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Weiberfastnacht
Jecke Wiever stürmen die oberbergischen Rathäuser – Einige Impressionen

9 min
Raoul I. bekam von den jecken Weibern ein Steckenpferd.

Raoul I. bekam von den jecken Weibern ein Steckenpferd.

An Weiberfastnacht sind auch im Oberbergischen Kreis viele Jecke unterwegs und feiern Karneval. Momentan werden die Rathäuser von den Wievern gestürmt.

Widerstand ist zwecklos, zu guter Letzt werden allerorts im Oberbergischen die jecken Wiever die Regentschaft mit aller närrischen Macht an sich reißen - so viel ist sicher. Der Artikel wird fortlaufend aktualisiert.

Wiehl: Bürgermeister fliegt hoch wie Konfetti

Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt hat das Rathausteam und am Ende doch den Schlüsselkampf verloren. Kein Wunder, denn die Karnevalisten werden an diesem Weiberfastnachtsdonnerstag von einem Frauendreigestirn angeführt. Und das dient sich Bürgermeister Stücker auch noch als „drei Engel für Uli“ an. Dieser wird von als Teufeln maskierten Kolleginnen sekundiert, zudem hat das Rathaus mit KI-Unterstützung eigens eine Verteidigungshymne komponiert („Wir lieben das Rathaus, von hier geht guter Rat aus“).

Engel zur Rechten, Teufel zur Linken und Konfetti von vorn: Bürgermeister Ulrich Stücker gab sich bald geschlagen.

Engel zur Rechten, Teufel zur Linken und Konfetti von vorn: Bürgermeister Ulrich Stücker gab sich bald geschlagen.

Dennoch gibt Stücker die Staatsgewalt nach kurzem Gerangel ab. Zur Entschädigung und als Geschenk zu seinem Geburtstag in der vergangenen Woche lassen ihn die KVB-Tanzoffiziere hochleben, also hoch fliegen. Das passt zu seinem bunten Anzug und dem Motto „Wiehler Konfetti“. Danach herrscht eitel Sonnenschein trotz Regen, Stadtverwaltung und Karnevalsverein tauschen Orden und lobende Worte aus. Die Tanzvorführungen fallen wegen der rutschigen Bühne aus. Weiter gefeiert wird im nahen „Hotel zu Post“. (tie)


Lindlar: Nach knapp 100 Tagen schon wieder entmachtet

Mit großem Aufwand hat Bürgermeister Sven Engelmann mit seinem Team das Rathaus zur Verteidigung gerüstet, schließlich will er den jecken Wievern möglichst lange Widerstand bieten. Doch es kommt ganz anders. Pünktlich um 11.11 Uhr stürmen die jecken Damen der KG Rot-Weiß Lindlar in wenigen Sekunden das Rathaus, die gesicherte Tür ist kein Hindernis und Engelmann kann, trotz Unterstützung durch Kämmerin Cordula Ahlers, den Rathausschlüssel nur ganz kurz verteidigen.

Keine Chance hatten Sven Engelmann und Cordula Ahlers gegen die närrischen Übermacht der jecken Wiever die den Schlüssel erbeuteten.

Keine Chance hatten Sven Engelmann und Cordula Ahlers gegen die närrischen Übermacht der jecken Wiever die den Schlüssel erbeuteten.

Der schnelle Sieg der jecken Damen ist der Unerfahrenheit des neuen Rathauschefs in Sachen Verteidigung zu verdanken, denn bisher stand er als Mitglied der KG Rot-Weiß beim Sturm auf der Seite der närrischen Eroberer. Hinter den jecken Weibern zog Markus Scherer, Vorjahresprinz und Präsident des Komitees Lenkelner Karneval in der Rathaussaal, im seinem Schlepptau das ganze närrische Schmölzjen mit dem Kinderprinzenpaar und dem Dreigestirn. Er sei kaum 100 Tag im Amt und schon wieder seine Macht los, so Engelmann. Karneval sei mehr als Schunkeln und Kölsch trinken, Karneval stehe für Miteinander und Toleranz.

Mit ihrem Sessionslied und einem Tanz begeisterten Anton und Luisa die Jecken, unter denen auch eine Handvoll Politiker waren. Die KG Rot-Weiß Lindlar war mit einem großen Aufgebot, an der Spitze Präsident Philip Caucal, aufmarschiert. Er flirtete eifrig mit dem ersten weiblichen Dreigestirn der Gemeinde. Prinz Sandra, Jungfrau Gabi und Bauer Manu heizten den Gästen getreu ihres Mottos: „Lenkelner Mädchen jeck und doll, fiere mit üch zum eetze Mol“ ordentlich ein. Währen, die Tollitäten weiterzogen, es im Rathaus mit Auftritten der Tanzcorps des TuS sowie des TSC Lindlar und Musik der Band „die Rathausstürmer weiter“. (lz)


Oberberg: Keine Chance für den Karnevals-Klaus im Kreishaus

Obwohl erst seit wenigen Monaten Landrat ist, kennt Klaus Grootens den Sturm der jecken Weiber schon seit Jahren aus seiner Zeit als Kreisdirektor. Doch gestern ist er zum ersten Mal der Chef bei dem jecken Angriff. Angeführt von Michaela Zenker gewinnen die Frauen schnell die Obehand, auch wenn sie Klaus Grootens und sein Stellvertreter Stefan Heße mit besten Kräften gegen die Bürotür stemmen.

Gegen die Stürmung seines Büros durch Michaela Zenker und ihre Kolleginnen hatte Oberbergs Landrat Klaus Grootens am Donnerstag nicht viel zu erwidern.

Gegen die Stürmung seines Büros durch Michaela Zenker und ihre Kolleginnen hatte Oberbergs Landrat Klaus Grootens am Donnerstag nicht viel zu erwidern.

Dann geht alles ganz schnell. Die Krawatten werden in einem Frontalangriff auf die Hälfte gekürzt und die untere Hälfte als Trophäe der jubelnden Schar der Weiber präsentiert. Auch der Kreishausschlüssel, das Symbol der Macht, ist schon in den Händen der gut gelaunten Frauenschar. Sogleich geht es daran, die beiden Mannsbilder dem Tag würdig zu kostümieren. Plakate und Sticker geben überall Zeugnis davon, dass der Landrat an den jecken Tagen der Karnevals-Klaus ist. Zusammen wird der von der ganzen Meute schließlich in die alte Kantine des Kreishauses geleitet, wo noch bis in den Abend gefeiert wird. (ar)


Bergneustadt: Chancenlos gegen die Sahneschnitten

Matthias Thul ist wohl größenwahnsinnig geworden. Der Regent über die Burg Nyestadt will nicht nur ein Pizzaverbot für den Stadtrat und einen Windpark in der Altstadt, er träumt sogar von einer „Bürgermeister-Thul-Arena“ – und das bei gähnend leerer Schatzkammer. Das Gefolge tut sich zusammen und fällt rasch ein Urteil: Mattes muss aufs Schafott.

Nicht ganz freiwillig übergibt Matthias Thul den Rathausschlüssel an die Stephinchen um Antje Schnellenbach.

Nicht ganz freiwillig übergibt Matthias Thul den Rathausschlüssel an die Stephinchen um Antje Schnellenbach.

Einzige Möglichkeit für seine Begnadigung: Er gibt die Macht an die jecken Weiber ab, die sich bereits auf dem Rathausplatz warmschunkeln – allen voran die Bergneustädter Schützenfrauen mit Kaiserin Bianka Veller und Königin Tanja Kron, die Pferd und Wildwest-Garderobe mitbringen. Und natürlich die Stephinchen um Antje Schnellenbach, die sich in Tortenstücke inklusive Sahnehäubchen und Zierkirsche verwandelt haben, ein Vorgeschmack auf den 725. Stadtgeburtstag.

Zwar versuchen Thuls Komplizen noch, den Rathausschlüssel mit einer Mini-Rakete auf den Mond zu schießen, doch der Plan scheitert: das Triebwerk klemmt und spuckt Konfetti statt Feuer. (sfl)


Engelskirchen: Aquaplaning auf der Bühne hält die Möhnen nicht vom Tanzen ab

Als Reinhold Müller, Senatspräsident der KG Närrische Oberberger, am Donnerstagvormittag noch dabei ist, den Countdown bis 11.11 Uhr herunterzuzählen, haben die Möhnen den Engelskirchener Bürgermeister Lukas Miebach bereits überrannt. Und das, obwohl sie auf gleich drei erkrankte Damen in ihren Reihen verzichten müssen, wie Obermöhnin Elisabeth Crombach berichtet.

Das Absperrband hielt die Möhnen um Elisabeth Crombach in Engelskirchen nicht auf. Lukas Miebach gab den Rathausschlüssel schnell frei.

Das Absperrband hielt die Möhnen um Elisabeth Crombach in Engelskirchen nicht auf. Lukas Miebach gab den Rathausschlüssel schnell frei.

Da ist es nur gut, dass Lukas Miebach und sein Rathausteam, das passend zum Motto Regenbogen kunterbunt kostümiert ist, ohnehin nicht viel Widerstand leisten. „Nach dreieinhalb Monaten neu im Amt habe ich mir gedacht: Wenn jemand unbedingt mal die Verantwortung übernehmen möchte, dann soll er das machen“, berichtet der Bürgermeister anschließend schmunzelnd auf der Bühne, fügt jedoch schnell hinzu, dass er den Rathausschlüssel bei den Möhnen gut aufgehoben wisse. Nur einmal sei es vorgekommen, dass der Schlüssel nicht gleich wieder zurückgekommen war. Er sei auf einer Wiese unweit des Rathauses aber schnell wieder aufgetaucht, weiß Reinhold Müller schmunzelnd zu berichtet.

Die Möhnen stimmen die Jecken, die sich trotz hartnäckigem Regen auf dem Festplatz hinter dem Rathaus zusammengefunden haben, mit zwei Tänzchen ein. Auf der Bühne herrscht zu diesem Zeitpunkt trotz Überdachung bereits Aquaplaning. „Jetzt reicht es mit dem Erzählen, wir werden nun unsere alten Gelenke so richtig quälen“, kündigt Elisabeth Crombach an, ehe die Frauen endgültig das Regiment übernehmen. Auf dem Festplatz wird anschließend unter zahlreichen Pavillons weitergefeiert – beim Bühnenprogramm der lokalen Vereine. (lth)


Gummersbach: Raoul I. und das Steckenpferd

Aus den drei Musketieren ist im Gummersbacher Rathaus ein Duo geworden: König Raoul I. und sein treuer und ihn beschützender Ritter Jürgen haben am Morgen keine Chance, das Rathaus lange gegen die Macht der jecken Weiber zu verteidigen, so dass die Schlüsselübergabe reine Formsache ist. Sandra Kaufmann und ihr Team haben, wie schon in der Vergangenheit, auch so manche Geschichte aus dem Rathaus zu erzählen.

Raoul I. bekam von den jecken Weibern ein Steckenpferd.

Raoul I. bekam von den jecken Weibern ein Steckenpferd.

Dabei sind der neue Bürgermeister Raoul Halding-Hoppenheit und der Erste und Technische Beigeordnete Jürgen Hefner ja noch gar nicht so lange in ihren neuen Funktionen. Glaubt man dem Flurfunk im Gummersbacher Rathaus, dann bekommt Raoul der I. auch keinen neuen Dienstwagen mehr, sondern eine standesgemäße Kutsche. Als Vorgeschmack gibt es am Donnerstag schon mal ein Steckenpferd, auf dem sich der neue Rathauschef gleich durch das Foyer des Rathauses auf einen ersten Ausritt macht, ehe es danach zum gemütlichen Teil mit Karnevalsprogramm übergeht. (ar)


Wipperfürth: Rathaus erhebt Zölle fürs Bützen

Wer sagt, dass man von Donald Trump nicht etwas lernen kann? Das Wipperfürther Rathaus erhebt Zölle fürs Bützen, für den Bauer, den Prinzen und die Jungfrau. Einheitlich gilt an Weiberfastnacht ein Zoll von 20 Kamelle. Schon bevor der Rathaussturm beginnt, steigt drinnen eine Party für Mitarbeiter und Gäste. Coole Mafiosi und süße Marienkäfer, kühne Piraten und lustige Clowns feiern zusammen ab, der Musikverein Dohrgaul sorgt mit Karnevalshits für Stimmung. MdL Christian Berger hat sich Captain Picard verkleidet und will sich gleich ins Festzelt beamen lassen. Aus der Nachbarstadt Hückeswagen sind Bürgermeister Mario Moritz als „Supermario“ und sein Vorgänger Dietmar Persian angereist.

Bürgermeisterin Anne Loth musste den Schlüssel rausrücken.

Bürgermeisterin Anne Loth musste den Schlüssel rausrücken.

Mittendrin verteilt die Wipperfürher Bürgermeisterin Anne Loth im bunten Bommelkostüm großzügig Orden und Bützchen. Dann wird es ernst. Mit ein paar Minuten Verspätung rückt gegen 10.15 Uhr ein jecker Lindwurm aufs Rathaus vor. Angeführt vom Musikverein Linde, beziehen die KG Baulemann und die Hansehusaren, die Spark Dancers, das Tnazcorps Blau-Weiß Neye und die Narrenzunft Neye mti ihrem Dreigestirn Prinz Lucca I., Bauer Benjamin und Prinzessin Johanna Stellung.

Bevor Rene Löhr, Präsident der Narrenzunft, zum Wortgefecht mit der Bürgermeisterin ansetzen kann, demonstriert Anne Loth, dass sie mittlerweile eine richtige Karnevalsmaus“ geworden ist. Die Narrenzunft will und kann die Zölle nicht zahlen, weil der eigene Nachwuchs die Kamelle schon alle aufgefuttert hat. Egal. Auch ohne Zollabgaben stürmen die Jecken schließlich das Rathaus, der Straßenkarneval ist damit eröffnet. Dreimal Wipperfürth Alaaf! (cor)


Waldbröl: Hüttengaudi im Bürgerdorf

Hahn im Korb beim Sturm auf Waldbröls Bürgerdorf am Alsberg ist Schönenbachs Prinz Jona I., neben Prinzessin Lisa begleitet ihn Prinzessin Emely I. von der Waldbröler Karnevalsgesellschaft. Bürgermeisterin Larissa Weber macht es den Dreien nicht leicht, an den Rathausschlüssel zu kommen. Am Eingang ist eine Almhütte aufgebaut und im Dirndl fordert sie, zunächst Hüttenqualitäten zu beweisen. So gilt es, zunächst einen Nagel mit dem Rohrhammer einzuschlagen, dann Almwasser zu trinken – Emely nippt an O-Saft – und schließlich einen Weidezaun zu durchbrechen.

Rathaussturm Waldbröl

Schlüssel gegen Riesenhandy: Bürgermeisterin Larissa Weber (r.) ergibt sich Prinz Jona, Prinzessin Lisa und Prinzessin Emely.

Endlich im Inneren, begeistert Weber mit Büttenreimen: „Heute Ihr Jecken, da gilt eine Regel: Der Karneval übernimmt hier den Zügel.“ Fröhlich gibt sie den Schlüssel aus der Hand. Schmunzelnd überreicht der früheren Rathauschefin nun Daniel Zovkic, Vizevorsitzender der WKG, ein Riesen-Handy, weil sie ihres beim Schönenbacher Zug jüngst verloren hat. Schwungvolle Tänze zeigen sodann die Garden 52 und 77 von der WKG. (kup)


Reichshof: Bürgermeister findet in Denklingen seinen Endgegner

Spannend wird es an Weiberfastnacht bereits Minuten vor der magischen Zeit um 11.11 Uhr im Denklinger Rathaus, als sich die „feindlichen Lager“ gegenüberstehen. Oben an der Treppe wartet Bürgermeister Jan Gutowski mit dem großen, goldenen Schlüssel in der Hand, umringt von den Mitarbeitern des Bauhofs. Von unten strömt eine zahlenmäßig kaum zu fassende Horde an blau-weißen Wievern aus Wildberg die Treppe empor. Immer wieder motiviert Gutowski sein Team mit dem Schlachtruf „Bauhof – ahuu“.

Als der Zeiger der Uhr auf die Elf springt, gibt es kein Halten mehr. Die närrischen Weiber stürmen empor, Verstärkung haben sie diesmal durch die Denklinger Prinzessin Lisa. Trotz heftiger Gegenwehr des Bauhofteams entreißt die Wildberger Jungfrau Marina dem Rathauschef den begehrten Türöffner und die geballte Weiberpower bahnt sich den Weg ins Foyer.

Bürgermeister Jan Gutowski in der Mitte des Bildes hält den Schlüssel hier noch fest in seinen Händen, doch das änderte sich schon bald.

Bürgermeister Jan Gutowski (M.) hält den Schlüssel hier noch fest in seinen Händen, doch das änderte sich schon bald.

Dort bekennt der ehemalige Polizeibeamte Jan Gutowski: „Ich kann mich nicht erinnern, dass unter meiner Leitung jemals eine Kette gewichen ist – aber hier habe ich meinen Endgegner gefunden.“ Er betont die Vielfalt im Reichshofer Karneval: „Und den feiern wir alle gemeinsam.“ Dennis Spexard, Vorsitzender der KG Rot-Weiß Denklingen, lobt sodann den Einsatz der Gemeinde, insbesondere beim Rosensonntagszug: „Ohne euch geht es nicht und zur Ermunterung beim Aufräumen danach spenden wir 50 Liter Kölsch.“

Gleich darauf übernimmt Laura Marie Unterbusch von der KPG Eckenhagen, kündigt die Eckenhääner Tanzbienen an und schildert, dass sich Vereinsvorsitzender Tim Grolms wochenlang im Gemeindearchiv verkrochen habe, um dem neuen Rathauschef nun einen Aktenordner mit der Reichshofer Karnevalsgeschichte zu überreichen. Dabei habe er erfahren: „Dat war schon immer su un dat mache mer uch su wigger.“ Neben dem Tanz der Großen Garde von der KG Tolle Elf Wildberg präsentiert sich auch deren Damendreigestirn und macht die Bühne frei für einen ausgelassenen Wieverfastelovend. (kup)