Thomas Eversberg, Astro-Physiker aus Köln und Mitgründer der Schülersternwarte in Schnörringen, sieht die erste Mond-Umrundung eher kritisch.
Mondmission der „Artemis 2“Die Weltall-Begeisterung ist in Waldbröl nicht angekommen

Die aktuelle Mond- und Weltall-Euphorie kann der Wissenschafter Thomas Eversberg nicht unbedingt teilen. Er ist Mitgründer Schülersternwarte in Waldbröl.
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Die Spannung ist groß: In der Nacht zu Samstag endet die Reise der „Artemis 2“, kurz nach 2 Uhr hiesiger Zeit soll die Kapsel mit einer Astronautin und drei Astronauten an Bord im Pazifik landen. Unterwegs hat das Raumschiff der Nasa den Mond umrundet. Thomas Eversberg ist Initiator und Mitgründer des „Schnörringen Telescope Science Institute“, der Schülersternwarte in der Waldbröler Ortschaft Schnörringen. Jens Höhner sprach mit dem 65 Jahre alten Astro-Physiker aus Köln über diese neue Weltall-Begeisterung.
Herr Eversberg, man sollte meinen, dass auch ein Astronom wie Sie fasziniert ist von der aktuellen Mond-Mission der „Artemis 2“. Bei Ihnen aber scheint das nicht so zu sein.
Thomas Eversberg: Aus meiner Sicht geht es hier eher allein um die Vorbereitung einer neuen, für das Jahr 2028 geplanten Mondlandung als darum, uns neue Erkenntnisse zu liefern. Klar, es gibt tolle Aufnahmen, die uns als spektakulär verkauft werden – und ich sage bewusst „verkauft“. Man darf nicht vergessen: Das aktuelle Mond-Rendezvous hat in einer Entfernung von immer noch 8000 Kilometern stattgefunden. Die robotische Raumfahrt war schon 2009 viel näher dran mit dem Lunar Reconnaissance Orbiter, da waren es nur ein paar Dutzend Kilometer. Es gab Fotos vom Landeplatz der Apollo und sogar von Fußspuren auf dem Mond. Das ist wirklich vor der Haustür.

Der Astro-Physiker Thomas Eversberg aus Köln ist Mitgründer der Schülersternwarte in der Waldbröler Ortschaft Schnörringen. Diese ist im Spätsommer 2021 in den Betrieb gegangen.
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Würde es Sie freuen, wenn es 2028 dann neue Fußspuren auf dem Mond gäbe und Menschen dort spazierengingen?
Da wäre ich traurig. Denn so was wird endlos teuer – vor allem, wenn es danach regelmäßig rauf und vor allem wieder runter gehen soll. Je nach Stand des Mondes sprechen wir über Entfernungen zwischen 350.000 und 400.000 Kilometern. Nach heutiger Kaufkraft hat die erste Mondlandung 1969 etwa 120 Milliarden US-Dollar gekostet. Wie soll man der Gesellschaft erklären, dass man so viel Geld für Weltraum-Missionen ausgibt, aber keine Kindertagesstätten und Schulen baut?
Nach einer guten Investition klingt das tatsächlich nicht ...
Man sollte immer fragen, was solche Expeditionen kosten, und überlegen, ob das Geld nicht viel sinnvoller in der Wissenschaft investiert wäre. Ein Beispiel: Es kostet zwischen 30.000 und 50.000 Dollar, um ein einziges Kilogramm an Material nur hinauf in die Erdumlaufbahn zu bekommen. Eine Forschung ohne Mensch und Mond wäre sicherlich sinnvoller und effektiver, zumal man viele Dinge aus der Erdumlaufbahn viel besser erledigen kann als vom Mond aus. Was sollen wir also da oben? Die uralte Idee, auf dem Mond Teleskope aufzustellen, ist ja auch nie umgesetzt worden.
Sie stehen also mehr auf der technischen Seite?
Ja, auf der Ingenieur-Seite. Die robotische Raumfahrt ist hochwichtig, zum Beispiel für das Navigationssystem im Auto, für die Telekommunikation ... Die robotische Raumfahrt hilft, unsere komplexe Gesellschaft zu steuern. Das was gerade stattfindet, ist eher „Hurra-Wissenschaft“. Denn auch wenn die Raumfahrt bemannt ist: Viel zu tun haben die Astronauten unterwegs nicht, weil auch bei ihnen eigentlich alles automatisiert abläuft. Bei der ersten Apollo-Mission wurden Standorte tatsächlich noch mit dem Sextanten berechnet, das ist wirklich beeindruckend.
Hat Sie an der aktuellen Nasa-Mission denn überhaupt nichts beeindruckt?
Doch – die Technik. Man hat tatsächlich alle technologischen Möglichkeiten eingesetzt und ausgeschöpft, zum Beispiel bei der SLS-Schwerlastrakete der „Artemis“. Geräte, die früher so groß wie ein Kühlschrank waren, die passen heute ins Smartphone. Sextanten braucht man nicht mehr. So etwas ist ein Wunder für mich – wie übrigens auch mein Smartphone. Das zeigt, zu was der Mensch im Stande ist.
