Interview mit den beiden oberbergischen Motocross-Sportlern über ihr spezielles Hobby und ihre Erfolge.
MotocrossAndre Müller und Kevin Palausch sind das Seitenwagen-Duo des MSC Bielstein

André Müller (r.) und Kevin Palausch sind momentan die erfolgreichsten Seitenwagen-Fahrer des MSC Drabenderhöhe-Bielstein
Copyright: Florian Sauer
Wo Andŕe Müller (60) auftaucht, ist Kevin Palausch (38) nie weit – und umgekehrt. Kein Wunder, die beiden Motocross-Sportler aus Weiershagen und Engelskirchen bilden das derzeit erfolgreichste Seitenwagen-Team des MSC Drabenderhöhe-Bielstein – sportlich gesehen kann der eine gar nicht ohne den anderen. Im Gespräch mit Florian Sauer verraten die beiden Aushängeschilder des MSC, dass ihre aktuelle Erfolgssträhne kein Zufall ist, warum Beiwagen auf der linken Seite eher Exoten sind – und warum blindes Vertrauen im Sidecarcross die Basis für den Sieg ist.
Herr Müller, Herr Palausch, Hand aufs Herz: Wer von Ihnen ist auf dem Gespann der Chef?
Palausch: Wir funktionieren nur als Einheit. Als Fahrer gibt Andŕe Gas, er lenkt und sucht permanent die optimale Spur.
Müller: Und als Beifahrer fährt Kevin ja nicht einfach nur mit, sondern greift über die Gewichtsverlagerung aktiv in die Lenkung ein. Es tut sich immens was, wenn er beim Sprung etwa an der Stange dreht oder zieht. So lässt sich tatsächlich in der Luft die Richtung ein gutes Stück weit korrigieren.
Motocross ist ein aufwendiges Hobby, mit Gespann allemal. Wie sind Sie zu den Seitenwagen-Rennen gekommen?
Müller: Vor vielen Jahren hatte ich einen Nachbarn, der beim MSC Seitenwagen fuhr. Er sprach mich an und wir drehten damals ein paar Runden, mehr war da erstmal nicht. So richtig entwickelt hat sich das bei mir nach Corona. Ich war hochmotiviert, kaufte mir ein eigenes Gespann – nur der Beifahrer, der fehlte mir. Als sich Kevins Fahrer dann verletzte, haben wir uns zusammengetan, zuerst vorübergehend. Inzwischen fahren wir unsere dritte gemeinsame Saison.
Palausch: Ich bin in Mühlen aufgewachsen, praktisch direkt neben dem Waldkurs. Klar, haben wir schon als Kinder zugeguckt, wenn auf der Strecke was los war. Die Seitenwagen haben mich schon damals fasziniert, vor allem die Beifahrer. Zuerst habe ich aber ganz passabel Fußball gespielt. Als ich 23 oder 24 war, hat mich mein damaliger Chef dann aufgefordert, mit dem Fußball Schluss zu machen, wegen der Verletzungsgefahr.
Und dem Mann haben Sie dann ernsthaft erklärt, dass Sie nun zum Motocross wechseln?
Palausch: (lacht) Ja, ziemlich genau so war es. Man kann sich ja nicht alles verbieten lassen. Für mich war damals jedenfalls klar, dass ich Seitenwagen fahren will. Auf Testklamotten habe ich verzichtet und mich direkt komplett eingekleidet.
Herr Palausch, Sie haben die Faszination angesprochen, die der Seitenwagen-Sport schon in Ihrer Kindheit auf Sie hatte. Können Sie die näher beschreiben?
Palausch: Wenn ich unser Gespann so ansehe, erscheint es mir immer noch als ein kleines Wunder, dass wir damit 20 Meter und weiter springen. Wir bringen Mensch und Material an ihre Leistungsgrenzen, das kann man so sagen. Möglich ist das nur durch blindes Vertrauen zwischen Fahrer und Beifahrer.
Müller: Aus diesem Vertrauen zwischen uns ist eine enge Freundschaft gewachsen. Das erleben Solo-Fahrer so nicht.
Sprechen wir einmal über ihr Gespann. Was ist das für eine Maschine?
Müller: Was das Motorrad angeht, sind wir durchaus WM-tauglich (lacht). Im Ernst: Ich habe mich damals für einen Viertakter mit 450 Kubikzentimetern entschieden, aus dem ein Tuner dann in viel Kleinarbeit um die 640 Kubik herausgeholt hat. Kniffelig ist, das der Rahmen natürlich immer zum Motorrad passen muss. Da ist nicht alles einfach mit allem kombinierbar. Zum Beispiel legt man sich mit dem Rahmen ja schon fest, ob der Seitenwagen später rechts oder links montiert wird.
Ich dachte die Seitenwagen sind immer rechts angebaut.
Müller: In Deutschland ist der Wagen meistens rechts, das stimmt. Aber in der britischen Meisterschaft zum Beispiel ist es genau andersherum. Weil aber die Streckenführungen hierzulande oft rechts herum gebaut sind, macht die rechte Seite absolut Sinn.
Wer von Ihnen ist nach einem Rennen erschöpfter?
Müller: Die physischen Anforderungen an den Beifahrer sind noch einmal höher. Er kann sich nicht hinsetzen, er ist das ganze Rennen über in Bewegung.
Palausch: Früher habe ich manchmal auf die Uhr geschaut und gehofft, dass es bald vorbei ist. Das war so kein Zustand. Deshalb haben wir uns ein Fitnessprogramm verordnet, dass wir in der Saison auch konsequent durchziehen.
Wie genau sieht das auch? Erzählen Sie mal.
Palausch: Wir haben die Ernährung komplett umgestellt, sind an drei Tagen die Woche im Fitnessstudio, dazu kommt bei mir das Training auf dem Rennrad. Wir verzichten auf Alkohol. Dadurch habe ich in einem Jahr 17 Kilo abgenommen. Und die merken wir auf dem Motorrad inzwischen ganz gewaltig.
Der Erfolg gibt Ihnen recht: Vergangenes Jahr haben Sie den dritten Platz bei der Deutschen Amateur Motocross Meisterschaft eingefahren und dafür vor einigen Wochen die silberne Sportmedaille der Stadt Wiehl bekommen. Und auch dieser Sommer läuft gut.
Palausch: Wir konzentrieren uns diesmal auf den ADAC Sidecarcross Clubsport Cup im Süddeutschen und führen die Wertung nach drei von sechs Rennen an.
Letzte Frage: Gibt es überhaupt noch Dinge, die Sie gerne verbessern würden?
Müller: Die gibt es ja immer. Wahrscheinlich müsste man zum Beispiel Physiotherapie viel stärker ins Training einbinden. Aber das muss zeitlich auch alles mit dem Beruf vereinbar bleiben. Bei allem Ehrgeiz: Die Seitenwagen-Rennen im Motocross bleiben unser Hobby.