Die Trägergenossenschaft des drei Jahre alten Gastro-Betriebs nennt Altlasten aus den Anfangstagen als größten Grund für die Zahlungsunfähigkeit.
In SchieflageWaldbröler Café und Bistro Hauderei stellt Antrag auf Insolvenzverfahren

Die Trägergenossenschaft des Cafés und Bistros Hauderei in Waldbröl hat Insolvenz angemeldet. Der Betrieb soll dort aber weiterlaufen wie gewohnt.
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Der Betrieb soll zunächst wie gewohnt weitergehen, der Rettungsanker ist bereits geworfen: Die Trägergenossenschaft des Waldbröler Cafés und Bistros Hauderei hat am vergangenen Freitag beim Amtsgericht in Bonn einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens eingereicht.
„Das ursprüngliche Modell eines rein ehrenamtlichen Betriebs ist leider schnell an die Grenzen gestoßen“, bedauert Anne Pampus, die Vorsitzende des Aufsichtsrates. Zurzeit könne die Hauderei nicht mehr ihren Verbindlichkeiten nachkommen und Kredite aus der Anfangszeit der Gaststätte bedienen. „Dabei läuft der Betrieb heute kostendeckend und könnte das Geschäft tragen – wären da eben nicht die Fehlkalkulationen von damals, die zu einer inzwischen riesigen Schuldenlast geführt haben.“
Genossenschaft soll zu Beginn (zu) viel Geld in die Waldbröler Immobilie investiert haben
Zu den Ausgaben in jener Zeit zählt Pampus etwa den Umbau und die Sanierung des früheren Cafés von Elke und Gerd Kremer an der Hochstraße. „Da wurde einfach zu viel Geld ausgegeben – wir hätten einfach die Türen öffnen und weitermachen sollen nach dem Ausstieg der beiden“, urteilt Pampus heute.
Von einem Scheitern dieses Genossenschaftsprojektes in der Mitte der Marktstadt will die Aufsichtsratsvorsitzende ebenso wenig sprechen wie Wolfgang Joost. Er gehört zum noch zweiköpfigen, kommissarisch berufenen Vorstand – vormals hatte dieser sieben Mitglieder. „Ganz im Gegenteil – die Hauderei ist höchstbeliebt, der Gastro-Betrieb läuft super, die Zahl der Stammgäste ist groß und unsere Veranstaltungen machen die Hütte voll“, sagt Joost. „Wir hoffen, dass uns das Gericht schnell einen guten Insolvenzverwalter an die Seite stellt, der die Situation einschätzen und uns den Weg aus der Misere weisen kann.“ Und er sei sehr optimistisch, dass dies am Ende auch gelinge.
Dass es unterwegs zu Kündigungen kommen könne, sei allerdings nicht auszuschließen, bedauert Wolfgang Joost. Angaben zur Höhe der Verbindlichkeiten macht er indes nicht.
Seit November feilen die Verantwortlichen an einem neuen Konzept für den Waldbröler Gastro-Betrieb
Seit vergangenem November brüten er und sein ebenso kommissarisch tätiger Vorstandskollege Norbert Hellmann gemeinsam mit dem Aufsichtsrat über Konzepten für die Rettung des Betriebs. „Wir werden sicher bald an den Öffnungszeiten schrauben müssen und zu toten Zeiten sicher nicht mehr aufmachen“, nennt Wolfgang Joost einen ersten Ansatz. Und eine Idee, die sich bereits bezahlt gemacht habe, sei der neue Mittagstisch: Zu Preisen zwischen sieben und etwa zwölf Euro – „Fisch ist immer am teuersten!“ – serviert die Hauderei diese Mahlzeit seit Januar immer von Mittwoch bis Samstag in der Zeit von 12 bis 14 Uhr. „Und das kommt richtig gut an.“
Zurzeit bittet das Team noch um Anmeldung, damit eine verlässliche Kalkulation möglich sei. Joost: „Auch die Buchungen für Familienfeiern und Beerdigungscafés lassen nichts zu wünschen übrig.“ Vor allem bei Trauerfeiern habe die Hauderei in Waldbröl offenbar eine große Lücke geschlossen, sagen die Verantwortlichen. „Jetzt hoffen wir zudem, dass wir genügend Leute, zum Beispiel Ruheständler, wachrütteln können und neue Kräfte für den Betrieb finden“, schildert der Waldbröler.
Und findet Bestätigung bei Anne Pampus: „Wenn viele hier kräftig und verlässlich mitanpacken, dann läuft der Laden.“ Gerade an der Verlässlichkeit habe es in der Vergangenheit jedoch zu oft gemangelt, verrät Pampus. Doch habe ihr besonders die jüngste Genossenschaftsversammlung Mut gemacht. „Viele wollen helfen.“ Wie viel Zeit sich die Hauderei für den Neustart geben möchte, das lassen Anne Pampus und Wolfgang Joost offen: „Das wird allein das Insolvenzverfahren zeigen.“ Auch auf die bis in den Oktober geplanten Veranstaltungen habe dies keinen Einfluss.
Das ist die Hauderei in Waldbröl
Eröffnet worden ist die Hauderei am 8. September 2023 an der Hochstraße 34 und dort in den Räumen des früheren Cafés von Elke und Gerd Kremer. Neu ist damals, dass sich die genossenschaftlich geführte Hauderei nicht nur als Café in der Mitte der Marktstadt etablieren will, sondern auch als Bistro und als eine Veranstaltungsstätte für Kultur sowie als Ort für Versammlungen.
Nach Angaben von Wolfgang Joost aus dem zweiköpfigen, kommissarischen Vorstand wird die Hauderei zurzeit getragen von 349 Anteilseignern. Die Gaststätte ist zudem Arbeitsplatz für neun Mini-Jobber, einen festangestellten Koch und eine Servicekraft in Teilzeit. Gestemmt wird der Gastro-Betrieb zudem von rund 30 ehrenamtlich Tätigen in mehreren Teams.

