins Oberbergische anzutreten. Leo Baer wollte es sich um keinen Preis nehmen lassen, an der gestrigen Aktion „Stolpersteine“ teilzunehmen. Diese Stolpersteine (siehe Kasten) werden in Deutschland und anderen Ländern verlegt, um der Opfer des Nazi-Terrors zu gedenken.
„Ich bin überrascht und überglücklich, dass hier tatsächlich diese Steine gesetzt worden sind. Ich hätte nie geglaubt, dass die Anregung, die ich bei meinem Besuch hier vor einem Jahr gegeben habe, in die Realität umgesetzt werden würde“, sagte der Mann, der Nümbrecht im Jahre 1935 verlassen hatte, weil er sich den Repressalien, denen die jüdische Bevölkerung damals ausgesetzt war, entziehen wollte.
Vor Jahresfrist hatte Baer angeregt, im Gedenken an seine und vier andere jüdische Familien im Ort die Gedenktafeln des Frechener Künstlers Gunter Demnig zu verlegen. Zahlreiche jüdische Bürger aus dem Rheinland waren im Juli 1942 von den Nazis ins heute weißrussische Minsk/Maly Trostenez deportiert und dort in Waldgebieten am 24. Juli 1942 ermordet worden.
Stolpersteine ist das Projekt des Frecheners Künstlers Gunter Demnig. Mit diesen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Selbstmord getrieben wurden.
Die Stolpersteine sind Betonsteine mit einer Kantenlänge von 9,6 mal 9,6 Zentimetern und einer Höhe von 10 Zentimetern, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet. Sie werden in der Regel vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster des Gehweges eingelassen. Mittlerweile finden sich rund 45000 Steine auch in 17 weiteren europäischen Ländern. (ukl)
„Dies sind Steintafeln gegen das Vergessen. Wenn wir den Personen aus unserer Mitte, die ermordet, deportiert oder vertrieben worden sind auf den Plaketten einen Namen geben, holen wir sie in unseren Kreis zurück“, erklärte Nümbrechts Bürgermeister Hilko Redenius und erntete anhaltenden Applaus der knapp 150 Besucher im Foyer des Rathauses. Superintendent Jürgen Knabe würdigte Baers „große Fähigkeit, hier als Versöhner und nicht von Hass erfüllt aufzutreten“. Leo Baers Liebe zur Heimat geht sogar so weit, dass er eine Schenkung von 25 000 Dollar an die Gemeinde Nümbrecht machte.
Die Summe soll beispielsweise für die Partnerschaft mit Mateh Yehuda in Israel oder für den Heimatverein verwendet werden.
