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Waldfriedhof in EngelskirchenNeues Konzept für die letzte Ruhe

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Frank, Thomas und August Strässer (v.l.) mit Friedhofsbetreuer Dietrich Krapoth im „Garten der Erinnerung“.

Engelskirchen – Die Holzbank steht nicht richtig. August Strässer (75) schüttelt den Kopf, energisch gibt er Zeichen. Seine Söhne Frank (46) und Thomas (50) wuchten die Bank in die Höhe und bewegen die Sitzgelegenheit so lange, bis der Vater zufrieden nickt. Solche Handgriffe sind es, die von den drei Steinmetzen aus Engelskirchen noch erledigt werden wollen. Ansonsten sei der „Garten der Erinnerung“ auf dem Waldfriedhof der Evangelischen Kirchengemeinde am Engelskirchener Werthsiefen fertig, sagen sie.

Neues Konzept aus Unternehmerhand

Und nicht nur das: Jüngst ist der erste Tote auf dem neuen Gräberfeld in der Mitte der 1865 errichteten Ruhestätte bestattet worden. Vor mehr als einem Jahr waren die Inhaber des Familienbetriebs an die Gemeinde mit der Idee herangetreten, einen Teil des Friedhofs zu übernehmen, diesen als „Garten der Erinnerung“ zu gestalten und im rechtlichen Sinne mit „pflegefreien Gemeinschaftsgrabanlagen“ zu führen. Ein Vorbild für das Konzept haben sie in Bergisch Gladbach-Refrath gefunden – einen „Ruhegarten“, den eine Gärtnerei hütet. Im Oberbergischen ist der „Garten der Erinnerung“ die erste Anlage ihrer Art: Erstmals hat eine Kirchengemeinde die Verantwortung für Grabstätten abgegeben. „Weitere Anlagen gibt es vor allem im Ruhrgebiet“, schildert Thomas Strässer und versichert, dass seine Firma die Genehmigung habe, diesen nach Angaben des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur in Düsseldorf geschützten Namen zu verwenden. Für Samstag, 18. Oktober, lädt Strässer Interessierte dazu ein, sich ein Bild davon zu machen.

Dass Vereine heute Friedhöfe in ihre Obhut nehmen, ist nicht neu. Dass Firmen solche Flächen betreuen, aber schon. Ein Trend sei das indes noch nicht, betont Oliver Wirthmann, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur. „Schließlich dürfen weder Privatpersonen noch Firmen zurzeit Friedhöfe einrichten“, betont er. Erlaubt sei eben die Einrichtung „pflegefreier Gemeinschaftsgrabanlagen“. So sei zudem vorgeschrieben, dass solche Flächen „gärtnerisch ansprechend und die Gräber nahezu einheitlich gestaltet sein müssen“: „Die individuelle Gestaltung eines Grabes durch die Angehörigen ist also nicht möglich.“ Vorgesehen sind allein Urnenbestattungen, die Ruhefristen lägen höchstens bei zehn bis 15 Jahren. „Die Berechtigung, einen gewöhnlichen Friedhof zu bauen, haben noch allein die Kirchen, die großen Glaubensgemeinschaften und die Kommunen“, zählt der Fachmann auf. Er glaubt jedoch, dass auch Friedhöfe in der Zukunft privatisiert werden. Der Engelskirchener „Garten der Erinnerung“ ist wie ein Park angelegt, gerade Linien sind selten, geschwungen sind die Wege. Rund 30 bis 40 Grabstätten könnten eingerichtet werden, sagt Thomas Strässer mit Blick auf die Urnenfelder.

Die Gebühren für eine Bestattung entrichten die Angehörigen wie früher an die Kirche. Und diese seien im Begräbnisgarten ebenso hoch wie auf dem übrigen Gelände, sagt Strässer. Natürlich verdiene auch seine Firma an den Bestattungen, wie viel wolle er allerdings nicht sagen. Eigenen Angaben zufolge haben die Steinmetze einen hohen fünfstelligen Betrag in die Anlage investiert. Deren Pflege haben übrigens die in Wiehl ansässigen Behinderten-Werkstätten Oberberg übernommen. „Und dreimal im Jahr setzen die Mitarbeiter neue Pflanzen.“

Last von der Gemeinde genommen

Johannes Vogelbusch, Pfarrer der Evangelischen Gemeinde, sieht eine Last von der Pfarre genommen. Er denkt an wildwucherndes Unkraut und ungemähten Rasen: „Wir wollten verhindern, dass es immer mehr ungepflegte Gräber auf unserem Friedhof gibt, weil die Angehörigen zu weit weg wohnen, keine Gärtnerei engagieren wollen oder aus gesundheitlichen Gründen die Pflege nicht mehr leisten können.“ Die Entscheidung, den Steinmetzen grünes Licht zu geben, habe das Presbyterium einstimmig getroffen. Dass dies Schule machen könnte, glaubt derweil das Gemeindemitglied Dietrich Krapoth (76), der den Friedhof ehrenamtlich für seine Kirche betreut. „Das zeigen die vielen Anfragen.“

Informationstag „Garten der Erinnerung“, Waldfriedhof Werthsiefen, am kommenden Samstag, 18. Oktober, 10 bis 14 Uhr.