Häusliche GewaltFrau spricht von Martyrium – Prozess in Waldbröl

Prozessauftakt in Bonn. (Symbolbild).
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Waldbröl – Von Tritten und Schlägen, von Folter und schließlich von dem Versuch, ihr mit der Hand den Atem zu nehmen, berichtete am Donnerstag eine heute 27-Jährige aus Gummersbach unter Tränen dem Waldbröler Amtsgericht. Dort musste sich ihr Noch-Ehemann, ein inzwischen 30-Jähriger, wegen häuslicher Gewalt und Körperverletzung in fünf Fällen zwischen März und September 2018 verantworten. Geschehen ist dies laut Anklageschrift, als das Paar noch in Waldbröl zusammenlebte.
Arrangierte Hochzeit
Liebe war allerdings nicht im Spiel: Beide gaben an, dass die Hochzeit von ihren Familien in Pakistan arrangiert worden sei und dass sie sich bis zur Trauung im März 2015 nicht mal kannten. Erst wenige Tage zuvor hätten sie per Handy ein paar Nachrichten ausgetauscht. Danach aber wichen die Schilderungen über das mutmaßliche Geschehen stark voneinander ab.
So berichtete der nun Angeklagte, er sei von der Familie seiner Braut massiv unter Druck gesetzt und sogar krankenhausreif geschlagen worden, damit er sich an ihre Regeln halte. Schließlich habe er „allein der Familie die Ehre zu verdanken“, dass er heute in Deutschland lebe, schilderte er.
Aus Angst geschwiegen
Seine Frau beschrieb dagegen ein nahezu tägliches Martyrium, da ihr Mann immer wieder die Kontrolle verloren, Sachen zerstört, sie geschlagen und getreten habe. „Dreimal am Tag hat er Wrestling im Fernsehen geschaut und danach an mir ausprobiert, was er gesehen hatte.“ Dabei habe er ihr zuletzt den linken Ringfinger gebrochen. Dem Arzt, der den Bruch richtete, habe sie aber gesagt, sie sei im Badezimmer ausgerutscht. „Meine Angst vor meinem Mann war so groß, dass ich geschwiegen, gelogen und auch nicht die Polizei gerufen habe“, erklärte sie dem Richter Thomas Schindler.
Ihr Noch-Ehemann bestritt zwei der fünf angeklagten Taten, räumte aber ein, dass er seine Frau geschubst und vielleicht auch geschlagen habe – um sich zu verteidigen: Oft habe sie ihn provoziert, habe ihn ebenso geschlagen oder mit den Fingernägeln gekratzt. Eine Urdu-Dolmetscherin übersetzte seine Aussagen. In der kommenden Woche geht der Prozess weiter.
