Am 26. Juli sollen alle drei Entwürfe für eine Multifunktionshalle in Waldbröl öffentlich im Bürgersaal der Stadt vorgestellt werden.
Neue MarkthalleSondersitzung soll in Waldbröl eine Entscheidung bringen

Ende April des vergangenen Jahres ist in Waldbröl die alte Markthalle in Flammen aufgegangen, sie wurde völlig zerstört. Die Pläne für den Bau einer Multifunktionshalle an der Stelle spalten zurzeit die Stadtpolitik.
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Der Streit um den Bau einer Multifunktionshalle auf dem Waldbröler Marktplatz geht in eine neue Runde. Nachdem Bürgermeisterin Larissa Weber öffentlich auf den Internetseiten der Marktstadt Stellung bezogen und dort erneut für den aus ihrer Sicht am besten geeigneten Entwurf aus dem Kölner Architekturbüro Form A geworben hat, kontern jetzt die Ratsfraktionen von UWG, SPD und den Grünen in einer gemeinsamen Stellungnahme.
Nach einem Antrag der CDU-Fraktion im Stadtrat kommt es am Mittwoch, 26. Juli, zu einer gemeinsamen Sondersitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und für Wirtschaftsförderung sowie des Haupt- und Finanzausschusses (ab 15 Uhr, Bürgersaal im Bürgerdorf am Alsberg, Nümbrechter Straße). Ziel der Christdemokraten ist es, noch bis 30. September einen Antrag auf Förderung durch die Regionale 2025 auf den Weg zu bringen, damit kein weiteres Jahr verstreicht.
Waldbröler Fraktionen beschreiben Abstimmung als „theatralisch inszeniert“
In ihrer Stellungnahme beschreiben die drei anderen Fraktionen den Verlauf der ersten gemeinsamen Sitzung jener beiden Fachausschüsse am 21. Juni als „theatralisch inszeniert“: Nach einer geheimen Abstimmung war der bisherige Siegerentwurf mit dem Titel „Zwischen Innen und Außen“ des unter anderem in Köln und Groningen ansässigen Büros De swarte Hond gescheitert, weil sich dafür keine Mehrheit gefunden hatte — mit acht zu acht Stimmen gab es ein Patt.
Zwei Abende zuvor hatte sich der Arbeitskreis Markthalle mit fünf Vertretern der Ratsfraktionen, fünf externen Beratern und Bürgermeisterin Weber, begleitet von den Stadtplanern ASS, mit knapper Mehrheit dafür ausgebrochen, diese Skizze als Favoriten ins Rennen zu schicken.
In der Ausschusssitzung ergriff Weber dann das Wort, bezeichnete diese - mit Bezug auf die Stellungnahmen der Berater - als mangelhaft und auch ungeeignet für die Stadt, insbesondere mit Blick auf die Funktionalität, die Nachhaltigkeit, den Lärmschutz und „nicht zuletzt die Möglichkeit, eine Förderfähigkeit für dieses Projekt zu schaffen“. „Wir brauchen sowohl eine Markthalle für den Markt als auch einen vielseitigen Veranstaltungsraum“, schreibt Weber in ihrer Stellungnahme.
Waldbröls Politik sah sechs Kritikpunkte am zuvor favorisierten Entwurf
So erarbeitete die Politik in der Sitzung sechs Aufträge mit Nachbesserungen an die Architekten und diese nahm diese in die dann gekippte Beschlussvorlage auf.
Rückendeckung erhielt Weber danach von der CDU, ebenfalls in einer öffentlichen Stellungnahme: Die Christdemokraten fragen sich, warum „hochqualifizierte Experten“ (O-Ton CDU im Weiteren: „Koryphäen“) eingeladen und gehört worden seien, wenn deren Urteil dann am Ende aber nicht berücksichtigt werde, das sei arrogant. Auch die CDU favorisiere die Arbeit von Form A. „Das Patt hat deutlich gemacht, dass der Entwurf des Büros De zwarte Hond den Wünschen der Mehrheit nicht entspricht“, sagt Fraktionschef Martin Wagner.
Waldbröler Fraktionen befürchten ein weiteres Jahr des „Wartens und Zögerns“
Die drei anderen Fraktionen kritisieren zudem, dass der vorherige Arbeitskreis plötzlich zu einem „Auswahlgremium mutiert“ sei und der dort gefasste Beschluss, „befeuert durch die Worte der Bürgermeisterin“, abgelehnt worden sei. Dabei sei Eile geboten: Bis zum 30. September muss dem Büro der Regionale 2025 ein Entwurf vorliegen, damit es über eine Förderung entscheiden kann „ein Vorhaben, welches in so kurzer Zeit kaum noch zu realisieren ist“. Mit schweren Folgen: „Dies bedeutet nun sehr wahrscheinlich ein weiteres Jahr des Wartens und Zögerns“.
Die drei Fraktionen erinnern daran, dass der Stadtrat Anfang Juli 2022 entschieden hatte, diesen Antrag um ein Jahr zu verschieben, um das Vorhaben sorgfältig anzugehen.
Antrag auf eine Sondersitzung der Waldbröler Stadtpolitik war erfolgreich
Inzwischen hat die Waldbröler Stadtverwaltung einem Antrag der CDU entsprochen, für den 26. Juli zu einer weiteren Sitzung einzuladen. Dort sollen dann alle drei Entwürfe des Büros De Zwarte Hond (unter anderem ansässig in Köln und Groningen, damals drei Stimmen), des Büros Form A Architekten (Köln, zwei Stimmen) und von Otten-Architekten (Korschenbroich, eine Stimme) vorgestellt werden. Die Sitzung ist öffentlich.

