Abo

Eine Welt aus dem BaukastenOberberger schraubt mehr als 1000 Teile zusammen

3 min

Die Produktion der Baukästen wurde 1999 eingestellt. Claus Ignatius ist froh, dass er sich noch einige Schätze sichern konnte.

Wiehl-Hübender – Sein neuestes Projekt ist ein Turmdrehkran, ein Meter hoch und elf Kilogramm schwer. Mehr als 1000 Teile hat Claus Ignatius von Oktober bis Dezember zusammengeschraubt. Eine gute Beschäftigung während des Lockdowns findet er, schließlich gehört er mit 78 Jahren zur Risikogruppe und muss zu Hause bleiben, wenn seine Frau die Enkel betreut.

Ignatius’ Verbindung zum Märklin-Spielzeug begann früh. 1949 schenkten ihm Tante, Großmutter und Mutter zusammen den ersten Metallbaukasten. Die Kästen von Märklin hatten damals schon einen erheblichen Wert, 60 Mark kostete einer, die dazugehörigen Zinkautos sieben Mark. Doch bis Mitte der 1950er bekam der junge Claus jedes Jahr weitere Autos und Baukästen für verschiedene Märklin-Modelle geschenkt. Erst im Alter von 16 Jahren ließ das Interesse am Metalmodellbau nach, er ging lieber in die Tanzschule. „Ich wollte den ganzen Mist damals nicht mehr“, erinnert sich der Wiehler Apotheker im Ruhestand und lacht.

Sinneswandel nach Anröchte

Mitte der 80er Jahre kam es zum Sinneswandel, als er bei einer Reise nach Anröchte bei einem Apothekerkollegen ein Märklin-Riesenrad im Ladenfenster sah. Seine Leidenschaft entflammte erneut. Er war entschlossen: „So eines will ich auch für mein Schaufenster.“

Die Produktion der Baukästen wurde 1999 eingestellt. Claus Ignatius ist froh, dass er sich noch einige Schätze sichern konnte.

Einige Zeit später lud ein Freund ihn ein, mit zur Modellbahn-Messe nach Köln zu fahren. Ignatius erinnert sich, wie fasziniert er von den Miniaturlandschaften war, die dort zur Schau standen. Er bekam Kontakt zu einem Spielwarenhändler aus Köln, der noch einen Bausatz für das Riesenrad besaß. Ein Glück, denn Anfang der 1990er Jahre war das Interesse an den alten Metallbaukästen von Märklin gering geworden. Doch Ignatius kam zudem in den Besitz weiterer Großbaukästen wie dem Flugboot und einem Raddampfer. Ein 1,85 Meter hohes Eiffelturmmodell, welches ihn damals 1000 Mark gekostet hat, ist das höchste Element seiner Sammlung.

Die Produktion der Baukästen wurde 1999 eingestellt. Claus Ignatius ist froh, dass er sich noch einige Schätze sichern konnte.

Claus Ignatius liebt die Metallbaukästen, sein Interesse an den heute bekannteren Märklin-Eisenbahnen ist dagegen gering. „Mein Stiefvater hat mir zum vierzehnten oder fünfzehnten Geburtstag eine Eisenbahnanlage geschenkt, fest verschraubt auf einer Tischtennisplatte.“ Doch er fand die Bahn, die nur im Kreis fährt, langweilig. „Später habe ich sie für 1000 Mark verkauft und das Geld für eine Reise nach Spanien ausgegeben.“ In seinem Haus in Wiehl-Hübender hat er einen ganzen Raum seiner Metallbau-Landschaft gewidmet, liebevoll gestaltet mit Kunstrasen und vielen Figuren. Auf die Details seiner Landschaft wie die kleinen Menschen, welche den Eiffelturm besuchen, an Deck des Raddampfers stehen oder aus den Kabinen des Riesenrads winken, ist er besonders stolz. Aus einem Cabriolet auf der Straße winkt Bundeskanzlerin Merkel, neben ihr sitzt Guido Westerwelle.

Nicht kreativ genug

Ignatius meint: „Märklin war nicht kreativ genug. Was nützt ein Riesenrad schon ohne Leben drumherum? Daran haben die Hersteller nicht gedacht.“ Er bedauert, dass es auch beim technischen Fortschritt hapert. „Hier in dem alten Katalog wurde ein elektronischer Aufzug für den Eiffelturm versprochen, der kam nie auf den Markt“, sagt der 78-jährige. „Man kann mit den Metallbauten von Märklin nichts machen, nachdem sie aufgebaut sind, da ist keine Bewegung drin“, bemängelt er.

Die Produktion der Baukästen wurde 1999 eingestellt. Claus Ignatius ist froh, dass er sich noch einige Schätze sichern konnte.

Der Aufbau ist jeweils immer eine Herausforderung. Am Wiener Riesenrad aus 5000 Bauteilen ist er fast verzweifelt. „Ich habe alles nach den Vorschriften der Anleitung zusammengebaut, aber es passte nicht.“ Erst nach ausgiebiger Internetrecherche und einem Neuanfang gelang es ihm, das Riesenrad aufzurichten. Der Prozess dauerte so über zwei Jahre.

Neue Märklin-Baukästen gibt es nicht, die Herstellung wurde 1999 gestoppt. In Claus Ignatius’ Modellzimmer ist ohnehin kein Eckchen mehr frei. Der Modellbaubastler schmunzelt: „Jetzt muss ich nur noch eine neue Beschäftigung für die weitere Corona-Zeit finden.“