Delegation aus WaldbrölIn Indonesien auf Penisköcher aus Flaschenkürbissen gestoßen

Im Hochland von Westpapua erwarb Maic Stausberg eines der traditionellen Kleidungsstücke der männlichen Eingeborenen, einen Penisköcher.
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Waldbröl – Wohlbehalten ist die sechsköpfige Delegation der Evangelischen Kirchengemeinde in Waldbröl von der Partnerschaftsreise aus dem weit entfernten Westpapua wieder zurückgekehrt. Die anstrengende, 40-stündige Anreise war mit drei Wochen voller Erlebnisse und exotischer Eindrücke belohnt worden, berichtet der Waldbröler Maic Stausberg mit Begeisterung. Wohin fließt der Erlös, der auch beim 56. Waldbröler Missionsbasar (kurz: „Miba“) am 1. November vergangenen Jahres erzielt worden ist?
Auf diese Frage hatte sich die Waldbröler Delegation auf der indonesischen Insel Neuguinea im Pazifik eine Antwort erhofft. Neben dem 46 Jahre alten Bilanzbuchhalter Maic Stausberg gehörten zu der Reisegruppe auch sein Sohn Elia (15) sowie Kerstin (50) und Werner Hupperich (57) mit ihren Kindern Michelle (29) und Jonas (17). Die letzten Kilometer nach Polimo, im schwer zugänglichen Hochland von Westpapua gelegen, musste die Delegation aus Waldbröl zu Fuß zurücklegen.
Miba-Erlös sehr gut eingesetzt
Vor Ort konnten sich die Waldbröler dann davon überzeugen, dass der jährliche Miba-Erlös auch weiterhin sehr gut eingesetzt wird. „Die Arbeit in den zwei aus Deutschland mitfinanzierten Mädcheninternaten in Wamena und Polimo läuft hervorragend“, urteil Stausberg. Die Lehrerinnen der Einrichtungen, die unter der Obhut der evangelischen Kirche von Westpapua stehen, kümmern sich rührend um die rund 30 Mädchen und organisieren mit großem Einsatz Kurse für die Frauen in den umliegenden Dörfern.

Die Reisegruppe half später bei der Feldarbeit mit.
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Zu den Angeboten zählen zum Beispiel Alphabetisierungskurse, Bibelstunden sowie Gesundheits- und Ernährungslehre. Zusätzlich betreut die Organisation derzeit Wasserfilterprojekte in verschiedenen Dörfern. Bei einem Kulturfestival in Wamena bekamen die Waldbröler auch Kontakt zu den Eingeborenen und zu deren Stämmen, die dort noch ihre traditionellen Tänze und Kleidungen pflegen.
Ein Penisköcher aus Flaschenkürbissen
Maic Stausberg ließ sich auch ein traditionelles Kleidungsstück der männlichen Eingeborenen erklären, ein Koteka, ein aus Flaschenkürbissen hergestellter Penisköcher. Die Waldbröler Delegation legte im Internat „Tuankem“ in Polimo mit Hand an, beteiligte sich dort an der Feld- und Gartenarbeit und wanderte mit in abgelegene Dörfer, um die Menschen dort mit den Kursprogrammen zu erreichen. Teilweise mussten zu Fuß Bäche durchquert werden.

Im Mutterhaus der Internate war die Reisegruppe empfangen worden.
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Stausberg, der schon zum dritten Mal zur Partnergemeinde reiste, traf viele alte Freunde und Bekannte wieder. „Für die indigenen Papuas ist es ein sehr wichtiges Zeichen, dass wir uns nur für sie auf die lange Reise gemacht haben. Das empfinden sie als große Wertschätzung“, meinte er. Durch die länger als 50 Jahre andauernde Partnerschaft kennen viele Menschen dort Waldbröl. Einige waren sie auch schon in Oberberg zu Gast.
Demonstrationen für die Unabhängigkeit Westpapuas
In der Zentrale der Internate an der Küste führte die deutsche Delegation wichtige Gespräche mit der Leitung, um die Partnerschaft auch in Zukunft stark und lebendig zu halten. Ein Problem für die Waldbröler waren allerdings die zahlreichen Unruhen in fast allen großen Städten. Heftige Demonstrationen zogen durch die Straßen.
Die Papuas demonstrierten für die Unabhängigkeit Westpapuas und gegen Rassismus der islamischen indonesischen Regierung gegenüber der indigenen Bevölkerung. „Autos und Motorräder brannten, Flughäfen wurden beschädigt und zeitweise geschlossen, es gab immer wieder Tote und Verletzte“, schildert Stausberg die Situation. Die Papua-Bevölkerung stand dem indonesischen Militär gegenüber.
Tagelang war das Internet von der Regierung im ganzen Land blockiert, sodass keine Nachrichten verbreitet werden konnten. Der Waldbröler Gruppe ist es mit Hilfe der Einheimischen jedoch immer wieder gelungen, die Unruhen zu umgehen. Es war aber oft unklar, ob und wann die Weiterreise möglich war. Maic Stausberg: „Bis heute hören wir regelmäßig bei unseren Freunden in Papua nach, ob sie unbehelligt sind. Besonders gefährdet ist ein befreundeter Journalist. Er muss täglich damit rechnen, verhaftet zu werden, sollte er zu kritisch berichten.“
