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Verein der griechische Ärzte in NRW„Jeder hat den Traum zurückzukehren“

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Alexios Theodorou ist Gründungsmitglied und Generalsekretär von „Genesis“, dem Verein der griechischen Ärzte in NRW. Mit Frank Klemmer sprach Theodorou, der am Kreiskrankenhaus Gummersbach arbeitet, über Gründe für Ärzte, nach Deutschland zu kommen, und die Situation in der Heimat.

Herr Theodorou, warum haben Sie und Ihre Kollegen den Verein gegründet? Wofür ist er notwendig?

Es geht uns vor allem um zwei Dinge: die Sorgen unserer jungen Kollegen, die nach Deutschland kommen, und die Situation der Menschen in Griechenland, denen wir helfen wollen.

Was sind das für Sorgen, die Ihre jungen Kollegen haben, wenn sie nach Deutschland kommen?

Sie sind unerfahren und kommen oft ohne Kontakte nach Deutschland. Sie geraten oft an Vermittlungsfirmen, die zwar mit Stellenangeboten locken, aber dabei nicht das Wohl der Ärzte im Sinn haben. Oft wissen unsere Kollegen auch gar nicht, wo sie am besten hingehen. Die Situation ist von Bundesland zu Bundesland, aber manchmal auch von Stadt zu Stadt unterschiedlich. Deutsch lernen müssen sie selbst, aber bei vielen anderen Sachen können wir ihnen helfen.

„Von 1000 Euro brutto kann man einfach nicht leben“

Warum verlassen so viele griechische Ärzte das Land und kommen zum Beispiel nach Deutschland?

Durch die Sparmaßnahmen wurden auch die Gehälter der Mediziner gekürzt. Von 1000 Euro brutto im Monat kann man einfach nicht leben oder sogar einmal eine Familie ernähren. Außerdem war die Arbeitsbelastung erheblich gestiegen und auch die Arbeitsbedingungen wurden immer schlechter.

Warum sind Sie selbst vor Jahren gekommen? Und warum ausgerechnet nach Oberberg?

Bei mir war das eigentlich sogar schon vor Beginn der Krise. Ich war als Student schon einmal hier und hatte deshalb Kontakte zum Klinikum. Außerdem ist die Region wegen der Nähe zu Köln, wo ich lebe, aber vor allem auch zu Düsseldorf, wo es eine besonders große griechische Gemeinde gibt, für uns besonders reizvoll.

Wie will Ihr Verein Ihren Landsleuten helfen?

Zum einen unterstützen wir ein Netzwerk von Ärzten, das in Griechenland auf freiwilliger Basis und kostenlos – finanziert nur durch Spenden – eine Grundversorgung für unversicherte und arme Menschen gewährleistet. Es gibt viele solche Initiativen, wir unterstützen zurzeit zwei davon – eine in Athen und eine in der Nähe der Hauptstadt, in Elliniko. Zudem sind wir offizieller Partner von „Das Lächeln des Kindes“, Griechenlands größter Kinderhilfsorganisation.

Für Rückkehr nach Griechenland müssen Grundbedingungen stimmen

Gibt es auch Kontakt zur griechischen Gemeinde hier?

Ja, wir bieten zum Beispiel in Düsseldorf innerhalb der Gemeinde einmal im Monat kostenlose Seminare zu Themen wie Vorsorge oder Diabetes an.

Und wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrer Heimat? Wollen Sie zurück?

Natürlich, ich glaube, es ist der Traum von jedem, der ausgewandert ist, wieder nach Griechenland zurückzukehren. Doch dafür müssen auch die Grundlagen stimmen – das Gehalt, die Arbeitsbelastung, die Arbeitsbedingungen.

Mal ehrlich, Herr Theodorou: Sehen Sie angesichts der aktuellen Lage in Ihrem Heimatland denn überhaupt die Möglichkeit, dass es kurz- oder mittelfristig wieder dazu kommen könnte?

Als Grieche muss ich an die Chance glauben. Ich hoffe ganz einfach, dass die Menschen, die die Macht haben, auch wissen, wie wichtig ein funktionierendes Gesundheitssystem für unser Land ist.