Mathias Bonhoeffer, Großneffe von Dietrich Bonhoeffer, sprach in Wiehl über Verantwortung und fragte, was der Reformationstag heute bedeutet.
Bonhoeffers GroßneffeReformationstag nicht feiern, sondern verantworten

Bernhard Wunder (l.) und Renate Baumann hatten den Vortragsabend mit Mathias Bonhoeffer organisiert.
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Was der Reformationstag heute bedeutet
Was kann der Reformationstag Menschen in der heutigen Zeit bedeuten? Dieser Frage ging in der evangelischen Kirche jetzt ein Vortragsabend zum Thema „Nicht feiern. Verantworten – Wie Dietrich Bonhoeffer den Reformationstag in Frage stellte“ mit Pfarrer Mathias Bonhoeffer nach. Eingeladen hatten das Katholische Bildungswerk Oberberg, die evangelische Kirchengemeinde Oberbantenberg/Bielstein und der Arbeitskreis Christen für Wiehl.
Ein Gast mit Bezug zu Wiehl
Mathias Bonhoeffer, Pfarrer aus Köln, ist der Großneffe des Theologen und Widerstandskämpfers gegen das nationalsozialistische Regime, Dietrich Bonhoeffer. Schon seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit der Theologie Dietrich Bonhoeffers, bringt sie Menschen aller Generationen näher. In Wiehl war Mathias Bonhoeffer im vorigen Jahr schon einmal zu Gast. Im Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium diskutierte er mit Schülerinnen und Schülern den umstrittenen Bonhoeffer-Film von Regisseur Todd Kormanicki von 2024, der in seinen Augen die Historie verfälscht. Bernhard Wunder vom Katholischen Bildungswerk Oberberg erinnert sich: „Zu dieser Gelegenheit sah ich ihn auf dem Podium und dachte, dass wir ihn erneut nach Wiehl einladen sollten.“ Er betonte, an diesem Abend in der Wiehler Kirche gehe es darum, als Christen auszuloten, ob das, was wir tun, noch immer dem Evangelium entspricht. „Diese Frage wird nie ihre Relevanz verlieren.“ In einer Zeit gesellschaftlicher Spannungen und politischer Polarisierung sei es wichtig, immer wieder nach der Verantwortung der Christen in der Welt zu fragen, so Wunder.
Achte Veranstaltung rund um den Reformationstag

Pfarrer Mathias Bonhoeffer.
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In der nunmehr achten Veranstaltung der Kooperationspartner rund um den Reformationstag begrüßte Renate Baumann, Mitglied des Arbeitskreises der Christen für Wiehl, die zahlreichen Gäste: „Als wir den Abend planten, haben wir uns auch die Frage gestellt, wer die Bedeutung des Reformationstages in die Jetztzeit holen könnte, und wir waren uns schnell einig, Mathias Bonhoeffer darum zu bitten.“
Die Predigt von 1932 im Mittelpunkt
Der 68-Jährige, der von sich sagt, seine Herkunft sehe er als eine Aufgabe, nämlich die, im Sinne seines Großonkels „mit Blick auf die Wirklichkeit das zu tun, was notwendig ist“, stellte in seinem Vortrag eine Predigt Dietrich Bonhoeffers in den Mittelpunkt, nachdem er den historischen Kontext des Jahres 1932 beleuchtet hatte. In der Predigt vom 6. November 1932, die der 26-jährige Dietrich Bonhoeffer in der Berliner Kirchengemeinde Am Friedrichshain hielt, ging es um die Verantwortung der Kirche gegenüber den Menschen, gegenüber Gott, aber auch darum, wie sehr die Kirche sich von Politik vereinnahmen lassen dürfe. Der 6. November war der Tag des Reformationsfestes und gleichzeitig der Tag der Reichswahl. Dietrich Bonhoeffer war da längst schon Mahner und Warner, und, wie sein Großneffe sagt, ein vernünftig denkender, aber unbequemer Theologe. „Den Gläubigen war schnell klar, dass hier keine Festtagspredigt gehalten wurde“, erläuterte Mathias Bonhoeffer. Vielmehr fordere Dietrich Bonhoeffer auf, den Reformationstag nicht zu feiern, sondern als Aufforderung zu begreifen, Verantwortung zu übernehmen. „Kirche sollte moralische Fehlentscheidungen kritisieren, sich schützend vor die Menschen stellen, nicht zu Unrecht schweigen.“ Schon 1932 lud der Theologe die Gottesdienstbesuchenden dazu ein, in Liebe und Verantwortung, im Sinne der Evangelien tätig zu werden.
Diskussion: Im Gespräch bleiben – mit Grenzen
Dass diese Forderung bis heute nicht leicht umzusetzen ist, zeigte die Diskussionsrunde im Anschluss an den Vortrag. Natürlich müsse man im Gespräch bleiben, sagte auch Mathias Bonhoeffer, gab aber zu, dass es in dieser Hinsicht durchaus Grenzen gebe: „Wenn mein Gegenüber im Dialog menschenverachtend bleibt, die Zehn Gebote missachtet, beende ich das. Er bleibt ein Mensch für mich, aber kein Gesprächspartner.“ Es war ein Abend, der zu weiteren Diskussionen, zum Nachdenken anregte, zumal Mathias Bonhoeffer hervorhob: „Möglichkeiten zum diakonischen Handeln gibt es immer!“
