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Investor List aus dem RennenBei der Merkur-Brache steht wieder alles auf Anfang

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Waldbröl – Alles auf Anfang: Weil dem bisherigen Investor, der Unternehmensgruppe List, der Kaufpreis für die Merkur-Brache offenbar zu hoch ist angesichts der anschließend anstehenden Investitionen auf dem rund 12.000 Quadratmeter großen Gelände mitten im Zentrum Waldbröls, zieht sich die in Oldenburg ansässige Gruppe aus dem Geschäft zurück.

„Aus den aktuellen Vorgaben und den sich immer wieder verändernden Eckdaten hat sich am Ende ein Korsett ergeben, dessen Umsetzung wirtschaftlich nicht tragbar gewesen wäre“, erklärt Michael Garstka Geschäftsführer von List Retail Development auf Anfrage dieser Zeitung und betont, dass sein Unternehmen aber weiterhin ein starkes Interesse am Standort Waldbröl habe und am Konzept feilen werde. Schließlich sei dieses besser als jemals zu zuvor.

Wie viel die Stadt, die das Areal im Mai 2014 für 1,1 Millionen Euro erworben hat, heute dafür haben möchte, ist geheim. Im Januar 2015, zu Beginn der Ausschreibung und des Verfahrens zur Auswahl eines Investors, waren mehr als 2,5 Millionen Euro angepeilt. Ob dieser Preis noch gilt, möchte Bürgermeister Peter Koester nicht sagen. Hintergrund ist offenbar auch, dass der List-Gruppe die Kluft zwischen Kaufpreis, Abbruchkosten auf der einen und Neubau, dessen Vermarktung und Mieteranwerbung auf der anderen Seite zu groß ist.

Hinzu kommt nach Angaben von Koester, dass sich die Voraussetzungen für einen solchen Handelsplatz, etwa durch den Aufschwung des Onlinehandels, massiv verändert hätten. So hatte List etwa die Verkaufsfläche immer wieder reduziert, zuletzt von 6500 auf 5600 Quadratmeter. Und mit „Kaufland“ sprang einer der Wunschmieter für eines der größten Ladenlokale ab. Dennoch betonte List immer wieder, dass in diesem Frühjahr alle Mieterverträge unter Dach und Fach sein würden.

Notwendig für die Aufhebung des Verfahrens war ein Entscheid des Stadtrats: Im nicht-öffentlichen Teil ihrer Sitzung am Mittwoch stimmten die Mandatsträger für den Stopp, „da kein wirtschaftliches Ergebnis erzielt werden konnte, das den Ausschreibungsbedingungen entspricht“. So steht es in einer Erklärung der Stadt von gestern. Gerüchte, dass das Prestigeprojekt auf der Kippe steht, hatte es schon vorher gegeben. „Wir haben dazugelernt und sind jetzt klüger“, erklärt Koester, der die ungeliebte Riesenimmobilie aus den 1970er Jahren nun in einem offenen Verfahren veräußern will – möglicherweise zu einem anderen Preis. „List hat ein kluges Konzept vorgelegt“, lobt Koester, der die Oldenburger weiter im Rennen sieht. Ein solches Konzept erhoffe er sich auch von anderen Interessenten. „Es gab schon Anrufe.“

Dass die Hanseatische Betreuungsgesellschaft (HBB) erneut dabei ist, hofft Bernd Kronenberg, Fraktionschef der SPD. 2014 war HBB schon einmal kurzzeitig Miteigentümer. „Mit dem Forum in Gummersbach hat HBB einen festen Bezug zu Oberberg“, findet Kronenberg, der die Aufhebung des Verfahrens ebenso als Chance sieht wie die Fraktion der Grünen: „Uns ist wichtig, dass die Qualität des Projekts erhalten bleibt“, betont die Vorsitzende Claudia Hein. Auch solle, wie geplant, ein Vollsortimenter dort einziehen. „Voll und ganz“ hinter dem Ratsvotum steht die CDU-Fraktion um Andre Steiniger: „Es gab keine andere Möglichkeit.“ Zudem sprechen sich die Christdemokraten für ein Einkaufszentrum aus: „Eine Grünfläche wird es mit uns nicht geben.“

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