Der Verein wurde für seine digitalen Projekte bei der Verleihung des 1. Ehrenamtspreises des Kreissportbundes Oberberg ausgezeichnet.
Eigenes RedaktionsteamChristopher Pethe spricht über die Digitalisierung beim BSV Bielstein

Im Vereinsheim des BSV Bielstein hängt ein großes Smartboard, auf dem Spiele nachträglich analysiert werden können.
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Bei der Verleihung des 1. Ehrenamtspreises des Kreissportbundes Oberberg wurde der BSV Bielstein im März dieses Jahres als „Verein des Jahres“ ausgezeichnet. Er wurde unter anderem für sein Engagement in Sachen Digitalisierung und Innovation geehrt. Wo die Digitalisierung beim BSV Bielstein besonders deutlich wird und wie sich der Verein von anderen unterscheidet, darüber hat Linda Thielen mit dem Geschäftsführer Christopher Pethe (42) gesprochen.
Direkt die Fakten auf den Tisch: Wie digital ist der BSV Bielstein?
Wir schauen natürlich neugierig auf die Profivereine und gucken, was wir in einem kleineren Rahmen adaptieren könnten. Natürlich haben wir ein anderes Budget als die Profis. Aber auch für uns als Verein mit 700 Mitgliedern ist vieles möglich. Wir haben nach meinem Bauchgefühl etwa 80 Prozent der Digitalisierungsmöglichkeiten ausgeschöpft.
80 Prozent ist viel! Was genau ist schon alles digital beim BSV?
Wir hatten damals als einer der ersten Vereine im Kreis eine Internetseite. Da war ich selbst erst 16 Jahre alt. Der damalige Vorstand hat sich dann immer mehr mit Digitalisierung beschäftigt. Da ging es um die Mitgliederdatenbank, die wir lange als Papierliste geführt haben. Zuerst haben wir Listen in Excel geführt, bis später Programme vom DFB dafür bereitgestellt wurden. In der digitalen Datenbank werden alle Mitglieder eingepflegt.
Sie ist übrigens losgekoppelt vom DFBnet. Das wiederum vereinfacht den Spielbetrieb. Früher wurde ein Spielbericht per Hand ausgefüllt, ging per Post an den Fußballkreis, und der Staffelleiter hat ihn eine Woche später ausgewertet. Das war ein Riesenaufwand und wurde dank dem digitalen DFBnet vereinfacht. Dann kam Facebook als erste Social-Media-Plattform dazu. Zu dieser Zeit haben wir auch ein fünfköpfiges Redaktionsteam gegründet, das die digitalen Plattformen pflegt und mit Inhalten füllt. Dann kam Instagram. Mittlerweile sind auch die Spielerpässe digital.
Wir hatten damals als einer der ersten Vereine im Kreis eine Internetseite. Da war ich selbst erst 16 Jahre alt.
Wir haben an unserem Spielfeld außerdem eine Soccerwatch-Kamera installiert, die damals von der Sparkasse Gummersbach gefördert wurde. Darüber streamen wir die Spiele live und kostenlos ins Internet. Unsere 1. Herrenmannschaft hat sich eine weitere Kamera von Veo angeschafft, die näher am Spielfeld aufgebaut wird und taktische Spielzüge für die Besprechung im Training aufnimmt. Dazu kommen ein großes Smartboard im Vereinsheim, eine digitale Schließanlage und eine Smart-Home-Technologie. Wir können die Heizung per App steuern. (schmunzelt)
Hat der Verein für diese digitale Umrüstung Zuschüsse erhalten?
Nach der Corona-Pandemie haben wir vom Digitalisierungspaket des Landes NRW profitiert. Die Landes- und Kreissportbünde haben die Kommunikation in Richtung Vereine übernommen. Es waren ein paar Millionen Euro an EU-Fördergeldern für die Corona-Aufbauhilfen übrig geblieben, die den Vereinen für deren Digitalisierung zugutekommen sollten. Wir haben 15.000 Euro erhalten und davon unter anderem das große Smartboard samt Videocall-Software, einen Laptop und ein Tablet gekauft. So können wir übrigens auch online an Schulungen teilnehmen.
Beim Ehrenamtspreis des Kreissportbunds ist der BSV für seine Digitalisierung ausgezeichnet worden. Was unterscheidet den BSV denn von anderen Vereinen?
Wir befassen uns schon viel länger als andere Vereine mit dem Thema Digitalisierung. Wir waren neben unserer frühen Internetpräsenz beispielsweise einer der ersten Vereine, die die DFB-Mitgliederdatenbank genutzt hat. Immer wieder kommen Vereine auch auf uns zu und fragen uns um Rat, wenn es um digitale Themen geht. Aber auch wir machen sicher nicht alles richtig.
Was bedeutet Ihnen und dem Verein der Ehrenamtspreis?
Er ist eine Bestätigung für unser Engagement. Unsere digitale Arbeit ist sehr vielfältig und bedeutet somit auch viel Aufwand, den unsere Mitglieder ehrenamtlich stemmen. Da ist so ein Preis natürlich toll. Und natürlich können wir auch das Preisgeld gut gebrauchen, das komplett in unsere Jugendarbeit fließt.
Sie haben das Redaktionsteam des BSV Bielstein erwähnt. Wie groß ist denn die Arbeitsbelastung für dieses Team?
Die ist noch im Rahmen. Die Teammitglieder haben sich Schwerpunkte gesetzt. Der eine pflegt die Homepage, der andere übernimmt Instagram. Ich mache ein bisschen Facebook, weil ich etwas älter bin (lacht). Facebook ist bei den Jüngeren schon wieder out. Alle ein bis zwei Monate findet eine Art Redaktionssitzung statt für neue Ideen. Letztens wurde ein größeres Interview mit unseren U15-Trainern geführt, die zweimal Meister geworden sind. Das wurde gut geklickt und vielfach gelesen.
Wenn mit fortschreitender Digitalisierung die Vereine ihre eigene Öffentlichkeitsarbeit machen, braucht es in Zukunft dann überhaupt noch die Presse?
Das kann ich nicht beantworten. Ich bin jetzt 42 Jahre alt und mit der Lokalzeitung aufgewachsen. Die lag bei uns zu Hause täglich auf dem Tisch. Für uns ist das nach wie vor ein wichtiges Medium, um Leute zu erreichen. Aber die 15-Jährigen lesen heute eher keine Zeitung mehr, die muss man anders erreichen.
Wenn wir über Generationen sprechen: Einem Verein gehören alle Altersgruppen an. Kommen auch Ältere bei all der Digitalisierung mit? Oder besteht die Gefahr, dass sie abgehängt werden?
Die meisten 60-, 70- oder 80-Jährigen aus unserem Verein besitzen ein Smartphone und schreiben E-Mails. Unser Ältester ist 96 Jahre alt. Der kriegt die Einladung zur Mitgliederversammlung noch per Post.
Gibt es für Sie auch eine Schattenseite der Digitalisierung?
Die Bequemlichkeit nimmt bei vielen zu. Ich finde es manchmal erschreckend, dass Mundpropaganda heute nicht mehr ausreicht. Früher hat man beim Training besprochen, wann man sich trifft, um gemeinsam zum Spiel am Wochenende zu fahren. Heute läuft das alles über WhatsApp-Gruppen und dort musst du es zehnmal reinschreiben, um Freitagabends wirklich sicher zu sein, dass bis Samstag alle mitgekommen haben, wann und wo ein Spiel stattfindet.
Welche digitalen Projekte stehen beim BSV Bielstein noch an?
Wir werden bald noch eine LED-Videowand an unserer Anlage aufstellen. Darauf können neben dem reinen Spielergebnis beispielsweise Torschützen, Spielpläne, Mannschaftsaufstellungen und Sponsoren angezeigt werden. Außerdem planen wir einen digitalen Mitgliedsausweis auf dem Smartphone. Das würde auch das Thema Eintrittsgelder erleichtern. Aktuell sitzt immer jemand im Kassenhäuschen. Mit dem digitalen Ausweis kann man viel einfacher erkennen, wer Mitglied ist und wer Gast.
Gibt es noch nicht geplante Digitalprojekte, die Sie sich künftig beim BSV wünschen würden?
Meine Hoffnung ist, dass wir Digitalisierung und Ehrenamt noch mehr zusammenzubringen. Irgendwann werde ich nicht mehr Geschäftsführer sein und dann brauchen wir Nachwuchs. KI-Agenten könnten Vorstandsarbeit erleichtern, sodass Jüngere weniger bürokratische Hürden meistern müssen und vielleicht eher bereit sind, sich ehrenamtlich im Vorstand zu engagieren.
Was kann das Digitale niemals ersetzen?
Fußball findet nach wie vor auf dem Platz statt. Hier trifft man sich, spielt entweder selbst oder schaut sich das Spiel an, quatscht und es gibt ein Bierchen und eine Grillwurst. Diese analoge Welt des Fußballs kann niemals digital stattfinden. Im Fußballverein geht es um Gemeinschaft und Freundschaft. Und auch die Weihnachtsfeiert wird natürlich vor Ort gefeiert. (lacht)
