Abo

Lernset mit KIMit Huhn Flöckchen büffelt Reinhold Vogt aus Waldbröl am allerliebsten

4 min
Wie hört sich der Text auf Englisch an, den Reinhold Vogt aus Waldbröl gerade über sein Huhn Flöckchen geschrieben hat? Die Hörbeispiele lassen sich jederzeit auch auf dem Smartphone abspielen. Vogt hat ein Lernset für Sprachen entwickelt.

Wie hört sich der Text auf Englisch an, den Reinhold Vogt aus Waldbröl gerade über sein Huhn Flöckchen geschrieben hat? Die Hörbeispiele lassen sich jederzeit auch auf dem Smartphone abspielen. Vogt hat ein Lernset für Sprachen entwickelt.

Der 79-Jährige aus der Ortschaft Diezenkausen hat eine Strategie zum Auffrischen erlernter Sprachen entwickelt. Langeweile soll nicht aufkommen.

Huhn Flöckchen ist immer dabei, wenn sich Reinhold Vogt die Englisch-Lektionen auf den Bildschirm holt und zu büffeln beginnt. Denn es lernt sich nun mal leichter, hat man dabei etwas vor Augen, das einem wichtig ist. Hühner sind Vogt wichtig, im Garten gackern und scharren etliche. Und Flöckchen war neulich noch das Sorgenhuhn, musste es sich doch einer Operation am Bein unterziehen.

„Alles gut gegangen“, blickt der 79-jährige Vogt zurück. Die englischsprachigen Texte, die er für seine Einheiten geschrieben hat, drehen sich also ums Federvieh. Seit 1992 ist der gebürtige Berliner in der Waldbröler Ortschaft Diezenkausen zu Hause.

Die Geschichte seines Arbeitslebens ist zunächst eine Geschichte voll mit Momenten des Scheiterns, des Aufgebens, des Innehaltens und des Wiederaufstehens. Und vieler Neubeginne. Gearbeitet hat Reinhold Vogt nach seiner Ausbildung als Versicherungskaufmann nicht nur in dieser Branche, sondern auch im Bankenwesen, bei Chemie- und Automobilkonzernen und bei Finanzdienstlern, oft auf höchster Ebene, wie er sagt.

Er verantwortet ganze Abteilungen, gibt Seminare, hält Vorträge. „Und immer wieder war ich überfordert“, erinnert sich Vogt. „Dann habe ich die Reißleine gezogen. Ich rannte durch die eine Tür – und prompt ging die nächste auf.“

Die Künstliche Intelligenz fasziniert den heute 79-jährigen Vogt schon seit langer Zeit

Eines aber ist bei den vielen Jobs rund um Köln und Aachen sowie im weiteren Rheinland immer ähnlich: Darf Vogt andere unterrichten und ausbilden, darf er sogar Ausbilder trainieren, dann läuft es richtig gut im Beruf. Er entwickelt eigene Methoden und entwirft Programme – und das immer auch mit dem Ziel, die eigene, die angeborene Gedächtnisschwäche auszutricksen. Und damit wagt Vogt sich irgendwann in die Selbstständigkeit. Heute hilft ihm die Künstliche Intelligenz (KI), „die fasziniert mich seit Jahren“.

Gerade hat Reinhold Vogt ein Online-Lernset auf den Markt gebracht, das KI-Werkzeuge nutzt und bündelt. Dieses soll Erwachsenen helfen, Kenntnisse von Fremdsprachen aus der Schule oder der Volkshochschule aufzufrischen und wieder zu aktivieren.

„Das Set funktioniert mit allen Sprachen Europas“, versichert der Diplom-Betriebswirt, der damit nicht nur sein Englisch, sondern auch jenes Italienisch vertieft, das er vor 40 Jahren mal gelernt hat. An seine Kindheit und die Jugendzeit denkt er nicht gern zurück, zumindest nicht, wenn es um die Schule geht: „Ich war kein guter Schüler, ich war richtig kacke“, bekennt der heutige Waldbröler, der nie eine pädagogische Ausbildung durchlaufen hat.

Das Lernmodell des Waldbrölers Reinhold Vogt fußt auf drei Säulen

Sein Lernmodell fußt daher auf drei Säulen, die mit klassischem Schulunterricht wenig zu tun haben: Zunächst geht es um den eigenen Erfahrungsschatz, eigene Interessen oder Hobbys, bei Vogt eben die Hühnerhaltung. „Wenn ich mich für etwas interessiere, wenn ich etwas mag, dann langweilt es mich nicht“, erklärt der Diezenkausener. „Ich kann mir dann auch fremdsprachige Begriffe besser einprägen – das reaktiviert den Wortschatz und erweitert ihn zudem.“ Nicht zuletzt sei da die Emotion: „Sie hilft, etwas im Gedächtnis zu verankern.“

Ist das Thema gefunden, schreibt man auf Deutsch einen Mustertext über das, was einen beschäftigt, und lässt diesen von der KI in die Wunschsprache übersetzen. Auf dem geteilten Bildschirm zu lesen ist dann links das selbst Verfasste, rechts wächst die Übersetzung, inklusive grammatikalischer Finessen. „Auf diese Weise entwickelt man sein eigenes, ein individuelles Lernmaterial.“ Und zuletzt liest die KI diesen Tex vor, damit der Lernende sich alles einprägen und nachsprechen kann. Das Lernset ist übersichtlich aufgebaut, in leichter Sprache geschrieben, Vogts Anleitungen sind knapp gehalten.

„Viele Lernprogramme setzen auf das plumpe Wiederholen von Wörtern, Sätzen, Floskeln und Grammatikregeln – darüber stumpft man irgendwann ab und kapiert die Feinheiten nicht mehr“, weiß der Entwickler aus eigener Erfahrung. Und: Hinter vielen Online-Schulungen verberge sich ein Abo-Modell. Immer wieder wird die Nutzerschaft aufgefordert, zum Beispiel Punkte und Pokale einzuheimsen, um das nächste Level zu erreichen.

Nicht so bei Reinhold Vogts System. „Mir geht es nicht um Leistungen und Belohnungen, sondern um die Freude am Lernen im eigenen Tempo und ohne Druck – und um die Freude an den Fortschritten.“ Das Set kostet in Vogts Internetshop 98 Euro.

www.memopower.de