Immer trockenere SommerFeuerwehr rüstet sich gegen Waldbrände

So sehen die Löschrucksäcke aus, die 20 Liter fassen können.
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Wiehl – Was tun, wenn nicht nur ein paar hundert Quadratmeter Wald und Wiesen in Flammen stehen, sondern Vegetationsbrände sich gleich über viele Hektar ausbreiten?
Angesichts heißer Sommer und ausgetrockneter Böden arbeiten derzeit mehrere Feuerwehren in Oberberg an neuen Konzepten für große Flächenbrände in unwegsamem Gelände – so auch die Freiwillige Feuerwehr Wiehl. Deren Chef Jens Schmidt sagt: „Wir verzeichnen seit einigen Jahren eine steigende Zahl von Vegetationsbränden. Wir müssen uns dauerhaft auf eine trockenere Witterung einstellen.“
Wie eine große Wasserpistole
Das neueste technische Gerät im Kampf gegen Flammen fernab von Wasserleitungen und Hydranten mutet wie ein Kinderspielzeug an: In die Löschrucksäcke, die von den Wiehlern derzeit noch erprobt werden, passen je 20 Liter Wasser. Unabhängig von elektrischen Pumpen kann die Einsatzkraft damit ins Gelände gehen und mit Düse und Handpumpe gezielt Flammen löschen – ähnlich funktionieren auch große Wasserpistolen aus dem Spielzeughandel.

Die Waldbrandpatsche soll zusammen mit den Löschrucksäcken zum Einsatz kommen.
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„Mit den Rucksäcken können wir natürlich keine großen Flächenbrände löschen, aber zumindest eindämmen“, erklärt Stadtbrandinspektor Schmidt: „Ein zweiter Mann mit einer Waldbrandpatsche würde dann assistieren.“ Die Rucksacktechnik stammt ursprünglich aus den USA. In Wiehl werden derzeit vier getestet. Jeweils zwei sind auf Einsatzwagen, die vor zwei Jahren neu angeschafft wurden.
Die beiden Tragkraftspritzenfahrzeuge (TSF-W) sind auf die Erfordernisse im unebenen Gelände ausgelegt. Sie haben Allradantrieb, sind höhergelegt und wiegen nur 7,2 Tonnen – andere Wagen bringen mehr als das Doppelte auf die Waage. An Bord sind dünnere Löschschläuche der Größe D, die sich auch gefüllt noch bewegen lassen. Die 800 Liter Löschwasser auf den Wagen reichen bei Vegetationsbränden für einen Erstangriff.

Auf den leichten Tragkraftspritzenfahrzeugen führt die Wehr Schläuche mit, die dünner als der Standard sind.
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Schmidt: „Die TSF-W dienen uns bei Waldbränden als Erkunder. Denn es wäre zu gefährlich, schwerere Fahrzeuge in den Wald zu schicken, ohne die Begebenheit dort zu prüfen. Die könnten schließlich stecken bleiben.“ Stationiert sind die TSF-W in den Gerätehäusern Marienhagen und Drabenderhöhe, also in der Nähe größerer Wiehler Waldflächen.
Mit dem Stichwort „Waldbrand“ gewinnt die Feuerwehr Zeit
Um besser auf Vegetationsbrände reagieren zu können, hat die Feuerwehr eine Alarmgruppe eingerichtet: Beim Stichwort „Waldbrand“ rücken die beiden TSF-W mit einem Tanklöschfahrzeug aus Bomig aus, das 5000 Liter Wasser mitführt. „So gewinnen wir bei einer Alarmierung Zeit“, erklärt Schmidt.
Notstrom
Für den Fall eines längeren Stromausfalls sollen alle Wiehler Feuerwehr-Gerätehäuser möglichst schnell mit Notstromaggregaten ausgerüstet sein. In Bomig und Marienhagen gibt es sie schon, in Oberwiehl soll das Aggregat im Oktober installiert werden. Für die Standorte Wiehl, Drabenderhöhe und Bielstein wird kurzfristig die Ausschreibung erfolgen, berichtet Wehrleiter Jens Schmidt: „Falls der Strom mehrere Tage lang ausfallen sollte, muss die Feuerwehr handlungsfähig bleiben. Denn gerade dann rechnen wir mit vermehrten Einsätzen.“ Beim neuen Gerätehaus in Oberwiehl etwa soll das dieselbetriebene Aggregat Strom für fünf Tage liefern.
Doch die Wiehler wollen sich künftig nicht allein auf ihre Wagen verlassen. Derzeit klärt die Wehrleitung mit dem örtlichen Förster, wo sich Seen oder alte, in den vergangenen Jahrzehnten nicht mehr gepflegte Feuerlöschteiche befinden. Um im Brandfall an Wasser zu kommen, könnte die Wehr auch auf Leitungen zugreifen, die von Trinkwasser-Hochbehältern durch den Wald führen. Und Landwirte könnten mit ihren Wasserbehältern helfen.
Experte erklärt Taktiken
Aber alles technische Gerät, alle Pläne nützen wenig, wenn nicht das Personal für Waldbrände geschult ist. Im Herbst erwartet die Wehrleitung einen externen Experten, der Taktiken erklären wird. Daraus soll ein Schulungsprogramm für alle Wehrmitglieder entwickelt werden. Zu den Vorbereitungen, die getroffen werden, gehören auch Überlegungen in Sachen Löschhubschrauber: Sie können schon jetzt angefordert werden.
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Doch falls sie bei einem Großbrand längere Zeit vor Ort sind, müssten Rahmenbedingungen geschaffen werden. „Wo befüllen sie ihre Wassertanks neu, wo bekommen sie Kerosin?“, stellt Schmidt wichtige Fragen, die es noch zu klären gilt. Der Klimawandel bedeutet auch einen Wandel in der Feuerwehrtaktik.

