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SelbstverteidigungWaldbröler Budo-Club lehrt, dass Distanz immer der erste Schutz ist

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Die Trainer Stephan Raddatz und Willi Lensing (links, im Vordergrund) sowie Olaf Nierstenhöfer (hinten) lehren Frauen im Budo-Club die Selbstverteidigung. Ansässig ist dieser Sportverein in Waldbröl.

Die Trainer Stephan Raddatz und Willi Lensing (links, im Vordergrund) sowie Olaf Nierstenhöfer (hinten) lehren Frauen im Budo-Club die Selbstverteidigung. Ansässig ist dieser Sportverein in Waldbröl.

Bisher richten sich die Kurse des Sportvereins ausschließlich an Frauen. Es geht um Technik und den überraschenden Moment, selten um Kraft.

Die Handgelenke und Unterarme sind längst gerötet. Aber das ist ein gutes Zeichen. Diesmal muss das so sein. Denn im Waldbröler Studio „Fit & Fun“ wird trainiert – immer konzentriert, gelegentlich etwas ruppig, aber präzise. Nach einer Weile sitzt jeder Griff. In einem Kurs für Selbstverteidigung des Budo-Clubs lernen gerade vier Frauen, wie sich geschickt, ohne große Kraft, gegen einen Angreifer wehren, sich ihm entziehen und ihn sogar zu Boden schicken, sollte dies der letzte Ausweg sein – sogar, wenn jener Angreifer deutlich größer und viel schwerer ist.

„Distanz zum anderen zu schaffen, das ist zunächst das Wichtigste“, erklärt Olaf Nierstenhöfer (55) vom Waldbröler Budo-Club. „Denn Distanz bedeutet schon ein großes Stück Sicherheit, dafür muss man sich eben Platz schaffen.“ Im Clubraum stehen ebenso viele Trainerinnen und Trainer wie Teilnehmerinnen auf der grauen Matte, denn der heiße Samstag macht nicht unbedingt Lust auf Sportstudio. Auch Birgit Ramp (65) zählt zum Ausbilderstab. „Manche Frauen haben einen Übergriff erlebt, das belastet sie so sehr, dass sich auch bei einem Coaching nicht von einem Mann anfassen lassen wollen“, weiß sie.

Der Waldbröler Budo-Club unterrrichtet nach Regelwerken der Polizei

Teilnehmerin Sigrid Bähner aus Morsbach hat eine ähnliche Angstsituation erlebt, am Bahnhof in Wuppertal ist sie von einem Mann – „der war entweder berauscht oder betrunken.“ – angegangen worden. „Zum Glück waren da viele Menschen, eine andere Frau hat mich da rausgeholt.“ Jetzt lernen die 36-Jährige und ihre Freundin Veronika Ott (36) aus Waldbröl, wie sie Herrin des Moments werden und sich erfolgreich wehren, und das mit manchem Überraschungsgriff. „Ich möchte als Frau dann nicht aufgeschmissen sein, sondern selbst einen Plan haben“, erklärt Veronika Ott. Und beide Frauen ergänzen, wie verblüfft sie sind, dass die Technik dahinter so einfach ist. Zu Hause wollen sie weiter üben, „bis schließlich alles automatisch klappt“.

Der Budo-Club lehrt Selbstverteidigung, Selbstbehauptung und Selbstschutz nach Konzepten der Polizei, seit dem Herbst 2019 organisiert der Sportverein diese Kurse nahezu regelmäßig in der Marktstadt. „Denn der Bedarf ist offensichtlich da“, betont der Waldbröler Nierstenhöfer und sieht zu, wie seine Kollegen Stephan Raddatz und Willi Lensing die nächste Übung starten.

Auf den richtigen Griff im richtigen Moment kommt es an, das erfahren in Waldbröl auch die beiden Teilnehmerinnen Sigrid Bähner (links) und Veronika Ott.

Auf den richtigen Griff im richtigen Moment kommt es an, das erfahren in Waldbröl auch die beiden Teilnehmerinnen Sigrid Bähner (links) und Veronika Ott.

Jetzt geht es darum, sich dem Angreifer – im wahrsten Sinne – zu entwinden und diesem in einem kraftlosen Moment plötzlich den Ellbogen unters Kinn zu donnern. „Wie im Karate, so arbeiten auch wir in der Selbstverteidigung immer aus der Hüfte“, führt der Karate-Lehrer und Vereinsvorsitzende aus. „Dann kommt der ganze Körper zum Einsatz.“ Solche Hiebe und Schläge mit der flachen Hand unter die Nase oder Tritte gegen das Knie oder dorthin, wo es Männern noch etwas länger wehtut, werden vorgeführt und geübt. „Immer gilt: Vorsichtig sein mit dem Trainingspartner.“

Gerne würde der Club auch Trainings für Männer anbieten. Doch fehle wohl das Interesse, die Resonanz sei gering, bedauert Olaf Nierstenhöfer. „Was wohl daran liegt, dass wir Kerle glauben, wir könnten immer alles alleine regeln.“


Das ist der Budo-Club in Waldbröl

Der Begriff „Budo“ kommt aus Japan und vereint alle modernen Kampfkünste und Kampfsportarten. „Budo“ kann mit „der Weg des Kriegers“ übersetzt werden, zudem meint dieser durchaus philosophische Begriff auch den Charakter und die Physis des Kämpfenden.

Der Waldbröler Sportverein hat sich Anfang des Jahres 2019 gegründet mit dem Ziel, Selbstverteidigung durch Gewaltprävention und Selbstschutz zu lehren.

www.budo-club-waldbroel.de