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E-MobilitätWenn der Akku nicht mehr will, landet das Auto in Waldbröl und wird zerlegt

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René Fauré, Mitarbeiter der Autoverwertung und des Schrotthandels Noiron von Michael Kappenstein, entlädt die Batterie des Citroën Méhari, der in Waldbröl zerlegt wird. Die Teile werden dann verkauft

René Fauré, Mitarbeiter der Autoverwertung und des Schrotthandels Noiron von Michael Kappenstein, entlädt die Batterie des Citroën Méhari, der in Waldbröl zerlegt wird. Die Teile werden dann verkauft

Michael Kappenstein hat mit dem Abwracken von elektrisch angetriebenen Autos begonnen. Doch der Weg dorthin war schwierig und kostspielig.

Endstation Abwrackhalle: Der graue Citroën Méhari ist aufgebockt, auf dem Spezialtisch neben der Hebebühne liegt die Antriebsbatterie aus dem knubbeligen Freizeitauto, die zwölf Zellen hängen an einem Überbrücker und werden gerade entladen: „Das ist notwendig, weil sie sich sonst selbstständig wieder aufladen könnten und damit zu einer Gefahr geraten könnten“, erklärt Michael Kappenstein.

Der 47-Jährige führt im Waldbröler Gewerbegebiet Boxberg II die Autoverwertung und den Schrotthandel Noiron. Dort werden nun auch E-Autos zerlegt. Ihre Antriebe sollen, sofern möglich, alsbald für eine neue Verwendung auf Vordermann gebracht und dann verkauft werden.

Der Citroën Méhari mit einer Erstzulassung von 2016 und wirtschaftlichem Totalschaden ist ebenfalls auf dem Gelände an der Karl-Benz-Straße gelandet, nur wenige hundert Exemplare hat der französische Automobilbauer verkauft. Und auch dem jüngsten Besitzer hat der Wagen wenig Freude gemacht – immer wieder geht der Akku kaputt. „Zwei Batterien hat Citroën auf Kulanzbasis bezahlt, die dritte der Besitzer – und für die benötigte vierte wollte er schlichtweg kein Geld mehr ausgeben“, berichtet Kappenstein.

Geschäftsführer Michael Kappenstein an einem Lagercontainer für Antriebsbatterien auf seinem Betriebsgelände in Waldbröl.

Geschäftsführer Michael Kappenstein an einem Lagercontainer für Antriebsbatterien auf seinem Betriebsgelände in Waldbröl.

Ist der Antrieb endgültig entladen, kommt er zur weiteren Lagerung in einen Spezialcontainer. Der Job am Méhari ist ein gemütlicher, er kann ohne Zeitdruck erledigt werden. Das Auto ist ansonsten nämlich in einem Topzustand. Kommt aber ein Unfallauto mit E-Motor auf den Hof, ist Eile geboten.

„Die Batterie muss sofort raus, weil sie bei dem Unfall beschädigt worden sein könnte“, erklärt Kappenstein. „Dann könnte sie hier bei uns in Flammen aufgehen.“ Also wird der Antrieb in einen Quarantäne-Container gepackt. Dieser kann mit Wasser geflutet werden, entflammt die Batterie darin. „E-Autos mit Unfallschäden kommen inzwischen jede Woche rein.“

Noiron ist nach Angaben des Geschäftsführers das einzige Unternehmen im Oberbergischen und auch in der näheren Region, das solche Arbeiten überhaupt und dann in großem Umfang ausführen kann. „Wir sind heute unter den 30 größten Betrieben bundesweit“, betont Michael Kappenstein. „Etwa 900 solcher Betriebe gibt es insgesamt.“ 2012 hat er die ersten Anträge an den Oberbergischen Kreis gerichtet mit dem Ziel, auch E-Autos abwracken zu dürfen.

Allein der erste Antrag hat den Waldbröler Unternehmer schon 16.000 Euro gekostet

Erst vor kurzem konnte er damit loslegen – „weil das Genehmigungsverfahren hier im Kreis so unglaublich aufwendig ist“, bedauert Kappenstein. Allein dieser erste Antrag habe 16.000 Euro gekostet. „Da war noch kein Architekt an Bord und da war noch kein Brandschutzkonzept in Sicht“, blickt der Waldbröler zurück. Gute 250.000 Euro habe ihn das Verfahren am Ende gekostet.

„Kleine Unternehmen können weder diesen Aufwand stemmen noch die Kosten aufbringen“, schildert Michael Kappenstein. „Ich musste den bestehenden Betrieb sozusagen von Grund auf neu bei den Behörden genehmigen lassen, um Plätze für E-Autos einrichten zu dürfen.“ 800 bis 1000 Fahrzeuge pro Jahr werden in der Marktstadt auseinandergenommen, und das auf einer Betriebsfläche von nur rund 6000 Quadratmetern.

In der Waldbröler Werkstatt von Michael Kappenstein liegt das Spezialwerkzeug für den Ausbau der Antriebsbatterie bereit.

In der Waldbröler Werkstatt von Michael Kappenstein liegt das Spezialwerkzeug für den Ausbau der Antriebsbatterie bereit.

Im Januar vergangenen Jahres hat Kappenstein die Autoverwertung Kerstingjohänner in Schloß Holte-Stukenbrock (bei Bielefeld) übernommen. „Damit kommen wir auf 3500 bis 4000 Autos jährlich.“ Zum Vergleich: Kleinere Unternehmen schafften rund 200 Fahrzeuge.

Noch immer kann in Waldbröl nicht in vollem Umfang gearbeitet werden

Noch aber können Kappensteins speziell geschulte Mitarbeitenden am Stammsitz in Waldbröl nicht in vollem Umfang arbeiten: Es fehlt ein Spezialcontainer, in dem ausgebaute und aufgearbeitete Batterien zunächst gelagert und dann sicher zu Käufern transportiert werden können. Der Chef erwartet die Ankunft täglich. „Zugesagt war die Lieferung vor fast acht Wochen.“

So kann sich sein Betrieb vorerst nur auf die Lagerung und die Entsorgung solcher Antriebe konzentrieren. Über die Kosten dafür entscheidet übrigens immer die Zellchemie einer Batterie, ebenso steigen und fallen mit der chemischen Zusammensetzung auch die Gebühren für den Transport unter Auflagen.

Berechnet werden jegliche Kosten nach dem Gewicht einer Batterie, also mit drei bis vier pro Kilogramm: Die Entsorgung des fast 350 Kilogramm schweren Antriebs aus dem Citroën Méhari wäre den Besitzer teuer zu stehen gekommen, ließe sich das Auto nicht verwerten. Doch kann ihm Michael Kappenstein die Teile daraus abkaufen.


Entsorgung oder Wiederverwertung?

Wer sich von einem Fahrzeug mit Hoch-Volt-Batterie trennen will, dem entstehen bei der Abgabe des Autos auf dem Gelände an der Karl-Benz-Straße 10 keine Kosten. Das Unternehmen Noiron ist nach Angaben von Geschäftsführer Michael Kappenstein Vertragspartner jeglicher Automobilbauer. „Und die kommen für die Entsorgung auf.“ Voraussetzung sei, dass das Fahrzeug komplett und unbeschädigt ist. In der Regel gibt es sogar Geld obendrauf: „Immer dann, wenn wir die Teile aus dem Auto verkaufen können.“

Bei Unfallautos sieht das anders aus, da entscheiden die Art des Schadens und dessen Ausmaß darüber, ob Kosten anfallen. Kappenstein: „Das gilt insbesondere für die Batterie, die ein Risiko ist.“ Ist sie zu stark für eine Aufarbeitung beschädigt und kann der Wert der verwendbaren Teile die Entsorgung des Abtriebs nicht ausgleichen, muss die Differenz bezahlt werden.

Der Besitzer des Citroën Méhari hat Glück: Auch ihm kann Michael Kappenstein Geld geben, da sich viele Teile des Fahrzeugs verwerten lassen. „In diesem Fall ist die Vergütung höher als die Kosten für die Entsorgung der Batterie“, schildert der Geschäftsführer. Fast 350 Kilogramm wiegt die Batterie, deren Entsorgung pro Kilo berechnet wird. In diesem Fall wären es netto etwa 1500 Euro. „Ist ein solcher Antrieb bei einem Unfall beschädigt worden, steigen die Ausgaben aufs Doppelte, schon allein die Frachtgebühren liegen wesentlich höher.“