Verlegung L321 in BielsteinNeue Straße steht auf 3000 Säulen – erheblicher Aufwand

Die neue Trasse der Bantenberger Straße ist schon gut zu erkennen.
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- Die Verlegung der Bantenberger Straße (L 321) ist eines der aufwendigsten Tiefbauprojekte im ganzen Kreis.
- 5 Millionen Euro kostet das Großprojekt, die Fertigstellung nach drei Jahren Bauzeit ist für März 2021 geplant.
- Wir geben einen Einblick in den Stand der Dinge des komplizierten Projektes
Bielstein – Dass es dort mal eine Müllkippe gab, wussten die Straßenbauer. Welche Auswirkungen der unsichere Baugrund konkret auf die Erdarbeiten haben würde, stellte sich erst bei den ersten Ausschachtungen heraus. Um die neue Trasse der Bantenberger Straße (L 321) auf solide Füße zu stellen, muss der Landesbetrieb Straßenbau derzeit einen erheblichen Aufwand treiben.
In den 1960er Jahren wurde im oberen Bereich des Siefens neben der Bantenberger Straße tonnenweise Unrat legal abgekippt. Vor allem Bauschutt, aber auch Autoreifen, das nahm man damals nicht so genau.
Keine Schadstoffe gefunden
Stahlträger, große Betonbrocken und was sonst nicht in den Boden gehört, haben die Bauarbeiter in den vergangenen Wochen aus dem Aushub herausgeholt. Zur Freude der Bauherren vom Landesbetrieb fand sich keine Spur von gefährlichen Schadstoffen, berichtet Matthias Bergmann, Bauüberwacher des Gummersbacher Niederlassung. Der große Haufen, der noch nicht wieder eingebaut wurde, sieht aus wie normale Erde. Möglichst viel Aushub soll aus ökonomischen und ökologischen Gründen wieder an Ort und Stelle verwendet werden.

Nachdem der Nordhang befestigt ist, muss derzeit der Untergrund im oberen Bereich der Straßenführung mit so genannten Rüttelstopfsäulen nachverdichtet werden.
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Gleich daneben wartet ein Berg Grauwacke-Schotter auf seine Verwendung. Stolze 3400 Tonnen, das sind rund 140 Lkw-Ladungen, haben die Straßenbauer schon im ersten der beiden Abschnitte eingebaut, die nachverdichtet werden müssen. Bei diesem Verfahren kommen so genannte Rüttelstopfsäulen zum Einsatz. Diese bohren 60 Zentimeter große Löcher etwa vier Meter tief in den Boden, bis der tragende Grund erreicht ist. Beim Herausziehen wird der Hohlraum mit Schotter aufgefüllt. Zunächst wurde das Verfahren auf einem Probefeld getestet. Dabei wird die Tragfähigkeit des Grundes mit Gewichten und Rammstäben immer wieder überprüft.

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Dann machten sich die Bauleute mit dem Spezialgerät daran, auf der Trasse zunächst im Abstand von 1,5 Metern Schottersäulen in den Boden zu schieben. Als diese Verdichtung nicht ausreichte, wurden in zwei Arbeitsgängen weitere Löcher dazwischengesetzt, bis schließlich 1400 Schottersäulen eingebaut waren. Im zweiten, höher gelegenen Abschnitt werden es wohl noch einmal so viele werden. Insgesamt müssen rund 1800 Quadratmeter Straßenuntergrund verdichtet werden.
Großprojekt
Die Verlegung der Bantenberger Straße (L 321) ist eines der aufwendigsten Tiefbauprojekte im ganzen Kreis. Unterhalb des Schulzentrums soll die Fahrbahn nach rechts schwenken, um 300 Meter weiter unten in einem Kreisverkehr auf die Bielsteiner Straße (L 336) zu münden. 15 Millionen Euro kostet das Großprojekt, die Fertigstellung nach drei Jahren Bauzeit ist für März 2021 geplant. Die Arbeiten werden in diesem Jahr noch mit Vollsperrungen und Umleitungen verbunden sein.
Die Bantenberger Straße wird verlegt, weil sie mit der engen und steilen Serpentine am unteren Ende nicht mehr dem Verkehrsaufkommen entspricht. Besonders die Radien im Kreuzungsbereich von L321 und L336 (Bielsteiner Straße) stellen für Lkw und Busse ein Problem dar. Große Fahrzeuge müssen beim Abbiegen in den Gegenverkehr fahren. Diese Probleme sind nicht neu und führten schon in den 1970er Jahren dazu, die Verlegung der Straße in Betracht zu ziehen. Die ersten Pläne datieren auf 1984. 2000 und 2006 gab es neue Anläufe, erst 2017 rückte die Maßnahme so weit nach vorn auf der Prioritätenliste des Landesbetriebs, dass man in die Planung und Vergabe einstieg. Neben allerlei Kanalarbeiten lässt die Stadt Wiehl die Rad- und Gehwegverbindung ausbauen und richtet an beiden Enden der Straße Kreisverkehre ein. (tie)
Damit kommen Zusatzkosten von mehr als 500 000 Euro auf den Landesbetrieb zu. Angesichts eines Gesamtvolumens von etwa 15 Millionen Euro fällt die Ausgabe allerdings weniger ins Gewicht. Landesbetrieb-Projektleiter Tino Keil hält solche Überraschungen für unvermeidbar und bemüht einen alten Bergmannsspruch: „Vor der Schippe ist es dunkel.“
Eine Verzögerung im Bauablauf ergibt sich nicht, auf der Trasse gibt es an anderen Stellen genug zu tun. Der trockene Sommer hat der Baustelle genutzt, der schneearme Winter nur zwei Wochen Pause gefordert. Oberhalb wird am Kanal gebaut, unten kann man schon den Kreisverkehr erkennen, an dem die neue Trasse auf die Bielsteiner Straße aufmündet.
Der neu terrassierte Nordhang ist derweil fertig. Ein mit Felsankern befestigtes Netz verhindert Erosion. Dieses soll sich im Laufe der Jahre selbst begrünen. „Wie natürlich das am Ende aussieht“, sagt Projektleiter Keil, „kann man an der L 307 bei Engelskirchen-Wallefeld besichtigen.“
