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Himmel über OberbergFrank Bohlscheid gibt einen Einblick in die Unendlichkeit des Weltalls

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Der Himmel über Oberberg: Der Pferdekopfnebel im Sternbild Orion, ein auch astronomischen Laien oft bekanntes, da eindrucksvolles Motiv, aus unserer Milchstraße in etwa 1500 Lichtjahren Entfernung.

Der Pferdekopfnebel im Sternbild Orion ist ein eindrucksvolles Motiv aus unserer Milchstraße in etwa 1500 Lichtjahren Entfernung.

Der Schulleiter des Waldbröler Hollenberg-Gymnasiums ist begeisterter Hobbyastronom. In der Culturkirche Oberberg hält er bald einen Vortrag.

Frank Bohlscheid findet: „Über den Tellerrand zu schauen, ist immer spannend.“ Sein Tellerrand ist ohnehin weit. Der Eitorfer (54) ist Lehrer für Deutsch und Latein, leitet das Waldbröler Hollenberg-Gymnasiums und amtiert als Vorsitzender der Oberbergischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Seinen Blick richtet er aber auch gern in unendliche Weiten.

Seit Kindheitstagen ist Bohlscheid ein begeisterter Hobbyastronom. An seiner Schule hat er die Sternenwissenschaft zunächst als Arbeitsgemeinschaft und seit sechs Jahren sogar als Wahlpflichtfach für die neunte und zehnte Jahrgangsstufe etabliert. Die nahe Sternwarte in Schnörringen ist ein außerschulischer Lernort.

In der Culturkirche in Engelskirchen-Osberghausen zu Gast

Am kommenden Freitag erklärt Bohlscheid in der Engelskirchener Culturkirche den „Himmel über Oberberg“. Gastgeber Patrick Oetterer ist Beisitzer in Bohlscheids christlich-jüdischer Gesellschaft und lud ihn ein, unter diesem Titel von seinem Hobby zu berichten. „Im Schöpfungsbericht“, schreibt Diakon Oetterer in der Vortragsankündigung, „heißt es nach Genesis 1,16: ,Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch Sterne.' Um diese Thematik dreht sich der Vortrag, um zur Erkenntnis zu gelangen, dass alles um uns herum ,Sternenstaub' ist – auch wir Menschen.“

Frank Bohlscheid ist gläubiger Katholik und engagierte sich sogar in seiner Kirchengemeinde, bis ihn der Missbrauchsskandal Abstand nehmen ließ. Das Transzendente ist ihm also nicht fremd, dennoch wird er in der Culturkirche vor allem über die technische Seite der Sternenbeobachtung sprechen. Er will zeigen, wie das Teleskop einen Blick in Unvorstellbares eröffnet, und dass man diesen Kosmos sogar fotografieren kann. Die Digitalfotografie hat ganz neue Möglichkeiten geschaffen. „Die Leute sollen erkennen: Wahnsinn, was es alles um uns herum gibt.“

Frank Bohlscheid: „Wow-Effekt“ beim ersten Blick durch das Teleskop

Frank Bohlscheid möchte, dass seine Zuhörer eine Ahnung von dem „Wow-Effekt“ bekommen, den er selbst wie so viele angehende Astronomen einst erlebte, als er zum ersten Mal durch das Teleskop mit eigenen Augen den Saturn mit seinen charakteristischen Ringen erblickte. Einige seiner Fotografien greifen noch viel weiter aus ins Weltall und zeigen tatsächlich spektakuläre Stern-Bilder. Die Aufnahmen sind   immer Ergebnis eines technischen Prozesses, der die mangelnde Licht- und Farbempfindlichkeit des menschlichen Auges mit Filtern und Dopplungen kompensiert.

Wie das Weltall aussieht, ist auch ein bisschen Geschmackssache, erläutert Bohlscheid: „Aufnahmen aus den USA finde ich oft zu farbig.“ Man dürfe nicht vergessen, dass es sich ohnehin nicht um eine unmittelbare Realität handelt, was man sieht. Das Bild eines 13 Millionen Lichtjahr entfernten Stern erreiche uns mit so großer Verzögerung, dass man nicht wissen könne, ob die Galaxie überhaupt noch existiert, gibt der Astronom zu bedenken. „Wir würden es auch erst nach acht Minuten sehen, wenn jemand die Sonne ausgeschaltet hat.“ Solche Überlegungen seien ein bisschen unheimlich und lösten Schwindel aus, gibt Bohlscheid zu und lächelt. „Meine Frau sagt dann auch schon mal: Lass mich damit in Ruhe.“

Vortrag in der Culturkirche: Wie sieht der Himmel über Oberberg aus?

Wie ist er denn so, der „Himmel über Oberberg“? Nicht so klar wie über der namibischen Wüste, aber doch besser zu beobachten als in den Ballungszentren, weil es hier nicht so eine störende Lichtverschmutzung gibt. Frank Bohlscheid macht sich mit seiner Ausrüstung gern zur ehemaligen Raketenbasis im Nutscheid auf, wo es schön dunkel ist, wenn unten im Siegtal die Straßenbeleuchtung erlischt.

Danach dauere es noch eine gute halbe Stunde, bis seine Augen die volle Lichtsammelfähigkeit erreicht hätten. Den scharfen Blick könne und müsse man trainieren, sagt Bohlscheid. „Das merke ich, wenn ich lange nicht draußen war. Ohnehin lernt man erst über die Jahre, in einem weißen Fleck eine Spiralstruktur zu erkennen.“

Der Lehrer meint dennoch, dass der Zugang zur Astronomie eigentlich ganz einfach ist. „Sie ist überall.“ Über den Tagesablauf und die Schwerkraft sei der Einfluss der Gestirne immer spürbar. „Wir sind alle Sternenstaub.“ Bohlscheid zeigt auf seinen Ehering. „Alles Gold ist aus einer Sternenexplosion entstanden.“ Und außerdem biete das himmlische Spektakel eine gute Show. „Jemand hat die Astronomie einmal als ,Oper der Naturwissenschaft' bezeichnet, das finde ich sehr zutreffend.“

Und sieht sich der Christ am Teleskop in seinem Glauben bestätigt? Oder doch eher verunsichert? Taugen Urknall und Unendlichkeit des Weltalls zum Gottesbeweis? „Um diese Frage würde ich mich gern herummogeln“, sagt Frank Bohlscheid. Seine Erfahrung ist eine andere. „Der Blick in die Sterne stellt die Gewissheit in Frage , dass sich alles um die Erde und den Menschen dreht. Man erkennt die Zerbrechlichkeit des Ganzen, etwa wenn man an den Klimawandel denkt.“ Frank Bohlscheid ist gewiss: „Die Erde wird noch lange weiterexisitieren, die Frage ist nur, ob mit oder ohne Mensch.“

„Der Himmel über Oberberg“ ist Titel des Vortrags von Frank Bohlscheid am Freitag, 9. Februar, 19 Uhr. In der Culturkirche Oberberg in Engelskirchen-Osberghausen, Em Depensiefen 4, zeigt der Astronom spektakuläre Aufnahmen und erklärt, wie sie entstanden sind. Der Eintritt ist frei.

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